Überraschende Ansage des Erzbistums Paderborn

Pastoraler Raum Bergkamen, Kamen, Bönen: Gründung bis ins Jahr 2028 verschoben

Die Kirche Herz Jesu Rünthe ist eine der Gottesdienststätten der fusionierten Gemeinde Heilig Geist. Der Pastorale Raum soll das Seelsorgepersonal auf Dauer sichern
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Die Kirche Herz Jesu Rünthe ist eine der Gottesdienststätten der fusionierten Gemeinde Heilig Geist. Der Pastorale Raum soll das Seelsorgepersonal auf Dauer sichern.

Mit diesem Jahreswechsel sollte der Bund der Katholiken in Bergkamen, Kamen und Bönen stehen. Das war zu ehrgeizig, nun gewährt sich das Erzbistum erheblich mehr Zeit:

Bönen/Bergkamen – Das Erzbistum Paderborn hat die Gründung eines Pastoralen Raums mit den Pfarreien und Pastoralverbünden in Bönen, Bergkamen und Kamen auf das Jahr 2028 verschoben. Ein konkreter Grund wird hierfür nicht genannt. Offenbar sehen die Verantwortlichen aber noch Gesprächsbedarf untereinander.

Eigentlich sollten die katholischen Kirchengemeinden in den drei Kommunen schon mit Ende dieses Jahres zusammengehen. Der Pastoralen Raum sieht weiterhin Seelsorger vor Ort vor, geleitet werden soll er aber zentral von Kamen aus. Die Stadt gilt als historischer Ausgangspunkt von Pfarrgründungen in der Region.

Brief an die Gremien - aber keine Begründung

Von der Verschiebung der Neustrukturierung um acht Jahre hat das Erzbischöfliche Generalvikariat die Pastoralteams, die Kirchenvorstände und die Pfarrgemeinderäte (in Bergkamen den Vermögensverwaltungsrat) bereits Anfang des Monats informiert. In dem Schreiben von Monsignore Andreas Kurte, Leiter des Bereichs Pastorales Personal in Paderborn, wird angedeutet, dass man die Voraussetzung für ein Miteinander zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht als gegeben ansieht.

Wörtlich heißt es: „Es ist uns bewusst, dass diese Entscheidung alle Beteiligten herausfordert und es Absprachen braucht, um zu guten Vereinbarungen zu kommen. Denn der Weg bis 2028 kann nur gemeinsam gelingen, wenn jeder und jede gehört und in den eigenen Anliegen berücksichtigt ist.“ Sodann ergeht die Bitte, die Zeit für ein gegenseitiges besseres Kennenlernen zu nutzen und bereits jetzt „notwendige Entscheidungen“ auf den Weg zu bringen.

Mit Blick auf den Pastoralen Raum hatten sich schon Anfang 2020 die einst fünf eigenständigen Gemeinden in Bergkamen zur Pfarrei Heilig Geist zusammenschlossen. Die Katholiken in Bönen und Heeren waren noch schneller; hier entstand zum Januar 2019 aus drei Gemeinden die Pfarrei St. Barbara. In Kamen steht noch eine Fusion der beiden Gemeinden Heilige Familie und St. Marien an, die zurzeit den Pastoralverbund Kamen-Kaiserau bilden. Das wird sehr zeitnah erfolgen.

Seelsorgerische Einheit für 26.000 Katholiken

Über den Pastoralen Raum entstünde auf Wunsch des Erzbischofs eine Gemeinschaft mit rund 26 000 Katholiken: 12 000 in Bergkamen, 6000 in Bönen und 8000 in Kamen. Größere Zusammenschlüsse von Gemeinden sind nicht zuletzt Reaktion auf den Priestermangel in der katholischen Kirche.

Mit Verschiebung der Pläne bleibt personell zunächst alles beim Alten: Thorsten Neudenberger leitet weiterhin Heilig Geist (Bergkamen), Benno Heimbrodt St. Barbara (Bönen) und Bernhard Nake, Pfarrer in der Pfarrei Heilige Familie (Kamen) den Pastoralverbund Kamen-Kaiserau.

Neudenberger sagt, dass er von der Verschiebung der Fusionspläne ebenso überrascht worden sei wie von seiner Ernennung zum Pfarrer von Heilig Geist im November. Zuvor war der Geistliche als Pfarradministrator aktiv, sein Weggang aus Bergkamen galt als sicher, zumal Paderborn die Stelle des Leiters des Pastoralen Raums extern besetzen wollte.

„Für mich hat sich nun eine Bleibeperspektive eröffnet“, sagt Neudenberger. Darüber freue er sich, weil er sich in Bergkamen wohlfühle. „Ich habe immer gesagt, dass ich gerne bleiben würde“, unterstreicht er.

Neudenberger will neue Akzente setzen

Nun kann der 53-Jährige weiterhin eigene Akzente setzen. Ihm schwebt zum Beispiel nach einer geplanten Innenrenovierung der St. Elisabeth-Kirche in Bergkamen-Mitte eine Öffnung des Gotteshauses auch für Veranstaltungen Dritter vor.

Thema in der Gemeinde dürfte auch die Erstellung eines Immobilienkonzeptes werden. Damit wollte man eigentlich bis nach der Bildung des Pastoralen Raum warten. Schon Mitte des Jahres hatte Neudenberger wissen lassen, dass etwa die Pfarrhäuser in Rünthe und Weddinghofen nicht dauerhaft Sitz eines Priesters sein würden.

Sein Kollege Heimbrodt in Bönen war weniger überrascht von der Verschiebung. Er vermutet, dass der noch nicht benannte Nachfolger für den bald in Rente gehende Pfarrer Nake auch mit Blick auf den einzuführenden Pastoralen Raum ausgewählt wird.

Verstärkung durch Pastor Ralph Vartmann

Dass das Bistum vielleicht nach den relativ frischen Zusammenschlüsse nicht gleich den nächsten Schritt hinterherschieben möchte, könnte für ihn ein weiterer Grund sein. Der Weg Richtung Pastoraler Raum sei schon seit einigen Jahren vorgezeichnet, nicht nur hier vor Ort, sondern in vielen Gebieten. „Das sollte schon kommen“, sagt Heimbrodt. Für ihn hat die Entscheidung auch keinen Nachteil in seiner Arbeit, es bleibt eben vorerst noch alles so wie bisher.

„Wir werden uns aber gegenseitig unterstützen“, kündigt er an. Personell wird dies bereits durch die Entsendung von Ralph Vartmann geschehen. Der Priester wird in Bergkamen als Pfarrer eingesetzt und gleichzeitig auch Aufgaben in der Seelsorge in Bönen und Heeren übernehmen. Er ist damit quasi schon ein erstes Bindeglied der Gemeinden.

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