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Erdgas wird erneut teurer – aber nicht für alle Kunden

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Von: Jürgen Menke

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Der Energiemarkt sei weiter in Aufruhr, heißt es bei den örtlichen Stadtwerken – die Erhöhung des Gaspreises von noch einmal über 17 Prozent „unumgänglich“.
Der Energiemarkt sei weiter in Aufruhr, heißt es bei den örtlichen Stadtwerken – die Erhöhung des Gaspreises von noch einmal über 17 Prozent „unumgänglich“. © dpa

Die GSW erhöhen erneut die Preise für Erdgas. Zum 1. Juli fallen zudem – auch beim Strom – die Ende 2021 eingeführten Tarife für Neukunden weg, wodurch diese weniger bezahlen als heute. Eine Strompreis-Erhöhung sei ab Oktober „nicht auszuschließen“, heißt es ferner. Zunächst reduzierten sich die Tarife aber durch den Wegfall der EEG-Umlage.

Bergkamen/Bönen – Beim Gas ist es die zweite Preiserhöhung binnen sechs Monaten. Erstmals in der Geschichte der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen komme es im Laufe eines Jahres und nicht erst zum Jahreswechsel dazu, erläuterte Geschäftsführer Jochen Baudrexl am Dienstag vor der Presse. Begründet wird die „Anpassung“ mit Rekordpreisen für Erdgas an den Handelsmärkten auch infolge des Ukraine-Kriegs.

Plus von 17,2 Prozent

Beispiel „GSW Erdgas Fix“: Steigen werden in diesem Tarif sowohl der Arbeitspreis (plus 1,23 auf 8,15 Cent/kWh) als auch Grundpreis (plus 21,48 auf 178,50 Euro jährlich). Der Fix-Kunde mit einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden (kWh) bezahlt brutto monatlich 17,11 Euro mehr. Das bedeutet ein Plus von 17,2 Prozent. Die jüngste Erhöhung lag bei 17,5 Prozent.

Erläuterten die ab Juli geltenden neuen Tarife: GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl (rechts) und Thomas Gaide, Centerleiter Vertrieb und Beschaffung.
Erläuterten die ab Juli geltenden neuen Tarife: GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl (rechts) und Thomas Gaide, Centerleiter Vertrieb und Beschaffung. © Menke

Die GSW nennen die Preiserhöhung „unumgänglich“ und „notwendig“. Diese falle im Vergleich zu anderen Anbietern noch moderat aus, erläuterte Baudrexl. Teils gebe es Steigerungen von 100 und mehr Prozent, wie der Blick in Online-Vergleichsportale zeige, ergänzte Thomas Gaide, Centerleiter Vertrieb und Beschaffung bei den GSW.

Teurer Spotmarkt

Von einer „krisenhaften Situation“ auf dem Energiemarkt sprach Baudrexl. Dass die GSW bei der Preisgestaltung noch relativ gut dastehe, hänge mit ihrer langfristigen Einkaufspolitik zusammen. Bis zu 2,5 Jahre im Voraus werde geordert – verbunden mit der Hoffnung, dass die Menge in der Zukunft ausreicht. Wenn nicht, müsse man sich am Spotmarkt eindecken. Dort seien die Preise deutlich höher als am Terminmarkt und wechselten mitunter stündlich.

Wegen der Billiganbieter

Mit der Einführung von Neukunden-Tarifen reagierten die GSW als Grundversorger auf die erhöhte Nachfrage von Verbrauchern, die von ihren (Billig-)Anbietern gekündigt worden waren. Die Preise fielen deutlich höher aus, weil – so die Begründung – ja auch kurzfristig teuer Energie habe eingekauft werden müssen. Der Praxis hat der Gesetzgeber nun aber einen Riegel vorgeschoben.

Gleicher Preis

„Alle Kunden zahlen künftig den Preis für Bestandskunden“, erläuterte Baudrexl. Das gelte beim Gas und auch beim Strom. Damit können die bisherigen Neukunden zumindest die aktuelle Preissteigerung gut verschmerzen. Die fällt nämlich geringer aus als der „Nachlass“ im Zuge der Neuregelung.

Kosten teils sozialisiert

Baudrexl beziffert die Zahl der Neukunden im Bereich Erdgas auf 500 bis 1000. Sie würden ab Juli im Schnitt 22 Prozent weniger bezahlen. Noch höher falle die Entlastung beim Strom aus; hier würden die Preise um rund 60 Prozent sinken. „Die Mengen sind aber überschaubar“, sagte Baudrexl zu den finanziellen Auswirkungen auf sein Unternehmen. Die zusätzlichen Kosten, die durch die Neukunden entstanden seien, würden nun zumindest teilweise sozialisiert, räumte er ein.

Rekordpreise beim Strom

Der GSW-Strompreis sinkt ab Juli netto um 3,723 Cent pro Kilowattstunde. So hoch ist noch die EEG-Umlage, die auf Geheiß der Politik vorzeitig wegfällt. „Ein Kunde mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh spart dadurch etwa 13 Euro pro Monat“, rechnete Baudrexl vor. Zugleich wies er darauf hin, dass auch auf dem Strom-Handelsmarkt Rekordpreise aufgerufen seien, weshalb eine „Preisanpassung“ auch in diesem Bereich nicht auszuschließen sei. Diese werde aber „frühestens zum 1. Oktober“ erfolgen.

Kunden erhalten Brief

Über die neuen Erdgas-Tarife informieren die GSW ihre Kunden noch schriftlich. Der jeweilige Verbrauch vor und nach dem Wechsel wird in der Jahresrechnung berücksichtigt – entweder mithilfe mathematischer Verfahren oder durch Zutun der Kunden. Diese können den GSW ihren Zählerstand zum 1. Juli online über www.gsw-kamen.de oder schriftlich mitteilen. Über die beabsichtigte Neuberechnung der Abschlagsbeträge werden die Kunden ebenfalls informiert.

Zählerstände ablesen

Im Zuge des Wegfalls der EEG-Umlage gibt es derlei Info-Pflicht des Anbieters nicht. Doch auch hier bieten die GSW den Kunden die Möglichkeit, ihre Zählerstände mitzuteilen, damit taggenau abgerechnet werden kann.

Noch viele Unbekannte

Wie sich die Preise 2023 entwickeln, lässt sich laut GSW nicht sagen. Dazu gebe es noch zu viele Unbekannte. Tatsache aber sei: Beim Gaspreis etwa entfielen nur rund 48 Prozent auf Beschaffungs- und Vertriebskosten. Weitere Komponenten seien Steuern, Umlagen, Abgaben, Netznutzung und CO2-Bepreisung.

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