Ohne Perspektive

Ehemalige Gaststätte "Jockenhöfer" verrottet - Ist ein Hotel die richtige Lösung?

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Einen heruntergekommenen Eindruck macht das ehemalige Gaststätten-Gelände neben der St. Clemens-Kirche.

Die Gaststätte Jockenhöfer wurde bereits 1901 eröffnet und durchlebte seither eine wechselvolle Geschichte. Seit ihrem Abriss 2017 verrottet das Gelände vor sich hin.

Rünthe – „Baustelle – Betreten verboten“: Dieses Schild steht auf dem Gelände der ehemaligen Traditionsgaststätte Jockenhöfer, seitdem die Reste des längst baufälligen Gebäudes im Frühsommer 2017 abgebrochen worden sind.

Getan hat sich auf der Fläche neben der St.-Clemens-Kirche bisher aber gar nichts mehr. Die Eigentümer lassen es einfach verotten – sehr zum Ärger der Nachbarschaft und der Verantwortlichen im Rathaus.

Aus den Augen, aus dem Sinn – dieser Satz beschreibt die Lage mit Blick auf diese exponierte Fläche am nördlichen Ortseigang von Rünthe und Bergkamen. Die Grundstückseigentümer, eine Immobiliengesellschaft mit Sitz auf den Jungferninseln am westlichen Rand der Karibik, sind jedenfalls weit entfernt.

Sie nutzen die Fläche offenbar nur als Abschreibungsobjekt, um Steuern zu sparen. „Und sie jonglieren möglicherweise mit Grundstücken wie beim Monopoly“. Das vermutet zumindest Stadtbaurat Dr. Hans-Joachim Peters. „Uns liegt keine Bauvoranfrage für die Fläche vor. Und wir haben auch keinen Kontakt mehr zu dem Architekten in Berlin, der im Auftrag der Eigenümer vor zwei Jahren den Abbruch des alten Gebäudes organisiert hat“, erklärt der Erste Beigeordnete auf Anfrage.

Er sei froh, dass die Stadt wenigstens das damals erreicht habe. Jetzt das gesetzlich verankerte Baugebot an diesem Standort durchzusetzen, sei sehr schwierig. „Daran beißen sich auch Großstädte immer wieder die Zähne aus“, sagt der Erste Beigeordnete Dr. Peters. Dabei würde es durchaus verschiedene Kaufinteressenten aus der freien Wirtschaft für das Grundstück geben.

Die Ansiedlung eines Autohauses oder großflächiger Einzelhandel sei allerdings nicht die richtige Lösung für die stadtbildprägende Lage, so der Baudezernent. „Ich würde mir an dieser Stelle ein Hotel mit Tiefagarage wünschen“, bringt Peters eine andere Idee ins Spiel. „Angesichts moderner Isolierverglasung und Schalldämmung sollte das auch an dieser stark befahrenen Kreuzung kein Problem sein“, fügt Peters hinzu.

Wenn sich ein geeigneter Interessent findet, könnte die Stadt laut Baugesetzbuch (Paragraph 176) zumindest theoretisch auf juristischem Weg eine Nachnutzung des Jockenhöfer-Geländes durchsetzen. Andernfalls müsste der Eigentümer nachweisen, dass ihm das aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist. Dann könnte er laut Baugesetzbuch von der Stadt sogar die Übernahme des Grundstücks verlangen.

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