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Faible für „Lost Places“: Mann bricht in verlassenes Haus in Bergkamen ein

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Von: Jana Peuckert

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Wohnungseinbruch Einbrecher Fensterscheibe
Der Mann konnte nicht widerstehen und brach in das Haus ein. © Daniel Maurer

Es gibt Versuchungen, denen man besser widerstehen sollte. Das zeigt sich in vielfältiger Weise vor dem Richtertisch. Aktuell in der Geschichte eines 29-Jährigen, der – wie er im Amtsgericht Kamen schilderte – in seinem Faible für verwunschene Orte (neudeutsch: Lost Places) dem Entdeckerdrang zu sehr nachgab.

Bergkamen/Kamen – Die Neugier schürte ein seit Jahren leerstehendes Haus in einer Bergkamener Siedlung. Einige Male ging der Mann daran vorbei, fasziniert vom verwunschenen Anblick. Dem war er im vergangenen April erlegen. Laut Anklage sollte der Mann die Terrassentür des Hauses aufgebrochen und zwei Uhren und Werkzeug im Gesamtwert von 500 Euro gestohlen haben.

Zufällig hatte sich ausgerechnet an diesem Tag der Eigentümer mit Freunden verabredet, um Arbeiten am Gebäude zu planen. Als der 31-Jährige die Haustür aufschloss, stand er plötzlich dem 29-Jährigen gegenüber. Dieser hielt einen Tapetenentferner des Eigentümers in der Hand. Zunächst, so der Eigentümer, gab der Eindringling an, in dem Haus zu arbeiten.

Zweiter Mann konnte fliehen

Geistesgegenwärtig ergriff der Hausherr sein Gegenüber, damit es nicht fliehen konnte. Unvermittelt tauchte ein zweiter Mann auf, womöglich ein Komplize des Angeklagten. Ihn konnte der Eigentümer jedoch nicht auch noch festhalten. Der Zweite entkam und ist bis heute unbekannt.

Die Ermittlungen zeigten, dass viele Gegenstände aus dem Haus entwendet wurden. Neben diversen Werkzeugen auch Erinnerungsstücke der Familie. Darunter Porzellan, wertvolle Modellbauteile, Geschirr aus Kriegszeiten und Schmuck. Der Angetroffene hatte zwei Uhren bei sich, die er dem 31-Jährigen sofort zurückgab.

Besitzer trauert Erbstücken hinterher

Dem Eigentümer ging es nicht darum, Geld zurückzubekommen. Viele der gestohlenen Dinge seien nicht zu bezahlen und unwiederbringlich, Erbstücke eben. „Es tut halt weh, mit den emotionalen Sachen. Die haben einfach alles durchwühlt und sich bedient“, sagt der Bergkamener im Amtsgericht Kamen.

Dort wurde dem 29-Jährigen Einbruchdiebstahl vorgeworfen. Der Angeklagte erklärte, Fan von „Lost Places“ zu sein. Der merkwürdige Wuchs eines Baumes im Garten des Hauses habe sein Interesse geweckt.

Uhren als Geschenk für die Freundin

Eine Terrassentür sei offen gewesen, er habe nicht anders gekonnt als hineinzugehen. Er selbst habe die Tür nicht aufgehebelt und er sei allein gewesen. Werkzeug habe er nicht entwendet, wohl aber zwei Uhren. Als Geschenk für seine Freundin, zum Einjährigen. „Eine dumme Idee“, gab der Angeklagte zu.

Ein als Zeuge geladener Polizist bestätigte zwar, dass die Terrassentür aufgebrochen worden war, konnte aber den Zeitpunkt nicht bestimmen. Der Hauseigentümer ging im Zeugenstand davon aus, dass die Tür schon länger aufgebrochen war. Denn all das Diebesgut hätte nicht auf einmal abtransportiert werden können.

Zudem habe innen hinter der Tür eine Regenpfütze gestanden. Das lege nahe, dass die Tür schon länger offen gestanden habe. Für das Gericht machte das aus dem Einbruchsdiebstahl einen einfachen Diebstahl. Der Richter verurteilte den einschlägig vorbestraften 29-Jährigen zu 800 Euro Geldstrafe. Für den Arbeitslosen bedeutet das etwa drei Monatseinkommen.

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