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Weddinghofens Freibadumkleiden schirmen demnächst Klinikpatienten in Ghana von Blicken ab

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Von: Bernd Kröger

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Im Freibad Weddinghofen hat der Verein für den Krankenhausbau in Ghana einiges ausgemacht, was nach der Schließung noch der Klinik dienen kann. Auch die Dusche, die Bad-Manager Sven Holsträter (rechts) hier betätigt.
Im Freibad Weddinghofen hat der Verein für den Krankenhausbau in Ghana einiges ausgemacht, was nach der Schließung noch der Klinik dienen kann. Auch die Dusche, die Bad-Manager Sven Holsträter (rechts) hier betätigt. © Kröger

Vom Wellenbad Weddinghofen wird mehr bleiben als Erinnerungen. Ein Großteil des Inventars soll nach dem Abriss guten Zwecken dienen, es geht als Sachspende für eine Klinik in Ghana auf Reisen.

Bergkamen – Es könnte vielleicht ein Trost sein für all jene, die nach 50 Sommern mit dem baldigen Abriss des Wellenbades fürs neue Kombibad hadern. Ganz gewiss ist es aber ein Segen für Dr. Samuel Okae und seine Mitstreiter: Umkleiden, Spinde, Duschen, Kleiderhaken und was sonst noch von Nutzen sein kann, wandert im Herbst nicht auf den Schrott, sondern tritt für ein „zweites Leben“ eine lange Reise an: nach Ghana, in die Nähe der Hauptstadt Accra.

Der Rohbau steht schon für das „Promedis Specialist Hospital Limited“, das mit Spenden aus Deutschland nahe der ghanaischen Hauptstadt Accra entsteht.
Der Rohbau steht schon für das „Promedis Specialist Hospital Limited“, das mit Spenden aus Deutschland nahe der ghanaischen Hauptstadt Accra entsteht. © Ghana-Hilfe

Nicht Badegästen werden all die Dinge dort dienlich sein, sondern Patienten einer Klinik, die es – noch im Aufbau – nicht gäbe, würden in Deutschland nicht eifrig und erfolgreich Spenden dafür gesammelt. Im Großen, wie die zig Tonnen Fliesen, die dank eines großzügigen Bauunternehmens dieselbe Seereise antreten werden, wie im Kleinen eben hier in der GSW-Einrichtung in Bergkamen trägt der Verein „Hilfe für Krankenhausbau und Nothilfe in Ghana e.V.“ zusammen, was dem Rohbau noch zur Vollendung fehlt.

Informieren & helfen

Wer mehr wissen will, der schaut auf www.krankenhaus-ghana.com

Spendenkonto DE41 4404 0037 0322 2213 00 – BIC COBADEFFXXX

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„Wir sind auch auf Geldspenden angewiesen“, betont Peggy Griewel, die sich der Akquise verschrieben hat. „Wir müssen die Spenden verschiffen und ein 40-Fuß-Container, den wir hier brauchen, kostet 15.000 Euro.“

Wenn das Bad am Häupenweg zum noch unbestimmten Saisonende für immer schließt, wird so ein zwölf Meter langer Frachtcontainer nahe der Umkleiden abgestellt, um mit fleißigen Helfern zu verladen, was in Afrika wieder verwendet wird. Dr. Samuel Okae ist nun mit Peggy Griewel, deren Ehemann Hans-Georg und Mitstreiter Peter Beck gekommen, um mit Bäder-Manager Sven Holtsträter und Kai Kruppa von den Gemeinschaftsstadtwerken Ort und Material anzusehen – und fürs gute Werk zu werben.

Ein Blick auf die Baustelle. Hier entsteht ein Teil der Biosgasanlage für die Klinik. Die Handwerker, so berichtet Dr. Okae, sind stolz auf die Arbeit an dem besonderen Projekt.
Ein Blick auf die Baustelle. Hier entsteht ein Teil der Biosgasanlage für die Klinik. Die Handwerker, so berichtet Dr. Okae, sind stolz auf die Arbeit an dem besonderen Projekt. © Ghana-Hilfe

Eigentlich hatten der Oberarzt an der Paracelsus-Klinik Hemer und die Unterstützer des in Dortmund ansässigen Vereins das Bergkamener Bad gar nicht im Blick, als sie bei den GSW anklopften. Der Nachbar und GSW-Partner Kamen ist bekanntlich parallel unterwegs – und voraus: Dort haben die Stadtwerke das Freibad schon beseitigt, um demnächst mit einem Neubau starten zu können. Griewels Tochter Vanessa, die in Kamen als Physiotherapeutin arbeitet, hatte da im Job was aufgeschnappt.

Kamen weckte zuerst Interesse

„Nur war’s da zu spät, weil der Bagger schon im Freibad stand“, berichtet Holtsträter. Aber: „Hier in Weddinghofen ist ja noch alles in Betrieb. Und was wir nun spenden, käme beim Abriss sowieso auf den Schrott.“ Aus hiesiger Perspektive ist da nichts an Wert von all dem, was in Ghana entscheidend dazu beträgt, Dr. Okaes Projekt der Eröffnung wieder ein paar Schritte näher zu bringen.

Die Spinde finden eine neue Verwendung, das freut Peter Beck (Ghana-Hilfe; von links), Kai Kruppa (GSW), Oberarzt Dr. Samuel Okae, Peggy und Hans-Georg Griewel (Ghana-Hilfe) und Sven Holtsträter (GSW).
Die Spinde finden eine neue Verwendung, das freut Peter Beck (Ghana-Hilfe; von links), Kai Kruppa (GSW), Oberarzt Dr. Samuel Okae, Peggy und Hans-Georg Griewel (Ghana-Hilfe) und Sven Holtsträter (GSW). © Kröger

Arzt engagiert sich seit Jahren

350.000 Euro hat der Unfallchirurg nach und nach in das Projekt gesteckt, vor zehn Jahren erst das Grundstück erworben und dann den Bau begonnen, der einmal 130 Betten aufnehmen soll. Seit 2016 ist der Verein unter seinem Vorsitz Motor der Aktivitäten. In Accra ist die Familie eingespannt und ein befreundeter Ingenieur.

Mit Solidaritätsmedizin gegen Armut

Wenn das Krankenhaus funktionsfähig ist, will der Arzt mit der Familie nach Ghana zurückkehren und im „Promedis Specialist Hospital Limited“ am liebsten Kinder behandeln. Das ist sein Anliegen angesichts der hohen Sterblichkeitsrate der Jüngsten, insbesondere durch Malaria. Mit „Solidaritätsmedizin“ will er das ändern: „Für Kinder unter fünf Jahren soll die Behandlung nichts kosten. Wir wollen arme Familien unterstützen, indem wohlhabendere Patienten bei ihrer Behandlung etwas mitbezahlen“, erläutert der Arzt.

Klinik soll unabhängig werden

Die Klinik soll daher mit guten Standards auf sich aufmerksam machen und wirtschaftlich eigenständig werden. „Nicht um Geld zu verdienen“, wie der Initiator betont. „Aber um wegzukommen von den Spenden. Wenn etwas im Krankenhaus kaputt geht, müssen wir es allein reparieren können.“

Für einen Bruchteil der Kosten hier

Wie viele Schritte mögen es noch sein bis zur Eröffnung? „Wir nennen lieber keine Termine“, erklärt Peggy Griewel. Nach den Verwerfungen durch Corona und den Ukraine-Krieg – wer weiß? „Ich sag’s mal so: Noch 200.000 Euro, dann wären wir fertig. Bei einem Krankenhaus, das hier Millionen Euro kosten würde.“

Also geht’s schrittweise weiter. Demnächst auch von Weddinghofen aus. Wer helfen will, kann dafür spenden, dass vom ausgedienten Wellenbad etwas bleibt.

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