Publikumsverkehr im Lockdown

Fieber messen vorm Test: Optiker und Hörgeräteakustiker lassen Vorsicht walten

Auch in Corona-Zeiten gilt es, den Durchblick zu bewahren. Optiker dürfen daher weiter Kunden betreuen, obwohl die Abstände häufig nicht eingehalten werden können.
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Auch in Corona-Zeiten gilt es, den Durchblick zu bewahren. Optiker dürfen daher weiter Kunden betreuen, obwohl die Abstände häufig nicht eingehalten werden können.

Das Anpassen eines Hörgerätes, das Messen der Sehstärke sind sogenannte körpernahe Dienstleistungen. Das gute Hören und Sehen zu bewahren, ist allerdings im Gegensatz zu den kosmetischen der Friseure und Kosmetiker eine medizinisch notwendige Tätigkeit. Deswegen gelten Akustiker und Optiker zu den systemrelevanten Berufen, dürfen also auch im Lockdown ihre Geschäfte öffnen.

Bergkamen/Kreis Unna – Den aufgrund der Corona-Pandemie angesagten Abstand von mindestens eineinhalb Metern können beide Berufsgruppen naturgemäß kaum einhalten. Hörgeräteakustiker wie Optiker setzen aber auf die penible Einhaltung der sonstigen Regeln. Wobei sie die Alltagsmaske meist als FFP2-Version zum eigenen Schutz tragen.

Normalbetrieb herrscht in den Geschäften dennoch nicht. Terminvergabe und verkürzte Öffnungszeiten sind die Regel.

Über zu viele Kunden kann sich der Bergkamener Helmut Ostermann nicht beschweren. „Ich habe viele ältere Kunden. Die sind schon verhaltener mit Kontakten wegen der aktuellen Nachrichten. Dabei hat der Januar richtig normal angefangen“, sagt der Inhaber von Optik Lange. Dieses Auf und Ab im Publikumsverkehr kennt er schon aus dem vergangenen Jahr. „April, Mai war schon Durststrecke, im Juni hat der Umsatz wieder angezogen“, blickt Ostermann zurück.

„Die Leute sind wahnsinnig diszipliniert“

Der Optiker an der Parkstraße passt im Gegensatz zu vielen Kollegen auch Kontaktlinsen an. „Aber die müssen die Kunden selber einsetzen, da dauert die Erstanpassung länger“, erklärt er. „Und die Kunden müssen zuhause den Umgang üben.“

Termine vergibt Ostermann nicht. „Die Leute sind wahnsinnig diszipliniert, warten auch bei diesem Wetter draußen, obwohl im Laden noch Platz ist“, stellt der Bergkamener Optiker fest. Als zusätzliche vertrauensbildende Maßnahme setzt Ostermann auf eine Geräte-Desinfektion vor den Augen der Kunden. „Ich denke, dass er sich dann sicherer fühlt.“

Brillen anpassen und ausprobieren mit Mundschutz auf beiden Seiten, heißt es auch in der Apollo-Optik-Filiale an der Präsidentenstraße. Sehtests gibt es hier wegen der Dauer nur gegen Termin. „Kontaktlinsen machen wir gar nicht im Moment, nur die Versorgung mit Neuen“, erklären die Mitarbeiter.

Einige fanden dies schon ungewöhnlich, haben sich dann wohl gedacht, wenn alle bei sich Temperatur messen lassen, bin ich hier sicherer.

Lisa Günther, Hörstudio Leidecker

Sich auf die neue Situation einstellen musste auch der Optiker- und Akustikmeister Dirk Bücher aus Bönen. „Wir haben Kernöffnungszeiten von 9 bis 12 Uhr, am Nachmittag arbeiten wir in einer Eins-zu-eins-Betreuung die Termine ab“, erklärt er. Zudem seien Akustik- und Optik-Räume strikt getrennt. Er nutzt Luftfilter, desinfiziert seine Geräte selbstverständlich, stellt Handdesinfektionsmittel zur Verfügung. Sein Angebot hat der Bönener kaum reduziert. „Neuanpassungen von Kontaktlinsen bleiben bei uns aber außen vor“, erklärt Bücher weiter, „in dem Bereich halten wir nur die Folgeversorgung der Bestandskunden aufrecht.“

Er trägt FFP2-Maske, die Kunden oft einfache Alltagsmasken. „Den Fall, dass jemand ein Attest mitbringt, dass ihm bescheinigt, keine tragen zu müssen, hatten wir bisher nicht“, so Bücher, „wie ich dann reagieren würde, weiß ich nicht.“

Der Bönener setzt außerdem auf Temperaturmessung. „Auf freiwilliger Basis, aber die meisten Kunden machen ohne Murren mit.“

Hinter Plexiglas, zusätzliches Lüften

Diese Erfahrung macht auch seine Bergkamener Akustik-Kollegin Lisa Günther. „Einige fanden dies schon ungewöhnlich, haben sich dann wohl gedacht, wenn alle bei sich Temperatur messen lassen, bin ich hier sicherer“, erklärt die Akustikergesellin im Hörstudio von Dagmar und Christian Leidecker. Dort in Bergkamen-Mitte ist die Stirnmessung obligatorisch. „Die Nutzung aller hygienischen Möglichkeiten stärkt auch das Vertrauen unserer Kunden“, sagt Günther.

Die Mitarbeiter arbeiten hinter Plexiglasschutz, „unser Laden ist mit Luftfiltern ausgerüstet und wir lüften einmal in der Stunde zusätzlich durch“. Die Termine sind ebenfalls zwingend bei Leidecker. Das Hörstudio lässt zeitgleich nur zwei Kunden in den Räumen zu.

„Die Kunden sind vorsichtiger“

Die Kundenfrequenz ist wegen reduzierter Öffnungszeiten und Terminvergabe nicht so hoch wie in Nicht-Coronazeiten. „Aber gutes Hören ist ein menschliches Grundbedürfnis“, erklärt Günther. Dass die Kunden die Besuche aufs Notwendigste beschränken, bemerkte auch Bücher: „Dieses Hereinkommen, um Hallo zu sagen, die soziale Komponente fällt weg.“

Das stellt sein Optiker-Kollege Frank Lindek von Brillen Schäfer ebenfalls fest. „Die Kunden sind vorsichtiger.“ Der Bönener hält den Laden augenblicklich nur morgens offen. „Damit senken wir ja auch Kontakte, sprich: Infektionsmöglichkeiten allgemein“, begründet er, „und wir senken die Kosten“.

Auch Lindek bietet alle Optiker-Leistungen gegen Termin an. „Aber keine Kontaktlinsenneuanpassungen. Stellen sie sich einmal vor, sie haben auch nur einen eingerissenen Fingernagel und setzen die Linsen ein, schon sind sie möglicherweise infiziert.“ Angst stelle er bei seinen Kunden nicht fest. Allgemein nicht: „Ich habe viele Ruheständler, die haben keine Existenznot.“

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