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„Erste Absage“: Was die neuen Corona-Regeln für große Feiern wie Hochzeiten bedeuten

Ein negativer PCR-Test ist ab Freitag (20. August) nötig, wenn man in Event-Räumen feiern möchte und weder geimpft noch genesen ist. Das Bild zeigt das CK-Eventcenter an der Industriestraße in Bergkamen-Rünthe.
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Ein negativer PCR-Test ist ab Freitag (20. August) nötig, wenn man in Event-Räumen feiern möchte und weder geimpft noch genesen ist. Das Bild zeigt das CK-Eventcenter an der Industriestraße in Bergkamen-Rünthe.

Mit gemischten Gefühlen reagieren die Betreiber von Event-Räumen in Bergkamen auf die neue Corona-Schutzverordnung. Der Grund: Wer nicht gegen das Coronavirus geimpft ist oder genesen, benötigt bei Einlass einen negativen PCR-Test – und der kostet 60, 70 Euro oder auch mehr. Ob den Gästen das Feiern etwa von Hochzeiten so viel wert ist?

Bergkamen – Ein normaler Schnelltest jedenfalls reicht für Veranstaltungen mit Tanz – auch private – ab Freitag (20. August) nicht mehr aus. Cevat Demircan, Geschäftsführer des CK-Eventcenters in Bergkamen-Rünthe, zeigt Verständnis für die Entscheidung des Gesetzgebers. Er werde die Vorgaben natürlich einhalten, um seinen Beitrag gegen die Ausbreitung des Virus zu leisten, betont der 52-Jährige. Die Umsetzung komme ihm aber deutlich zu schnell.

„Am Dienstag wurde die neue Verordnung verkündet – und drei Tage später tritt sie schon in Kraft“, ärgert sich Demircan. Für ihn habe das konkrete Folgen. „Für Freitag gab’s eine erste Absage.“

Aziz Gümüsyay (l.) und Ali Celebi von „Marina Event“: „Die Kunden sind teils wütend.“

Eigentlich hätte ein Polterabend in seinen Räumen an der Industriestraße stattfinden sollen, mit rund 150 Gästen. Nach Auskunft des Gastgebers hätte aber etwa ein Drittel davon einen PCR-Test vorlegen und damit kurzfristig organisieren müssen. „Es dauert ja 24 bis 36 Stunden, ehe das Ergebnis vorliegt“, verdeutlicht Demircan. Hinzu komme, dass unter den 50 Nicht-Geimpften und Nicht-Genesenen viele Familienangehörige gewesen seien.

Demircan konnte nach dem Lockdown erst Mitte Juni wieder öffnen. Seither hat es bei ihm gerade einmal eine Handvoll Feiern gegeben. „Die Leute sind mit den Buchungen noch sehr zurückhaltend“, sagt der Geschäftsführer – weil sie nicht wüssten, wie sich die Pandemie entwickele und ob sich der Aufwand lohne, alle einzuladen, wenn man sie später womöglich alle wieder ausladen muss. Für Demircan, in dessen Saal sitzend rund 1000 und stehend 2000 Menschen hineinpassen, bedeutet das: kurzfristige Absagen statt langfristiger Planungen.

„Wissen nicht, was Zukunft bringt“

„Uns kommt zugute, dass wir nicht ganz so groß sind“, sagt derweil Ibrahim Caba, Geschäftsführer von „The Room“, ebenfalls an der Industriestraße in Rünthe beheimatet. Bis zu 150 Gäste könnten bewirtet werden, sagt der 41-Jährige. „Manchmal richten wir aber auch Events für 50 Leute aus.“

Caba schätzt den Anteil an Geimpften und Genesenen unter den Feiernden aktuell auf 70 bis 80 Prozent. Die Notwendigkeit zu PCR-Tests entfalte daher nur geringe Abschreckung. „Absagen gab es bei uns keine“, berichtet er.

Im Gegenteil: Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, die Zahlen erreichten langsam wieder das Vor-Corona-Niveau, und seit Öffnung im Juni habe es an fast jedem Wochenende Veranstaltungen gegeben. Mit der neuen Verordnung, die bei der Inzidenz nur noch die Kennziffer 35 kennt und die 3G-Regel zur Grundlage von Begegnungen in Innenräumen macht, könne man zwar grundsätzlich besser planen, sagt Caba. „Wir wissen aber nicht, was die Zukunft bringt.“

„PCR-Tests gehen ins Geld“

Ali Celebi von „Marina Event“ am Hafenweg in Rünthe hatte für Samstag 100 Feiernde erwartet. Am Donnerstag korrigierte der Einladende die Teilnehmerzahl wegen der neuen Vorgaben auf 40. „Ganze Absagen gab es noch nicht, aber ich gehe davon aus, dass die Gesellschaften in nächster Zeit etwas kleiner werden“, sagt der 45-Jährige. Wenn etwa eine vierköpfige Familie PCR-Tests mache, gehe das gehörig ins Geld.

Celebi rechnet damit, dass ihm vonseiten der Kunden noch manch Unmut über die Neuregelung entgegenschlägt. „Die sind teils wütend – auch darüber, dass so plötzlich alles anders wird.“ Mit der Zahl an Buchungen indes sei er sehr zufrieden. Was das Feiern angehe, gebe es durch die Corona-Pandemie einen großen Nachholbedarf. „Heiraten möchten die Menschen ja trotzdem.“

Ist die Zeit großer Hochzeiten vorbei?

Demircan vom CK-Eventcenter verdeutlicht, dass das Finanzpolster des Betriebs angesichts hoher Fixkosten für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und der Folgen der Pandemie stark beansprucht sei. Er überlege, aus dem großen Saal baulich zwei kleinere zu machen, damit an Wochenenden künftig auch parallel Feiern stattfinden könnten. Er gehe nicht davon aus, dass es zügig wieder so große Hochzeiten gebe wie vor der Pandemie, so Demircan. Eine Entscheidung über den Umbau sei aber noch nicht gefallen.

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