Geld statt Applaus: Beschäftigte des öffentlichen Dienstes gehen dafür auf die Straße 

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Vor dem Kamener Rathaus versammelten sich über 200 Teilnehmer.

Bergkamen/Kamen – Im öffentlichen Dienst stehen die Zeichen auf einen langen Arbeitskampf. Seit Dienstag finden erste Warnstreiks statt, gestern hat die Gewerkschaft Verdi Kamener und Bergkamener aus öffentlichen Einrichtungen zum Streik aufgerufen und eine Kundgebung vor dem Kamener Rathaus durchgeführt. 202 Teilnehmer waren dabei und bildeten eine Kette, die etwa 350 Meter vom Rathausplatz bis zur Zentrale der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) reichte.

Die größte Anzahl an Streikenden kam mit 101 Teilnehmern aus Kamen, 38 waren aus Bergkamen gekommen. Hinzu kamen 63 Mitarbeiter der GSW. Das Unternehmen hatte bereits im Vorfeld darüber informiert, dass das Kundencenter und die Bäder der GSW aufgrund der Teilnahme am Warnstreik weitestgehend geschlossen bleiben. 

Mit der Resonanz waren die Organisatoren durchaus zufrieden, Frank Vorac, Verdi-Betriebsgruppensprecher aus Bergkamen, hätte sich eine noch größere Resonanz aus der Nordbergstadt erhofft. „Die offizielle Entscheidung, dass der Warnstreik stattfindet, ist aber auch sehr spät gekommen“, so Vorac, der mehr Respekt und Anerkennung gegenüber den Beschäftigten im öffentlichen Dienst forderte: „Mit öffentlichkeitswirksamen Klatschen geben wir uns nicht zufrieden!“

Warnstreik von Verdi in Kamen

Warnstreik von Verdi in Kamen

Verdi-Funktionär Christian Berger zielte bei seiner Ansprache vor allem in Richtung von Ulrich Mädge, dem Präsidenten der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände. „Wir sind auf ihn zugegangen und haben ihm gesagt, dass wir in der Coronazeit nicht zum Streik aufrufen wollen“, sagte Berger. Angebote, die Tarifrunde mit Einmalzahlungen zu verschieben, seien jedoch abgelehnt worden. Vielmehr habe Mädge den Eindruck vermittelt, dass er nicht glaube, dass die Gewerkschaft derzeit überhaupt in der Lage sei, einen Arbeitskampf auf die Beine zu stellen. „Die Tatsache, dass Ihr heute hier steht, zeigt, dass Ihr sehr wohl dazu in der Lage seid.“

Bürgermeisterin appelliert an Kompromissbereitschaft

Kamens Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) appellierte vor dem Hintergrund der Warnstreiks an die Tarifparteien, sich trotz unterschiedlicher Positionen und schwieriger Ausgangslage auf einen tragbaren Kompromiss zu einigen, der auch die berechtigten Interessen der Beschäftigten berücksichtige. In einem Schreiben an Mädge unterstrich Kappen die Wichtigkeit der Arbeit im öffentlichen Dienst. „Der öffentliche Dienst ist Dienst am Menschen“, wird die Bürgermeisterin in einer Mitteilung zitiert.

Einen Großteil der streikenden Demonstranten aus Bergkamen machten Erzieherinnen der drei städtischen Kitas aus. Zwölf Erzieherinnen und damit der Hälfte der dort Beschäftigten kamen aus dem Familienzentrum „Tausendfüßler“. Daher war am Mittwoch in dieser Einrichtung nur eine Notbetreuung für maximal 20 Kinder möglich. „Wir sind sauer über die fehlende Wertschätzung und die Tatsache, dass der Arbeitgeber bisher noch nicht mal ein Angebot vorgelegt hat“, begründete Nicole Kürpick, stellvertretende –Tausendfüßler-Leiterin den Grund für die Teilnahme am Warnstreik. Gerade in Coronazeiten, in denen ältere Kräfte wegen als Risikogruppe ausfallen, käme es in den Einrichtungen immer wieder zu Engpässen. „Oft ist so in den Einrichtungen nur eine Betreuung und keine Förderung möglich“, stellte Kürpick, die zudem stellvertretende Vorsitzende der Verdi-Betriebsgruppe der Stadt Bergkamen ist, fest.

Die beiden anderen Einrichtungen, die Familienzentren „Sprösslinge“ und „Mikado“, hatten lediglich eine Erzieherin zur Veranstaltung entsandt, sodass hier die Betreuung wie gewohnt stattfand. Das Familienzentrum „Tausendfüßler“ hatte die Eltern am Dienstag über die bevorstehende Notbetreuung informiert. Lediglich ein Elternteil habe darauf nicht mit Verständnis reagiert, berichtete Kürpick. „Die anderen Eltern stehen hinter uns, denn die wissen, was wir leisten.“

Am 22. und 23. Oktober soll die nächste Verhandlungsrunde stattfinden. „Wenn dann nichts auf dem Tisch liegt, dann muss ich Euch dringen bitten, noch einmal zu kommen und dann jeweils noch zwei Leute mitzubringen“, gab Berger den Teilnehmern am Ende mit auf den Weg. Vorher sind bis zum 8. Oktober im Bezirk weitere Streikmaßnahmen geplant.

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