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Freispruch und deutliche Ansage des Richters

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Von: Sylvia Mönnig

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Statue Justizia
Im Zweifel für die Angeklagte, entschied der Richter in einem Prozess am Amtsgericht Lünen. © David-Wolfgang Ebener

„Ich würde niemals besoffen fahren.“ Der Verdacht, alkoholisiert Gas gegeben zu haben, und ein vermeintlicher Betrug um einen Bagger brachten einen Bergkamener (37) auf die Anklagebank. Er beteuerte seine Unschuld in jeder Hinsicht. Mit Erfolg.

Bergkamen/Lünen – Über 20 Vorstrafen, mehrere Gefängnisaufenthalte und der Umstand, dass der Mann aus Bergkamen gerade von der Vergangenheit eingeholt wird und ältere Strafen im Offenen Vollzug verbüßt, schienen bei flüchtiger Betrachtung für sich zu sprechen. Und die Tatsache, dass der 37-Jährige nicht zum ersten Mal vor dem Lüner Strafrichter Ulrich Oehrle stand, tat ihr Übriges.

Die neuen Vorwürfe hätten ins Bild passen können. Konkret: Im Herbst 2021 sollte er einen Bagger bei einer Bergkamener Firma gemietet haben und von Anfang an weder in der Lage noch gewillt gewesen sein, die Rechnung über 360 Euro zu begleichen. Außerdem verschlug es den Mann Ende Juli in eine Lüner Kneipe. Dort sollte er reichlich gebechert und sich dann trotzdem auf sein Motorrad gesetzt haben, um nach Hause zu fahren. Fakt ist, dass ihn Beamte mit Krad und 1,32 Promille in der Nacht im Umfeld der Gaststätte antraf – nachdem die Ex-Freundin der Polizei offenbar einen telefonischen Tipp gab.

Reine Nachlässigkeit

Vor dem Amtsgericht Lünen begründete er den Vorfall mit dem Bagger jetzt aber mit reiner Nachlässigkeit, präsentierte Unterlagen, aus denen ein Guthaben auf seinem Konto zum damaligen Zeitpunkt hervorging, und versicherte, das Geld mittlerweile gezahlt zu haben. Und die Sache mit der Trunkenheitsfahrt wollte er so auch nicht hinnehmen. Er habe das neue Motorrad nicht über Nacht vor der Kneipe lassen wollen, habe vorgehabt, es auf dem Parkplatz eines Fastfood-Restaurants abzustellen, wo ihn dann ein Taxi-Fahrer hätte erwarten sollen. „Ich habe geschoben“, betonte er immer wieder. „Ich bin wirklich nicht gefahren.“

Immerhin, so erinnerte er Richter Ulrich Oehrle, habe er ihm im damaligen Prozess zugesagt, den Führerschein zu machen. Das habe er getan. Und, zwischenzeitlich habe er sich vieles aufgebaut und das werde er garantiert nicht gefährden.

Türsteher sagt aus

Zeugen wurden gehört. Eine Polizistin war überzeugt, dass der Motor lief, als sie den Angeklagten antrafen. Ein Beamter sprach davon, dass sich das Zweirad warm anfühlte. Indes erklärte der Türsteher der Kneipe, dass der 37-Jährige das Krad vor seinen Augen weggeschoben habe. Fahren sah den Bergkamener in der Nacht keiner der Zeugen.

Für ihn galt letztlich der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Er wurde freigesprochen – und zwar in beiden Punkten. „Ich hoffe, dass ich Sie nur noch als Besucher oder Zeuge hier sehe“, so aber die deutliche Ansage des Richters.

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