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Volles Risiko: Kitas wünschen sich mehr Sicherheit durch verbindliche Tests

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Von: Kira Presch

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Mädchen mit Lollitest in Kita
Verpflichtende Pooltests, wie es sie in den Grundschulen gibt, sind in den Kitas nicht vorgesehen. Den Einrichtungen bleibt nur, an die Eltern zu appellieren, ihre Kinder regelmäßig zu testen. © Peter Kneffel

Die zuverlässige Betreuung ihres Nachwuchses in einer Kita ist für viele junge Familien unverzichtbar. Obwohl systemrelevant, fühlt sich das Kita-Personal aber zunehmend am Ende der Nahrungskette. „Im Fokus stehen die Schulen, wir müssen sehen, wie wir klarkommen“, heißt es aus den Bergkamener Kitas.

Rünthe – Für mehr Sicherheit wünschen sich die Kitas Pooltests wie in den Grundschulen, aber in den Labors gibt es keine Kapazitäten. Dabei arbeiten die Mitarbeiterinnen sozusagen ganz vorne an der Front mit Kindern, die sich nicht impfen lassen können, und müssen darauf vertrauen, dass Eltern zu Hause die Lolli-Schnelltests durchführen.

Tests in Kitas sind freiwillig

„Regelmäßige Tests gibt es bisher nur auf freiwilliger Basis in den Familien“, sagt Alexandra Bartosch, Leiterin der Evangelischen Kita Arche Noah in Rünthe. „Da müssen wir auf die Eltern vertrauen. Im Gegensatz zu den Schulen, in denen es klare Vorschriften zu den Testungen gibt, ist das in NRW gesetzlich überhaupt nicht geregelt, da sind die Kitas außen vor.“ Vorgesehen ist, dass die Eltern die von der Kita zur Verfügung gestellten Lolli-Schnelltests zu Hause regelmäßig anwenden. Ob das aber tatsächlich passiert, weiß niemand.

17 Fälle in sieben Bergkamener Kitas / Testpflicht nur im Quarantänefall

Stand Mittwoch sind in sieben Bergkamener Kitas 14 Beschäftigte und drei Kinder positiv gemeldet, bestätigt das Jugendamt. „In den Kitas gilt kein verpflichtendes Meldewesen, denn es gibt keine Anwesenheitspflicht wie in Schulen“, erläutert Jugendamtsleiter Ludger Kortendiek. „Die Eltern sind deshalb nicht verpflichtet zu melden, woran ein Kind erkrankt ist.“

Nach der Corona-Betreuungsverordnung greift die Testpflicht im Bereich der Kitas erst dann, wenn ein Quarantänefall in der Einrichtung vorliegt. Dann müssen die Eltern in sieben Tagen dreimal testen und bescheinigen, dass sie den Test durchgeführt haben. Eine hundertprozentige Sicherheit, dass die Tests auch gemacht werden, gebe es nicht. „Viele Eltern sind testmüde und haben noch nicht realisiert, dass die jetzt verwendeten Lolli-Schnelltests viel einfacher und schmerzfrei anwendbar sind“, so Kortendiek.

Es bestehe die Möglichkeit, Pooltests beim Land anzumelden. Die Kostendifferenz zwischen Schnelltests und Pooltest im Labor müsse dann von den Kommunen getragen werden. Andererseits seien die Labors schon jetzt überlastet, was dazu führe, dass Eltern morgens oft noch kein Ergebnis haben und das Kind nicht in die Kita bringen dürfen.

Eine Schließung sei nur die allerletzte Lösung, die auch nur das Gesundheitsamt, nicht aber der Träger anordnen darf. Wird die Mindestbesetzung beim Personal unterschritten, prüft das Landesjugendamt zunächst Lösungen, um Betreuungszeiten zu reduzieren oder einzelne Gruppen zu schließen.

Dabei arbeitet gerade das Kita-Personal an vorderster Front mit kleinen Kindern, die nicht geimpft werden können und auch nicht die erforderlichen Abstände einhalten können. „Gerade die Kleinen brauchen die Nähe, die kann man nicht einfach wegschieben“, sagt Alexandra Bartosch. Sie beobachtet sehr genau, was die Pandemie mit den Jüngsten macht. „Die unter Dreijährigen, die wir jetzt aufnehmen, die kennen oft niemand anderen außer ihrer Familie und kommen dann in die Kita, wo sie viele fremde Menschen treffen. Es ist eine herausfordernde Situation für alle Beteiligten.“

Hohe Dunkelziffer vermutet

Sie findet es fatal, dass immer gesagt wird, das sei eine Altersgruppe, bei der der Krankheitsverlauf grundsätzlich milde ist. „Gerade Kindergartenkinder sind so eine Gruppe, wo nicht genau hingeschaut wird, nach dem Motto ,Augen zu und durch’.“ Wenn nicht so viel getestet werde, dann gebe es auch tausende Infektionen weniger.

„Wir haben hier bisher zwei bestätigte positive Fälle, wir möchten aber gar nicht wissen, wie hoch die Dunkelziffer ist. Wir haben im Herbst und Winter so viele kranke Kinder gehabt, da ist nicht immer klar, ob es sich um eine Erkältung oder Corona handelt. Es wäre allen geholfen, ein Stück Sicherheit zu bekommen, wenn man einen verbindlichen Test wie in der Schule hätte“, ist Bartosch überzeugt. Denn auch die Eltern stünden massiv unter Druck und hoffen, dass der Schnupfen nicht Omikron ist, weil sie im Job nicht schon wieder fehlen können.

Den Betrieb irgendwie aufrechthalten

Seit dieser Woche hat der Träger der Kita Arche Noah, der Evangelische Kirchenkreis Unna, angeordnet, dass die Kinder in seinen Kindertageseinrichtungen dreimal in der Woche getestet sein müssen, um Zutritt zur Kita zu erhalten. Die Eltern müssen mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie getestet haben und der Test negativ war.

Kitas sind systemrelevant und müssen sehen, wie sie den Betrieb aufrecht erhalten. Aber: „Über Kita redet niemand – im Gegensatz zu den Schulen – da wird einfach erwartet, dass wir die Türen aufmachen. Man geht davon aus, dass alle Kitamitarbeiter geimpft sind, und das als Schutz schon ausreichen wird“, sagt Alexandra Bartosch. Demgegenüber stehen aber die vielen Impfdurchbrüche. „Wir haben in vielen Kitas inzwischen einen hohen Krankenstand beim Personal, können aber auch nicht mit zwei Erzieherinnen 60 Kinder betreuen. Irgendwann müssen wir dann doch schließen, auch wenn das nicht gewünscht ist.“

Die Einführung einer Testpflicht wäre hilfreich

Auch ihre Kollegin Katrin Bode, stellvertretende Leiterin des katholischen Familienzentrums Montessori in Rünthe, wünscht sich dringend zumindest eine Testpflicht für die Kitas wie sie auch für Schulen gilt. „Das wäre schon hilfreich“, sagt sie. „Denn bis jetzt sind die Eltern nicht verpflichtet, ihre Kinder zu testen. Wir geben denen, die testen wollen, Lolli-Selbsttests für zu Hause mit. Ob und wie oft tatsächlich getestet wird, wissen wir aber nicht.“ Eine Kontrollmöglichkeit wäre für Bode, wenn die Kinder die Teststäbchen mitbringen als Nachweis, dass getestet wurde.

Bisher seien keine Infektionen in der Montessori-Kita bekannt geworden. „Wenn im Test zwei Balken für ein positives Ergebnis erscheinen, dann vertraue ich den Eltern schon, dass sie das auch melden“, so Bode. Allerdings bleibt die Frage, wie sensibel sind die Lolli-Selbsttests? Wie zuverlässig zeigen sie eine Infektion mit der hoch ansteckenden Omikron-Variante an?

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