Erwachen an der Marina Rünthe: Viele Bootsbesitzer warten aber noch ab

+
Es ist voll, aber ruhig an der Marina. Die Liegeplätze sind belegt, doch nur wenige Bootsbesitzer sind vor Ort. Udo Heinemann, der seit 25 Jahren einen Liegeplatz an der Marina hat, genießt die Ruhe.

Rünthe – Der Winter ist längst vorbei und normalerweise müsste an den Schwimmstegen der Marina Hochbetrieb herrschen, doch aufgrund der Corona-Pandemie mussten viele Bootsbesitzer seit Wochen auf ihr Hobby verzichten. Nun dürfen Sportboothäfen wieder öffnen, bis zum gewohnten Betrieb wird es aber noch dauern.

„Es geht jetzt so langsam wieder los“, sagte Thorsten Nustede mit dem Blick auf die 300 Liegeplätze. Seit dieser Woche ist auch die Slipanlage in Betrieb, um Boote ins Wasser lassen zu können. Während der wochenlangen Corona-Zwangspause vermittelte das Gelände einen seltenen Anblick, denn alle Liegeplätze waren belegt. 

„Viele Segler stehen hier schon seit dem Winter, weil sie nicht mehr in ihre Heimathäfen fahren konnten, weil an der Küste ja auch alles zu war“, sagt Nustede. Dass der Hafenmeister seit Wochen täglich auf die gleichen Schiffe blickt, ist für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich. 

Tagestour statt Trip zur See

„Wir haben hier normalerweise einen stetigen Wechsel. Jetzt aber sagen viele Segler, dass sie gar nicht mehr zur Küste fahren wollen, weil es sich nicht mehr lohnt, denn üblicherweise starten viele ihre Reisen bereits Ende März. Für einige fällt der Trip also komplett aus, die bleiben dann nur für Tagestouren auf den hiesigen Kanälen.“ 

Dass viele sich gar nicht mehr Richtung Ostsee auf den Weg machen, habe zudem damit zu tun, dass eine große Unsicherheit herrsche, ob das Virus nicht noch einmal zurückkehre. „Wenn ein zweiter Lockdown kommt, besteht die Gefahr, dass die gar nicht mehr an ihre Schiffe kommen“, befürchtet Nustede. 

Über den Winter haben viele Bootsbesitzer an ihren Wassergefährten Reparaturen und Verschönerungen durchgeführt. Das erfolgt nicht nur auf dem Wasser, sondern ebenso an Land. Die Halle mit Lagerböcken für 30 Schiffe ist ebenso bis zum letzten Platz gefüllt wie die benachbarten Flächen. Eigentlich müsste zum jetzigen Zeitpunkt der Saison hier Leere herrschen. 

Neue Dauerkunden

„Die Unsicherheit ist das Hauptproblem. Keiner weiß richtig, was noch kommt und daher halten die Leute ihre Boote lieber in der Nähe ihrer Wohnorte. Gerade die älteren Leute haben Angst, sich irgendwo anzustecken. Die bleiben dann lieber komplett zu Hause.“ Dennoch hat die Krise Nustede und der Yachthafen Marina Rünthe GmbH einige neue Dauerkunden beschert. 

„Viele haben ihre Schiffe nicht mehr zurück in die Niederlande geholt, die bleiben jetzt hier.“ Weggefallen ist dagegen das Zusatzgeschäft wie das Angebot des Tankens oder der Einsatz des Krans. Pro Woche führte der Hafenmeister zuletzt keine fünf Tankvorgänge mehr durch. 

Auch Gastlieger durfte Nustede in den vergangen Wochen nicht annehmen. Die beiden Sanitärgebäude, die zur Hafenmeisterei gehören, sind in den vergangenen Wochen ebenfalls geschlossen gewesen. Die Zeit nutzte Nustede für Modernisierungsmaßnahmen. Neben dem Einbau neuer Duscharmaturen gibt es nun auch ein neues Zugangs- und Zählersystem für diese Bereiche. 

Hafenmeister Thorsten Nustede hofft, dass der Betrieb nun wieder anläuft. Der Kran ist in den vergangenen Wochen kaum benutzt worden.

„Die Abrechnung lief bisher noch mit einem Wertmarkensystem. Jetzt wird es durch aufladbaren Karten ersetzt, die gleichzeitig auch als Zugangssystem für die Bereiche funktionieren.“ Auf die Schließung beziehungsweise die Einschränkung des Serviceangebots haben die Kunden entspannt reagiert. Inzwischen können die Toiletten wieder benutzt werden. Die Duschen bleiben vorerst allerdings geschlossen. Seit knapp 25 Jahren hat Udo Heinemann einen Jahresliegeplatz in der Marina. 

Er hat in den zurückliegenden Wochen neben Arbeiten an seinem Schiff mit Ehefrau Silke auch einige Touren unternommen. „Es gibt in der Nähe ein paar Liegestellen wie am Preußenhafen, sodass wir durchaus unterwegs waren. Unterm Strich haben wir wenig Einschränkungen gehabt.“ Die Stille zwischen den Stegen beunruhigt ihn nicht: „Wenn alle da wären, hätte ich ja hier keine Ruhe.“ Coronabedingt ist er zurzeit in Kurzarbeit. Eine Tatsache, die der Hohenlimburger locker nimmt. „Das hat auch Vorteile, weil ich öfter hier sein kann.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare