Eine Oase auf 450 Quadratmetern

Dr. Janine und Herbert Teuppenhayn sorgen für Artenvielfalt in ihrem Garten

Ausstellung in der Ökologiestation in Bergkamen-Heil zeigt die  „Vielfältige Tierwelt im heimischen Garten“ der Teuppenhayns
+
Herbert und Dr. Janine Teuppenhayn haben 62 Tafeln für die Ausstellung in der Ökologiestation zusammengestellt.

Bergkamen/Bönen – Die Größe des Paradieses ist nicht übermittelt. Es gibt aber Beispiele dafür, dass sich auch auf kleiner Fläche Lebensraum für viele Arten schaffen lässt. Eins davon ist demnächst in der Bergkamener Ökologiestation am Westenhellweg zu sehen. Dr. Janine und Herbert Teuppenhayn zeigen dort in ihrer aktuellen Fotoausstellung die „Vielfältige Tierwelt im heimischen Garten“. Ihr rund 450 Quadratmeter großes Grundstück in Bönen ist eine Oase für Vögel, Insekten, Nager und weitere Gäste.

Den ersten Blick auf ihr kleines Paradies genießt das Paar meist schon beim Frühstück. Der lichtdurchflutete Erker, den sie extra an ihre Küche angebaut haben, gewährt einen herrlichen Blick auf den Garten und den nahen Mergelbergwald. Vor den tiefen Fenstern sind am Morgen etliche Vögel unterwegs. Kein Wunder, stellen die Teuppenhayns ihnen doch ein umfangreiches Büfett zur Verfügung. „Bis auf die Monate Juli, August und September füttern wir ganzjährig“, erzählt Janine Teuppenhayn. „Es ist eben viel Bestechung“, sagt sie und schmunzelt. Jede Vogelart bekommt dabei ihre Lieblingsspeise.

Allein zwölf Arten Jungvögel hat die Bönenerin rund um ihr Haus schon gezählt. Sie alle sind in ihrem Garten aus dem Ei geschlüpft. Für Meisen, Kleiber, Specht und Co. bietet das Grundstück am Birnenweg aber ideale Bedingungen. Es gibt hohe Bäume für den Anflug, eine Buchenhecke und Büsche zum Verstecken, Nisten und Futtersuchen sowie einen Teich, an dem sie trinken und baden können. Und ein dickes „Schmankerl“ gibt es oben drauf: jede Menge nährende Insekten.

Üppiges Angebot für Insekten, Vögel und andere Tiere

Während das Insektensterben vielerorts zu einem dramatischen Rückgang der Vogelwelt führt, scheint bei den Teuppenhays die Welt noch in Ordnung zu sein. Ganz ohne ihr Zutun gelingt das aber nicht. „Man muss eine gewisse Üppigkeit bieten, damit sich der Besuch für Insekten, wie zum Beispiel Solitärbienen, die auf wenige Blumenarten spezialisiert sind, lohnt“, weiß die Geologin. So sorgt sie gemeinsam mit ihrem Mann dafür, dass in ihrem Garten ständig etwas blüht. „Dazu braucht es eine gewisse Pflanzenvielfalt, und man muss den Platz optimal für nacheinander blühende Stauden nutzen.“

Sobald im Frühjahr die rund 500 Krokusse ihre Knospen öffnen, beginnt es vor der Terrassentür zu summen. „Im Winter lassen wir die Pflanzenstängel und Samen als Nahrung und Versteck stehen“, berichtet Janine Teuppenhayn. Beim Bepflanzen ihrer Beete haben die Beiden darauf geachtet, heimische und standortgerechte Sorten zu setzen, Blumen und Gehölze, die besonders viel Nektar produzieren. „Wir bevorzugen einfache, ungefüllte Blüten“, erläutert die Hobbygärtnerin. Die ermöglichten den Insekten einen leichteren Zugang zur süßen Flüssigkeit.

Ausstellung bis Juni zu sehen

Die Ausstellung „Vielfältige Tierwelt im heimischen Garten“ von Herbert und Dr. Janine Teuppenhayn soll ein lokaler Beitrag zu dem aktuellen und weltweiten Problem des Insektensterbens darstellen. Sie zeigt, dass sich selbst in einem kleinen Hausgarten eine Oase für die heimische Insektenwelt schaffen lässt. Immerhin machen etwa 17 Millionen Gärten in Deutschland zwei Prozent der Landesfläche aus. Mit seinem eigenen Garten könne jeder sogenannte Trittsteine für die bedrohte Tierwelt schaffen, finden die Teuppenhayns. Die Schau sollte ursprünglich am Donnerstag, 29. April, in der Ökologiestation in Bergkamen-Heil am Westenhellweg 110 eröffnet werden. Aufgrund der aktuellen Coronalage wird sich dieser Termin aber voraussichtlich verschieben. Vorgesehen ist zurzeit jedoch, dass die Bilder bis zum 13. Juni hängen bleiben. 

Die Teuppenhayns versuchen, die Tiere in ihrem Garten möglichst wenig zu stören, etwa durch eine ständige Bodenbearbeitung. Dazu stellen sie ihren fliegenden, krabbelnden und kriechenden Gästen Nistenhilfen und Baumaterial zur Verfügung und mit dem Teich auch Wasser. Das kleine Gewässer wiederum ist ebenfalls zur begehrten „Wohngegend“ geworden. Heimisch fühlen sich dort neben den eingesetzten Fischen Molche, Frösche, Kröten, Libellen und etliche Tiere mehr. Bei dem reichhaltigen Angebot bleiben andere Besucher nicht fern. Immer wieder beobachten die Teuppenhayns Eichhörnchen, Igel und Mäuse.

Trotz aller Idylle herrscht bei ihnen keineswegs Wildwuchs. Der Garten ist gepflegt und liebevoll gestaltet, mit Bänken, Skulpturen, Kräuterecke und Trockenmauer. „Es ist ein naturnaher Ziergarten“, beschreibt die Eigentümerin. Dort verbringt das Paar viel Zeit, und zwar nicht nur, um ihn mit Geschmack, Fachkunde und einem Sinn für Ästhetik zu der Oase zu machen, die er ist. Immerhin ist Janine Teuppenhayn eine promovierte Naturwissenschaftlerin mit einem ausgeprägten Forschergeist, ihr Mann Herbert ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Beide haben eine große Freude an der Natur und dem Naturerlebnis. Mit reichlich Recherche und dem Studieren von jeder Menge Fachliteratur erweitern sie ihr Wissen ständig und können inzwischen fast alles, was sich in ihrem Garten bewegt beim Namen nennen.

Ihre Neigungen haben die beiden längst zusammengebracht, ergänzen sich gegenseitig und gehen auf ihrem Grundstück regelmäßig gemeinsam auf „Safari“. Mit dabei sind dann das Fernglas und auf jeden Fall eine Kamera. Haben die Teuppenhayns anfangs vor allem die Veränderungen in der Gestaltung festgehalten, sind es inzwischen die vielen Tierarten, die sie in den Fokus nehmen. „2009 hat mein Mann begonnen, mit einer Digitalkamera bewegte Motive im Garten zu fotografieren und mit der Makrolinse Pflanzen- und Insektenporträts aufzunehmen.“

Darauf folgte 2011 eine Fotoausstellung bei der VHS in Bönen, die den Titel „Natur im Detail“ trug. Zudem wurde ein Artikel mit besonderen Aufnahmen der Teuppenhayns in der Zeitschrift „Naturfoto“ veröffentlicht. „Auch wenn es paradox klingt, sind wir in unserem kleinen Garten hauptsächlich mit dem Teleobjektiv unterwegs. Vögel und Insekten sind klein und meist weit entfernt, zudem flatterhafte Wesen, die ein Nähern mit der Makrolinse nur selten zulassen“, erklärt die Populärwissenschaftlerin.

Bilder aus 15 Jahren

Eine Kamera hat das Paar, das in der Ökologiestation schon einige Ausstellungen gestaltet hat, immer griffbereit. So können die Fotografen bei besonderen Szenen sofort auf den Auslöser drücken. Das war etwa der Fall, als der seltene Eisvogel einen Besuch abstattete, oder Herbert Teuppenhayn einen Frosch beim Versuch, eine Schwebfliege zu fangen, „erwischte“.

Wie viele Bilder die Beiden in den vergangenen 15 Jahren „geschossen“ haben, lässt sich kaum sagen – zumal viele Fotos im Serienmodus entstanden sind. Mehrere Tausend haben sie auf jeden Fall archiviert. Da Janine Teuppenhayn viele Vorträge zu den Themen Natur, Fotografie – sie hat sich unter anderem auf 3D-Fotografie spezialisiert – , Geologie und Weiterem hält, hat sie die Bilder sorgfältig nach Kategorien geordnet und abgespeichert. „Und diesen Schatz haben wir jetzt gehoben“, berichtet Herbert Teuppenhayn.

Seit Januar arbeitet das Paar nämlich an einer außergewöhnlichen Ausstellung. Statt der üblichen Einzelbilder haben die Teuppenhayns Collagen gestaltet, um die enorme Artenpalette in ihrem Garten besser präsentieren zu können. Zu sehen sind etwa die „Hotspots“, auf den sich diverse Insektenarten tummeln. „Wir wollen damit zeigen, dass man auch auf einer relativ kleinen Fläche aktiv etwas für die Artenvielfalt und den Artenerhalt beitragen kann“, so Janine Teuppenhayn. Zudem erzählen einige Tafeln tolle Geschichten aus der Natur. Da turteln zwei verliebte Tauben, baden Spatzen oder wird eine Blaue Prachtlibelle von einer Hufeisenjungfer, einer andren Libellenart, attackiert.

VHS-Vortrag ist online zu erleben

Wer mehr über das Tier- und Pflanzenparadies in Bönen erfahren möchte, kann sich am Dienstag, 27. April, in den Online-Vortrag von Dr. Janine Teuppenhayn zum Thema bei der VHS Kamen-Bönen einwählen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung über die Internetseite www.vhs-kamen-boenen.de, per E-Mail an vhs@stadt-kamen.de oder telefonisch unter der Rufnummer 0 23 83/91 35 13 ist jedoch erforderlich. Die Teilnehmer erhalten dann die Zugangsdaten für das Konferenztool „Bigbluebutton“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare