Impfstopp verunsichert Lehrer und Kita-Mitarbeiter in Bergkamen

Gemischte Gefühle bei den Astrazeneca-Geimpften

Impfungen des Kita-, Grund- und Förderschulpersonals in Bergkamen
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Für das Schul- und Kita-Personal gab es Astrazeneca in der Römerberghalle. Drei Tage später wurde die Impfung mit diesem Präparat gestoppt.

Bergkamen – Es war zunächst ein gutes Gefühl, mit dem die rund 370 Lehrer und Erzieher am Freitag die Römerberghalle in Bergkamen verließen. Schließlich sollten sie durch die erste Impfung gegen das Coronavirus schon einen gewissen Schutz erhalten. Als dann am Montagmittag die Bundesregierung die Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat plötzlich stoppte, weil es zu einigen schweren Erkrankungen und sogar Todesfällen in zeitlichem Zusammenhang mit der Immunisierung mit diesem Vakzin gekommen ist, waren jedoch einige der Geimpften beunruhigt.

„Ein bisschen verunsichert sind wir natürlich“, berichtete etwa Heike Prochnow, Leiterin der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule in Rünthe. Sie war am Freitag mit 31 Kollegen in die Römerberghalle gekommen. Dort hatten sie die Injektion mit Astrazeneca bekommen. „Es ein unschönes Gefühl, gerade die Spritze bekommen zu haben und dann zu erfahren, dass der Impfstoff gestoppt wurden“, schildert sie. Das Thema wäre dann auch im Kollegenkreis besprochen worden. „Wir gehen sehr sachlich daran. Beim Impfen gibt es schließlich immer Risiken und Nebenwirkungen.“

Letztere haben fast alle Mitarbeiter der Rünther Grundschule nach der Immunisierung bei sich festgestellt. „Es waren die ganz normalen Nebenwirkungen, auf die wir vorher hingewiesen wurden. Aber es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, den Impftermin auf einen Freitag zu legen. So hatten wir zwei Tage Zeit, uns auszukurieren und zu erholen“, sagt Heike Prochnow.

Aufgrund der aktuellen Situation schaue nun jeder sensibel darauf, wie lange er zum Beispiel Kopfschmerzen hatte oder ob es Einblutungen gibt. Die Gefühle bei den Betroffenen sind gemischt. Trotz allem überwiege bei den Pädagogen und Mitarbeitern an der Ketteler-Schule eine positive Grundstimmung. „Immerhin sind wir zumindest schon zu einem Teil geschützt“, so die Schulleiterin. 

Hohes Infektionsrisiko in Schule und Kita

Das Risiko, sich in der Schule mit dem Virus zu infizieren, schätzt sie hoch ein. „Wir haben viel Kontakt zu den Kindern und immer wieder erlebt, dass Eltern sich gemeldet haben, weil es in der Familie Corona-Fälle gegeben hat oder sich das Kind nicht wohlfühlt. Jetzt haben wir ein sichereres Gefühl“, so Heike Prochnow.

Noch besser wäre dies gleichwohl, wenn das Astrazenca-Serum rasch wieder freigegeben würde. „Dann würde ich mich persönlich besser fühlen“, sagt sie. Ihr ist es außerdem wichtig, dass die zweite Impfung sichergestellt ist. Die soll eigentlich im Juni erfolgen und einen vollumfänglichen Schutz bieten. „Es wäre schlimm, wenn jetzt alles hinfällig wäre“, so Heike Prochnow.

Sollte der Astrazeneca-Impfstoff wieder zugelassen werden, wollen die Mitarbeiter des Schulverwaltungsamtes der Stadt zügig zum nächsten Termin einladen. Allerdings sind erst einmal diejenigen an der Reihe, die bisher noch nicht geimpft wurden. So sollten insgesamt rund 160 Lehrer und Mitarbeiter der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Heil und der Regenbogenschule in Rünthe sowie fast 240 Mitarbeiter aus 22 Kindertageseinrichtungen in der Stadt am Freitag die erste Injektion erhalten.

Organisatoren und Helfer stehen für zweiten Termin bereit

Ihre Termine mussten Amtsleiter Andreas Kray und seine Mitarbeiter nun am Dienstagmorgen absagen – fast ebenso kurzfristig, wie die Einladung erfolgt ist. „Am 8. März haben wir den Auftrag bekommen, für den 12. März einzuladen“, erzählt Kray. Er geht davon aus, dass sich eine nächste Impfaktion gleichfalls innerhalb von vier Tagen auf die Beine stellen ließe. „Mehr Vorlauf wäre natürlich besser. Schließlich müssen die Schulen und Kitas uns ja auch die Listen mit den Impfwilligen schicken“, erklärt er.

Danach werde unter anderem der Impfstoff beim Kreis Unna bestellt. Am Freitag ist davon einiges übrig geblieben. Die Fachleute, die die Injektionen vorbereitet haben, konnten aus den Flaschen mit dem Vakzin mehr Dosen ziehen, als ursprünglich angedacht. Das überschüssige Serum ist inzwischen an den Kreis zurückgeschickt worden. Es wird gekühlt gelagert, bis es wieder gebraucht wird – sofern die Sperre gegen Astrazeneca aufgehoben wird. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will am Donnerstag über den Impfstoff beraten.

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