Geschäftsführer vor Gericht

Gastro-Betrug: Bergkamener Großhändler bestellt, bezahlt aber nicht

Der Angeklagte, hier mit seinen Verteidigern Michael Liedtke (ganz links) und Gennaro Festa sowie Dolmetscher Lamberto Canal (ganz rechts), soll in der Gastro-Firma als „Strohmann“ fungiert haben.
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Der Angeklagte, hier mit seinen Verteidigern Michael Liedtke (ganz links) und Gennaro Festa sowie Dolmetscher Lamberto Canal (ganz rechts), soll in der Gastro-Firma als „Strohmann“ fungiert haben.

Tonnenweise Fleisch, literweise Sauce und viele Paletten Gewürze: Ein Gastro-Großhändler aus Bergkamen soll 2015 unzählige betrügerische Bestellungen getätigt haben. Jetzt steht er in Dortmund vor Gericht.

Bergkamen/Dortmund - Schon zum zweiten Mal muss sich die 43. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts mit dem unternehmerischen Schicksal der Bergkamener XL Gastro GmbH befassen. Im vergangenen Jahr wurde der langjährige Geschäftsführer wegen Betruges in fast 50 Fällen zu vier Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Jetzt steht sein ehemaliger Kompagnon und „Strohmann-Geschäftsführer“ im Fokus.

Der 44-jährige Italiener spricht kein Wort Deutsch, soll allerdings zumindest auf dem Papier mitverantwortlich für die Betrugstaten sein. Staatsanwalt Ludger Klink ist davon überzeugt, dass der Angeklagte wusste, dass der Firmenchef kurz vor der Insolvenz noch einmal richtig zuschlagen wollte.

Verteidigung kündigt Erklärung an

Der Plan sah offenbar so aus: Die beiden Männer bestellten bei verschiedenen Lieferanten große Mengen Lebensmittel und verkauften diese kurz nach der Lieferung unter der Hand auf eigene Rechnung weiter.

Und als die Lieferanten später nachfragten, wann sie denn mit ihrem Geld rechnen könnten, verwies sie der langjährige Geschäftsführer auf seinen italienischen Strohmann, der angeblich von nichts einen blassen Schimmer hatte.

Dass die Wirklichkeit offensichtlich anders aussah, kündigte der Angeklagte schon am ersten Verhandlungstag über seine Verteidiger Michael Liedtke und Gennaro Festa an. „Wir werden eine Einlassung abgeben. Und diese wird weitgehend geständig sein“, sagten die Anwälte.

Bestellung von Werbematerial kurz vor der Pleite

Damit bleibt den Richtern eine ähnliche Verhandlung wie die gegen den eigentlichen Geschäftsführer der XL Gastro offenbar erspart. Der hatte nämlich lange Zeit alles abgestritten und erst nach vielen Wochen doch noch ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Neben den Lebensmitteln soll der Angeklagte übrigens auch noch andere Lieferungen unterschlagen und weiterverkauft haben, darunter ein geleaster 5er-BMW und eine Computeranlage der Firma Dell samt Server. Selbst Werbematerial soll die XL Gastro kurz vor der Pleite noch bestellt und geliefert bekommen haben. Wofür die Regenschirme, Kugelschreiber und USB-Sticks mit Firmenaufdruck gedacht waren, wird wohl das Geheimnis der mutmaßlichen Betrüger bleiben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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