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Ehemalige Radprofis verkaufen jetzt ihre eigenen E-Bikes

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Von: Markus Liesegang

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Nicolas Baßdorf (links) und Jan van Puyvelde
Nicolas Baßdorf (links) und Jan van Puyvelde kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim RSC Unna. Nun haben sie gemeinsam einen eigenen E-Bike-Verkauf in Bergkamen aufgezogen. © Liesegang Markus

Jan van Puyvelde war mit Unterbrechungen Radprofi bis 2017. Das letzte Rennen des 39-jährigen gebürtigen Belgiers war der Münsterland-Giro. Profi ist van Puyvelde in gewisser Weise aber immer noch. Nur, dass er heute nicht mehr für Rennställe in die Pedale tritt. Er verkauft in Bergkamen mit Kumpel Nicolas Baßdorf E-Bikes.

Bergkamen – „Ich hab immer mit Nico von so etwas rumgesponnen, jetzt machen wir es seit zwei Jahren“, sagt Jan van Puyvelde. Showroom von „Pure-E-Bikes“, dem Fahrradladen der beiden, ist ausgerechnet eine Kfz-Werkstatt an der Erich-Ollenhauer-Straße im Bergkamener Westen. Zufall ist das nicht. Nicolas Baßdorf ist Kfz-Meister mit eben jener eigenen Werkstatt, die er 2010 aufmachte. Der Bönener fuhr früher ebenfalls Radrennen für den RSC Unna, seine letzte Bundesligasaison war 2008/09. Aus dem Traditionsverein in der Kreisstadt kennen er und van Puyvelde sich auch.

„Ich hab meine Räder auch immer selber zusammengeschraubt“, erzählt Baßdorf, „nur so hatte ich das richtige Vertrauen ins Rad.“ Er sei quasi in der Werkstatt groß geworden, bei Vater Paul in Lenningsen. Der ist ebenfalls Handwerksmeister im Vierradbereich. „Ich hatte schon als Dreijähriger den Hammer in der Hand.“

Mechaniker-Lehre nach dem Abi

Nach Abi und angefangenem Lehramtsstudium hieß es für den 38-Jährigen zunächst, „was Ordentliches zu lernen.“ Er habe während des Studiums sowieso mehr Zeit auf dem Rad verbracht als in der Uni. „Das waren meine besten Jahre im Radsport!“. Folglich hieß es für Baßdorf zurück zu den Anfängen: Mechaniker-Lehre bei Muermann in Unna und Meisterschule. „Ich hatte schon in der Ausbildung das Ziel selbstständig zu arbeiten“, erklärt er den Riesenschritt gleich in die eigene Meisterwerkstatt.

Jan van Puyvelde mit Fahrradcomputer
In Sachen Assistenzsysteme, Elektronik und Sensorik nähern sich E-Bikes und Autos immer stärker an. Der Verkauf in einer Autowerkstatt ist daher auch kein Widerspruch. © Liesegang Markus

Van Puyvelde stieg hingegen öfter vom Rad, hat sein Studium zum Kommunikations- und Mediendesigner beendet, betreibt hauptberuflich eine Werbeagentur in Dortmund. „Der Laden hier ist ein Hobby von uns – noch!“, sagen beide. „Auch wenn es super angelaufen ist, auch dank des verstärkten Trends zum E-Bike durch Corona.“

Aber sie wollen nicht etwa einen Bankkredit aufnehmen, um schnell zu wachsen. „Obwohl wir gerade viele Fahrräder geordert haben. Wenn die tatsächlich alle geliefert werden, stehen wir wohl, davor zur Bank zu gehen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, erscheint allerdings gering. „Pure-E-Bikes“ beklagt wie alle Fachgeschäfte extrem lange Lieferzeiten und -engpässe.

Ein schönes Ambiente für schöne Bikes

„Außerdem wollen wir organisch wachsen“, sagt van Puyvelde. „also das, was wir durch den Verkauf der Bikes verdienen, gleich wieder in das Geschäft reinvestieren.“ Zum Beispiel in einen echten Schauraum. Ab 2023 wollen sie die Räder in schönem Ambiente in dem ehemaligen Hochregallager der Autowerkstatt präsentieren. Ideen, wie der Raum entsprechend gestaltet werden wird, haben Baßdorf und van Puyvelde. Die „Gebirgslandschaft“ hängt schon als XXL-Plakat. Ein realer Hügel soll noch modelliert werden.

„Pure-E-Bikes“ soll nicht nur bedeuten, dass ausschließlich Fahrräder mit elektrischem Antrieb verkauft und gewartet werden. Die beiden setzen auf hochwertige, spezielle E-Bikes. „Mondraker und Cannondale sind ja nicht so bekannt. Damit heben wir uns heraus“, erklärt van Puyvelde. Vom Mountainbike-Spezialisten Mondraker stehen tatsächlich zwei nicht motorisierte Carbonräder in der Bergkamener Ausstellung. Es sind die einzigen mit Muskelkraft betriebenen Räder neben Baßdorfs altem Rennrad. Ins exklusive Händlernetz der Spanier wurde „Pure-E-Bike“ aufgenommen über die persönliche Schiene aus dem Radsport. Van Puyvelde kennt einen Außendienstler. „Und wegen der Marke fahren die Leute auch schon mal 100 Kilometer.“

Neu im Sortiment haben Baßdorf und van Puyvelde „normale“ Cityräder der ebenso für die meisten unbekannten Marke BeSV. Die haben „ausnahmsweise“ keinen Bosch-Antrieb, sondern einen vom Fahrradteile-Weltmarktführer Shimano. „Bosch ist eben aus dem Autobereich sehr bekannt, die meisten hierzulande fragen danach“, sagt van Puyvelde. „Nico hatte außerdem mal einen Bosch-Service.“

Immer mehr Assistenzsysteme auch bei Zweirädern

Zweirad- und Vierrad würden sich außerdem immer weiter annähern. Assistenzsysteme wie Radar-Annäherungswarner sind bei Fahrrädern schon auf dem Markt, ABS sei im Test, Vernetzung schon verbreitet, Sensorik wegen der Motorsteuerung sowieso vorhanden. „Elektronik ist die Zukunft. Es gibt ja schon seit Längerem den Kfz-Mechatroniker, analog dazu den Zweirad-Mechatroniker“, erklärt Baßdorf.

„Bei Autos wie Fahrrädern werden die Daten ausgelesen“, sieht er keinen großen Schritt für sich bei der Arbeitsteilung seiner beiden Unternehmen.

Er und van Puyvelde setzen außerdem auf den fortschreitenden Trend, sich mit dem Fahrrad auch im Alltag zu bewegen. Firmenräder und Jobrad-Leasing seien doch für Arbeitgeber und -nehmer wegen steuerlicher Vorteile eine Win-win-Situation. Und natürlich gut für Umwelt sowie Verkehrsaufkommen. Fahrräder nehmen schließlich deutlich weniger Raum ein.

Fahrradfahren ist Volkssport Nummer eins

Dass das Geschäft Zukunft hat, dessen sind sich der Bönener und der Dortmunder also einig. „Fahrradfahren war ja schon immer eigentlich der Volkssport Nummer eins – jeder macht´s“, sagen Baßdorf und van Puyvelde.

Die beiden sportlichen Jungunternehmer nutzen allerdings herkömmliche Fahrräder. „Ich hatte mal ein E-Bike, als die Kinder kleiner waren wegen des Anhängers. Die fahren jetzt selber. Mal gucken, was die Zukunft bringt und ich sitze ja jetzt an der Quelle.“

Van Puyvelde würde eins fahren, wenn er einen kürzeren Weg nach Bergkamen hätte. „Es ist schon schön komfortabel“, sagt er. „Aber ich fahr einen 30er Kilometer-Schnitt, wenn ich aus Dortmund komme und da bremst mich das E-Bike ja aus.“

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