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„Früchte der Erde“ neu an der Rünther Straße: Marktstand mit besonderem Flair

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Von: Bernd Kröger

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Für jeden ein Lächeln, so möchte Burhan Coban den Kunden mehr geben als nur Ware. Sabine Fischer-Kukec gefällt das Angebot.
Für jeden ein Lächeln, so möchte Burhan Coban den Kunden mehr geben als nur Ware. Sabine Fischer-Kukec gefällt das Angebot. © Kröger

Mittwochs ist neuerdings Markttag in Rünthe: Dann kommt Burhan Coban mit seinem Stand und bietet mit seinem Obst auch menschliche Begegnung an.

Rünthe – „Ich finde das herrlich, dass der Stand jetzt einmal die Woche da ist. Ich komme bei jedem Wetter“, berichtet Marita Janzing mit einem Strahlen, das diesem feuchten Novembermorgen das trübe Grau nimmt. So wie die Herzenswärme, mit der Burhan Coban gerade die Wünsche der bald 86-Jährigen erfüllt und ihr die Tüten mit ihrem frischen Obst gereicht hat. Hier geht’s um mehr, als das bloße Geschäft.

Senioren erfreut die Abwechselung

„Man kann hier auch mal quatschen“, bringt die Bewohnerin aus dem Haus Seniorenglück auf den Punkt, was für die alten Leute im Haus den Unterschied ausmacht: Leben vor der Tür, selbstständig Frisches besorgen statt Angehörige zu bitten, etwas aus dem Laden mitzubringen. Abwechslung im Alltag und ein Pläuschchen.

Die Nachbarschaft ist angetan

Das Angebot an der Rünther Straße hat auch für die Nachbarn und Passanten ihren Reiz. „Ich wohne am Schwarzen Weg gleich um die Ecke“, erzählt Kira Ogrodniczek. Die junge Mutter holt Obst für ihre beiden kleinen Kinder. „Ich komme lieber hierher, als in den Supermarkt zu gehen.“ Sie möchte das neue Angebot unterstützen und schätzt die Qualität der Ware am Marktstand.

Marita Janzing aus dem Haus Seniorenglück ist gern an Burhan Colbans Stand und mit einem Einkaufszettel bestens vorbereitet und dankbar für die Abwechselung.
Marita Janzing aus dem Haus Seniorenglück ist gern an Burhan Colbans Stand, mit einem Einkaufszettel bestens vorbereitet und dankbar für die Abwechselung. © Kröger

„Wir haben hier nur Gutes. Ein bisschen teurer vielleicht, aber Qualität. Ich biete nur an, was ich selber gern essen würde. Und wenn jemand eine Beschwerde haben sollte, finden wir einen Weg“, erklärt Händler Coban seine Philosophie. Der 50-Jährige hat mit dem fliegenden Obsthandel an verschiedenen Orten aus einer persönlichen Krise so etwas wie seine Berufung gefunden, wie er berichtet. „Wir machen hier alles, Obsthandel und Therapie“, betont Coban mit einem Augenzwinkern, dass ihm der freundliche Austausch mit den Menschen über den Stand hinweg so wichtig ist.

„Früchte der Erde“ heißt sein Geschäft. Mit einem Stand vor der Gärtnerei Scharrenbach in Kamen hat er vor gut einem Jahr angefangen, der Marktplatz Heeren kam dazu. Bis zum Wechsel hierher stand der Händler mittwochs am Gartencenter Röttger. Die Leitung im Haus Seniorenglück habe ihn angesprochen und den Start hier unterstützt.

Händler will nicht auf den Markt

Über den Verein „Familienbande“ in Kamen liefen die Kontakte. Mit Hilfe des Netzwerks sei er selbst wieder auf die Füße und auf die Idee mit dem Marktstand gekommen. „Ich gehe nur dahin, wo ich allein stehen kann“, erklärt der Mann mit türkischen Wurzeln. Im Preiskampf der Wochenmarkthändler könne er mit seinem Angebot so nicht bestehen.

Burhan Coban hat seine Hündin „Nasip“ immer dabei. Über die Fürsorge für die Streunerin fand er den Weg aus seiner seelischen Krise, berichtet er.
Burhan Coban hat seine Hündin „Nasip“ immer dabei. Über die Fürsorge für die Streunerin fand er den Weg aus seiner seelischen Krise, berichtet er. © Kröger

Burhan, der selbst jeden duzt, berichtet von seiner Erfahrung mit Krieg und Tod als vormaliger Soldat der türkischen Armee, dem Wechsel nach Deutschland samt Absturz auf die Straße und wie er aus der seelischen Krise herausgefunden hat. „Nasip“ habe ihn gerettet, auf Deutsch: das Schicksal. So hat Coban die Kangalhündin getauft, seine ständige Begleiterin, seit sie sich auf der Straße trafen und das Tier ihn zurück in die Spur brachte.

Hündin „Nasip“ ist immer dabei

„Wo ist der Hund?“, fragt also nicht von ungefähr die nächste Kundin mit Rollator. Dass die beiden unzertrennlich sind, hat sich nach vier Wochen in Rünthe herumgesprochen. Da fällt auf, dass „Nasip“ heute im Lieferwagen sitzt, weil’s wärmer ist.

„Ich find’s genial, dass der jetzt hier ist“, sagt Sabine Fischer-Kukec. Die Rüntherin wollte „eigentlich nur in die Apotheke“, konnte sich der Verlockung aber nicht entziehen. Ein Hauch von Marktflair im Dorf. „Dafür würde ich auch extra herkommen und nicht nur, wenn ich sowieso vorbeifahre.

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