1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Flüchtlinge lernen bei Multi-Kulti deutsche Sprache

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Sprachdozentin Beate Wahlich (2.v.re.) nimmt sich für jeden Teilnehmer Zeit und geht auf Nachfrage direkt ein. Die Flüchtlinge in ihrem Kurs sind hochmotiviert, Deutsch zu lernen.
Sprachdozentin Beate Wahlich (2.v.re.) nimmt sich für jeden Teilnehmer Zeit und geht auf Nachfrage direkt ein. Die Flüchtlinge in ihrem Kurs sind hochmotiviert, Deutsch zu lernen. © Glaschke

BERGKAMEN - Integrationskurse richten sich an Menschen mit Migrationshintergrund, damit sie die deutsche Sprache lernen und sich in die Gesellschaft einbringen können. Doch viele Flüchtlinge, die in Deutschland mit einer sogenannten Aufenthaltsgestattung leben, können an einem solchen Sprachkurs nicht teilnehmen.

Von Vanessa Glaschke

Deshalb bietet das Multikulturelle Forum (Multi-Kulti) seit Dezember Sprachkurse speziell für diese Flüchtlinge an. Für Qader G. und seine Frau Zohra Z. war es ein langer, schwerer Weg von Afghanistan nach Deutschland. Jetzt lernen sie dreimal in der Woche Deutsch im Multi-Kulti.

Rund 20 Teilnehmer sitzen an Tischen, die zu einer großen Tischgruppe zusammengestellt wurden, in einem Raum des Bildungswerkes Multi-Kulti. Dicke Wörterbücher in deutscher und arabischer Sprache liegen in der Mitte. „Wie heißt du?“ „Ich heiße David.“ – Dialoge werden geübt. Dafür hatte Dozentin Beate Wahlich Zettel kopiert. Reihum lesen die Teilnehmer Fragen vor und müssen die passenden Antworten finden. Wenn es bei der Aussprache hakt, hilft Wahlich. Sie betont jedes Wort sehr deutlich. Leise murmelnd wiederholen die Teilnehmer ihre Worte.

Was aussieht wie ein gewöhnlicher Sprachkurs, ist etwas ganz Neues im Multi-Kulti. An drei Vormittagen in der Woche lernen Flüchtlinge aus dem Iran, Irak, aus Afghanistan, Syrien und Eritrea gemeinsam die deutsche Sprache. „Wir haben hier ganz verschiedene Altersgruppen und Sprachniveaus“, sagt Irmak Kamali, Flüchtlingsberaterin des Multi-Kulti.

Qader G. und Zohra Z. gehören schon zu den fortgeschrittenen Lernenden. Deutsch sei eine schwere Sprache, sagen sie. Beide sind froh, dass sie an dem Kurs teilnehmen können.

Das Paar lebt seit rund zwei Jahren in Deutschland. Sie reisten mit ihrem heute vierjährigen Sohn von Afghanistan über Pakistan und den Iran in die Türkei – größtenteils zu Fuß. Weiter ging es von dort mit dem Schiff nach Griechenland. Viele Mitreisende seien auf diesem Weg verunglückt, sagt die 21-Jährige. Es sind keine angenehmen Erinnerungen, ist den beiden anzumerken. Es lässt sich nur erahnen, was sie erlebt haben.

Doch Qader G. und Zohra Z. haben es geschafft. Zunächst war die 21-Jährige von Griechenland alleine mit ihrem Sohn nach Deutschland gekommen. „Ich durfte fliegen“, sagt sie. „Mein Mann nicht.“ Ein halbes Jahr später kam er nach. Heute leben sie im Asylheim in Kamen. Dort leben sie zu Dritt in einem kleinem Zimmer, erzählen sie. Die Küche ist auf dem Flur, diese teilen sie sich mit anderen Flüchtlingen. In Griechenland hatten sie keinen festen Platz zum Schlafen. „Wir haben bei Freunden übernachtet“, sagt der 32-jährige Afghane. Er möchte mit seiner Familie in Deutschland leben und auch arbeiten. Seine Frau möchte auch einen Beruf ausüben. Ihr Asylverfahren läuft aber noch, erklärt Monika Koppe, beim Multi-Kulti zuständig für die berufsbezogenen Sprachkurse. Solange sie keine Aufenthaltserlaubnis haben, haben sie keine Arbeitserlaubnis.

Dreimal in der Woche fahren Qader G. und Zohra Z. mit dem Fahrrad nach Bergkamen, um an dem Sprachkurs teilzunehmen. Die Motivation der beiden steht beispielhaft für die Eigeninitiative der Flüchtlinge. „Die Menschen meldeten sich bei mir und wollten Deutsch lernen“, erinnert sich Irmak Kamali. Sie weiß aus ihrer Arbeit, wie wichtig es für Flüchtlinge ist, sich auf Deutsch verständigen zu können. Da sie aber nicht die primäre Zielgruppen für die Integrationskurse seien, sei für sie der Zugang erschwert, sagt die Flüchtlingsberaterin.

Auch Dozentin Beate Wahlich weiß, wie groß der Wille ihrer Teilnehmer ist, die Sprache zu lernen. „Ich sehe, dass sie schnell lernen wollen“, sagt sie. Für sie ist das Unterrichten in einer so gemischten Gruppe neu. Sie legt viel Wert darauf, dass die Lernenden möglichst viel sprechen. Damit jeder Teilnehmer seinem Sprachniveau entsprechend lernen kann, hat sie den Kurs weiter unterteilt. Mal übt sie mit den Fortgeschrittenen, mal mit den Anfängern.

Monika Koppe erklärt, dass der Kurs durch Spenden an das Multi-Kulti finanziert wird. Und damit diese überhaupt ausreichen, unterrichten die Dozenten für weniger Geld. Für Beate Wahlich ist es ein Anliegen, den Flüchtlingen die Sprache näher zu bringen. „Es ist schade, dass es so wenig Möglichkeiten für Flüchtlinge gibt, Deutsch zu lernen“, sagt sie. Bis Ende März wird sie die Gruppe noch unterrichten. Dann ist das Budget aufgebraucht.

Für Qader G. und Zohra Z. könnte es weitergehen. Denn Monika Koppe versucht, das Paar in einen berufsbezogenen Sprachkurs unterzubringen. „Sie haben das nötige Sprachniveau“, sagt sie. Ob es klappt, kann sie jetzt noch nicht sagen.

Auch interessant

Kommentare