Ex-Turmarkaden-Areal

Nach Klage-Androhung: Stadt zeigt sich unbeirrt

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Was passiert auf der Fläche der abgerissenen Turmarkaden? Der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigt sich am kommenden Montag mit dieser Frage. Es geht um die Aufstellung eines Bebauungsplans.

Bergkamen – In Sachen „Entwicklung des Ex-Turmarkaden-Areals“ stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation. Während Eigentümer und Investor Klage ankündigen, falls ihre Pläne zum Bau eines Einkaufszentrums abgeschmettert werden, macht die Stadt klar, dass sie ein solches definitiv nicht will.

Konkret empfiehlt die Stadtverwaltung dem Haupt- und Finanzausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplans, der im Karree Hubert-Biernat-, Töddinghauser, Zentrums- und Gedächtnisstraße „Allgemeines Wohnen“ sowie ein „Urbanes Gebiet“ vorsehen.

In einem solchen „Urbanen Gebiet“ könnten weitere Wohnungen entstehen. Darüber hinaus könnten sich Gewerbebetriebe sowie soziale, kulturelle und andere Einrichtungen ansiedeln, die eine Wohnnutzung nicht wesentlich stören. Ein großflächiger Einzelhandel wäre nicht mehr möglich.

Pläne lassen sich „nicht vereinbaren“

Fünf Seiten umfasst die Verwaltungsvorlage zur Ausschusssitzung am kommenden Montag (8. Juni, ab 17 Uhr im Ratssaal), bei dem die westliche City Thema ist. Darin wird auf die lange Geschichte des dortigen Einzelhandels verwiesen sowie auf die Pläne, die im Zuge des integrierten Handlungskonzepts „Bergkamen mittendrin“ seit 2018 für diesen Bereich erarbeitet wurden. Am Ende des Papiers heißt es: „Ein monostrukturiertes, rein auto-orientiertes Fachmarktzentrum“, wie es Eigentümer und Investor nach Lesart der Verwaltung bauen wollen, lasse sich „nicht mit der angestrebten Nutzungsmischung und den geplanten Festsetzungen von Urbanen und Allgemeinen Wohngebieten vereinbaren“.

Eigentümer und Investor haben bekanntlich eine Bauvoranfrage für ihr geplantes Bauprojekt eingereicht. „Hybrid-Center“ lautet der Arbeitstitel. Laut der Stadt ist dieses aber „durch einen Schwerpunkt in der Einzelhandelsnutzung“ gekennzeichnet, ergänzend seien Praxen und ein Fitnesscenter geplant. Mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes würden die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, die Bauvoranfrage zurückzustellen – und damit etwa auch den Bau eines zentralen Kundenparkplatzes mit rund 120 Stellplätzen.

„Kein Bedarf für weiteren großflächigen Einzelhandel“

Aus Sicht der Verwaltung gibt es in Bergkamen aktuell keinen Bedarf für weiteren großflächigen Einzelhandel, schon gar nicht in der Mitte. In der Vorlage heißt es: „Bergkamen weist bereits einen hohen Marktsättigungsgrad bei nahversorgungsrelevanten Sortimenten auf. Gerade an dieser Stelle besteht – anders als bei anderen Bereichen im Stadtgebiet – auch kein Nahversorgungsdefizit. Die Etablierung eines zusätzlichen Nahversorgungsstandortes ist daher nicht geboten, zumal eine Verdrängung der fußläufigen Nahversorgung an anderen Stellen zu befürchten ist.

Das „Hybrid-Center“ wäre das dritte Einkaufszentrum westlich der Töddinghauser Straße. Die beiden Vorgänger scheiterten: neben dem 2002 eröffneten und mittlerweile abgerissenen Turmarkaden mit Walmart als früherem Ankermieter auch das einstige City-Einkaufszentrum, in dem ab 1974 Karstadt, später dann Plaza und Allkauf untergebracht waren.

Bauvoranfrage soll abgelehnt werden

Die Stadt sieht Bergkamens Mitte hinsichtlich der Einzelhandelsfunktion durch die Nähe zu gewachsenen Mittel- und Oberzentren unter Druck gesetzt. „Bergkamen weist zudem seit Jahren eine niedrige und rückläufige Einzelhandelskaufkraft auf“, heißt es. Zum einen sei dadurch der Konsum vergleichsweise niedrig. Zum anderen sei Bergkamen damit als Einzelhandelsstandort für Händler wenig attraktiv und daher schlecht nachgefragt. „Die Etablierung von Geschäften mit zentrenrelevanten Sortimenten (zum Beispiel Bekleidung, Haushaltswaren) ist bislang stets gescheitert, obwohl es in Bergkamen insgesamt kaum derartige Angebote gibt“, konstatiert die Verwaltung.

Die Macher des „Hybrid-Centers“ sehen in den Absichten der Stadt einen Vertrauensbruch. Die Planungen für ihr Einkaufszentrum und damit das finanzielle Engagement seien schon weit fortgeschritten, betonen sie, auch gebe es bereits Verträge mit künftigen Mietern, die an Fristen gebunden seien. Für den Fall, dass die Bauvoranfrage abgelehnt werde, werde man den Bescheid anfechten, heißt es. Im Zweifel werde man auch gegen den möglichen neuen Bebauungsplan juristisch vorgehen.

Der Ausschuss beschäftigt sich am Montag auch mit einem Schreiben, das die Verwaltung jüngst vom Rechtsvertreter des Antragstellers der Bauvoranfrage erhalten hat – allerdings im nichtöffentlichen Teil der Sitzung.

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