Ende ist besiegelt

Ende besiegelt: Zechenturm in Bergkamen wird abgerissen - „Bitterlich enttäuschend“

Die RAG will Anfang März mit dem Abriss des Förderturms beginnen.
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Die RAG will Anfang März mit dem Abriss des Förderturms beginnen.

Das Aus für das Schachtgerüst Haus Aden 2 ist besiegelt. Der Stadtrat hat sich am Donnerstag mit Mehrheit von SPD, Grüne und FDP gegen einen Erhalt ausgesprochen. Allen drei Fraktionen erschienen die Kosten von drei Millionen Euro für eine Versetzung des Förderturms zu hoch. „Das ist bitterlich enttäuschend“, meinte danach Volker Wagner vom Geschichtskreis Haus Aden/Grimberg 3/4, der das Bauwerk erhalten sehen möchte.

Bergkamen – Für die kurze, aber eindringliche Stellungnahme Wagners war die Sitzung in der Römerberghalle unterbrochen worden. In der politischen Diskussion zuvor ging es hoch her – vor allem in dem Moment, als Claudia Schewior von BergAUF der SPD vorwarf, an der Seite der RAG zu stehen, die als Eigentümerin den Turm abreißen möchte, statt an der Seite der hiesigen Kumpel.

Den Vorwurf wollte SPD-Fraktionschef Rüdiger Weiß nicht auf sich sitzen lassen. „Das ist absolut lächerlich, abgrundtief dumm und ganz billige Parteipolitik“, sagte er. Schewior werde es nicht schaffen, einen Keil zwischen die Sozialdemokratie und die Kumpel zu treiben. Diese sei intensiv mit dem Bergbau verwoben.

CDU: Bürger sollten gehört werden

Zuvor hatte Weiß erläutert, wie schwer es der SPD falle, sich gegen den Erhalt des Förderturms auszusprechen. Dem Nein seien zwei Fraktionssitzungen vorausgegangen, lange Gespräche in den Familien und bei vielen auch schlaflose Nächte. Am Ende habe man einsehen müssen, dass drei Millionen Euro an anderer Stelle besser eingesetzt wären. „Das ist keine Entscheidung gegen den Geschichtskreis oder den Bergbau, sondern für die Stadt“, betonte Weiß.

Die CDU war zu Beginn der Sitzung mit dem Versuch gescheitert, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, und enthielt sich später. Sie sah die Notwendigkeit, zunächst auch im Kulturausschuss über die Frage des Turm-Erhalts zu beraten. Fraktionschef Thomas Heinzel plädierte zudem dafür, in eine „offene und ehrliche Diskussion“ mit den Bürgern einzutreten, um deren Vorstellungen zu erfahren. Aber offenbar wollten SPD und Grüne „den Sack so schnell wie möglich zumachen“, meinte er, zumal im zurückliegenden Kommunalwahlkampf der Eindruck „suggeriert“ worden sei, man wolle das Bauwerk retten.

FDP: Anblick im Foto festhalten und im Herzen bewahren

So wie Weiß, bat auch Grünen-Fraktionschef Thomas Grziwotz darum, das Nein zum Erhalt „nicht als mangelnde Wertschätzung gegenüber dem Bergbau“ auszulegen. Er sprach zudem die Unsicherheiten für den städtischen Haushalt durch die Corona-Pandemie an.

Man sollte den Anblick des Turms „im Foto festhalten und im Herzen bewahren“, sagte Angelika Lohmann-Begander (FDP) – um sich wegen der Kosten ebenfalls gegen eine Versetzung in Trägerschaft der Stadt auszusprechen. Oliver Schröder (Die Linke) meinte, drei Millionen Euro seien zwar viel Geld. Dieses aber sei zum Erhalt des Förderturms gut investiert. Er könne als Aussichtpunkt eine touristische Nutzung erfahren, Alleinstellungsmerkmal für die Stadt sein und nicht zuletzt die Erinnerungskultur erlebbar machen.

Aus Sicht von SPD und Grüne allerdings wird dieser Erinnerungskultur schon jetzt genüge getan, unter anderem durch die Unterschutzstellung von Neu-Monopol. Auch deshalb sei man gegen den Erhalt. Heinzel widersprach: „Die Würdigung des Bergbaus ist nicht ausreichend.“

Bürgermeister: Habe nie eine Zusage gegeben

Auf diesen Punkt ging auch Schewior ein. Es leuchte ihr nicht ein, dass drei Millionen für den Förderturm zu viel seien, aber fast die gleiche Summe an öffentlichen Geldern in die architektonische Aufwertung der Maschinenhalle zur Grubenwasserhaltung flössen, die die RAG an der Stelle des Schachtgerüsts errichten will. Eigentlich sei es Sache des Unternehmens, für die Versetzung des Turms aufzukommen.

Weiß' Hinweis auf die vermeintliche Dummheit ihrer Äußerungen nannte Schewior „persönlich beleidigend“. Bürgermeister Bernd Schäfer meinte zum Ende, er habe immer Sympathie für den Erhalt des Turms gehegt, aber auch vor der Wahl nie eine Zusage dafür gegeben.

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