Geschützte Fledermäuse, seltene Vögel und was noch?

Artenschutzgutachten für Siedlung Schönhausen: Ein Jahr Pause und neuer Ansatz im Streit um die Bäume

Ein imposanter Baumbestand kennzeichnet die Bergarbeitersiedlung Schönhausen in Mitte. Auch an der Russelstraße stehen riesige Platanen. Allerdings sorgen deren Wurzeln offenbar für Schäden an Straßen, Leitungen und Gebäuden.
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Grüner Wohnen in Schönhausen. Aber die Idylle trügt, der üppige alte Baumbestand sorgt für Streit.

Auch im kommenden Sommer werden die mächtigen Bäume in Schönhausen Schatten spenden: Die strittige Gehölzsanierung ist ausgesetzt, es fehlt ein Gutachten.

Bergkamen – Die Anwohner unterm derzeit üppig grünen Platanendach der Siedlung Schönhausen werden noch mindestens zwei Mal das Laub der über 100 Jahre alten Riesen aufkehren, ehe geklärt ist, an welchem Baum doch die Axt angelegt werden muss, weil er mehr Probleme als Freude macht.

Sendepause bis Oktober 2022

So steht es, in anderen Worten freilich, in einem Anschreiben der Verwaltung an die Grundeigentümer in der einstigen Zechenkolonie und ihrer Mitteilung an die Fraktionen im Rat. Nachdem die geplante Beseitigung etlicher Bäume wegen der vom Wurzelwerk ausgehenden Schäden an Häusern und Leitungen auf eine scharfe Kontroverse hinauszulaufen drohte, wird Druck aus dem Kessel genommen. Vor Oktober nächsten Jahres werde es mit der Beratung nicht weiter gehen, schreibt Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters.

Was kreucht und fleucht denn da?

Denn die Stadt Bergkamen müsse auf Verlangen der Unteren Naturschutzbehörde zunächst ein Artenschutzgutachten einholen. Fledermäuse sollen in den Kronen ihr Zuhause haben. Darauf habe eine Anwohnerin die Kreisbehörde hingewiesen. Eine Begehung mit Experten habe gezeigt, dass auch wegen der Vögel in der stadtnahen Grünoase und anderen geschützten Tieren mal genauer geschaut werden muss.

Beobachtung dauert ein Jahr

So etwas dauert ein ganzes Jahr, schließlich müssen alle Jahreszeiten für die Erhebung betrachtet werden. Solange will die Stadt dort nun auf das Fällen von Bäumen verzichten, sofern keine unmittelbare Gefahr von ihnen ausgeht. So haben es Peters und Bürgermeister Bernd Schäfer der Mitteilung zu Folge mit den Vorsitzenden der Siedler, Christel Gröhling und Reiner Zolper, erörtert, nachdem sich die Gemeinschaft schon zum Widerstand formiert hatte. In der Frage gärt es seit Langem zwischen Anwohnern und der Stadt, aber auch unter den Bewohnern. Die einen sind in Sorge um ihr Haus, weil die grünen Riesen Wände sprengen, Böden heben und Leitungen verstopfen. Die anderen fürchten um den Charakter, Wohnqualität und Klimaaspekte, wenn die Stadt so zu Werke geht, wie sie es Mitte Juni im Umweltausschuss als einzigen Ausweg aus dem Dilemma ausgeführt hat.

Nach Aufschrei geht Stadt auf die Bürger zu

Der Aufschrei über den „Kahlschlag“ folgte auf dem Fuße. Nun wollen es die Beteiligten aber mit kühlerem Kopf angehen. Die Eigentümer werden gebeten, bis Jahresende „Problembäume“ zu melden, damit ein Bewertungsregister erstellt werden kann. Die Baumkommission darf dabei mitreden. In einer Bürgerversammlung sollen alle zu Wort kommen, wenn im Herbst 2022 das Gutachten vorliegt. Für Bäume, die dann möglichst in Übereinstimmung gefällt werden, verspricht die Stadt schon Ersatzpflanzungen.

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