Nachricht löst Verärgerung aus

Rünther Empörung über RAG - Kein Anspruch auf Entschädigungszahlungen

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Den Bewohnern der Zechenhaussiedlungen rund um die Overberger Straße (links) in Rünthe will die RAG keine Entschädigungszahlungen zugestehen, obwohl ein Seismograph an der Taubenstraße (unten) zahlreiche Erschütterungen dokumentiert hat.

Zwei rechtskräftige Urteile der Amtsgerichte in Kamen und Hamm lassen die Verantwortlichen bei der RAG zu dem Schluss kommen, dass in Rünthe niemand Anspruch auf Entschädigungszahlungen für bergbaubedingte Erschütterungen in den Jahren 2008 bis 2010 hat. Das teilte der Leiter der RAG-Bergschadensabteilung den Vertretern des Aktionskreises Wohnen und Leben in Rünthe mit.

Rünthe – Die Vertreter des Aktionskreises hatten beklagt, dass in Bergkamen nur die Bewohner des Gebietes südlich der Landwehrstraße in Overberge mit Pauschalbeträgen von höchstens 400 Euro entschädigt werden sollen. Diese pauschalen Zahlungen in bestimmten Bereichen sind das Ergebnis von zahlreichen Verhandlungsrunden zwischen der RAG und dem Verband der Bergbaugeschädigten (VBGH). Damit will sich der konkurrierende Landesverband der Bergbaubetroffenen (LVBB), dessen Mitglied der Rünther Aktionskreis ist, aber nicht abfinden. Die Sprecher Karlheinz Röcher (Rünthe) und Klaus Wagner haben der zuständigen Stelle bei der RAG Aktiengesellschaft bereits gegen die Nichtberücksichtigung vieler betroffener Menschen protestiert, die ebenfalls nachts von den „Erdbeben“ aus dem Schlaf gerissen wurden, aber kein Geld bekommen sollen.

Bekanntlich will die RAG im Bereich des 1910 stillgelegten Verbundbergwerkes Ost nur Bewohner im südlichen Teil von Overberge sowie in Teilen von Kamen, Herringen und Pelkum entschädigen. Auch in den beiden Nachbarkommunen hat diese Nachricht bei vielen Bürgern Unruhe und Verärgerung ausgelöst.

Die Schadensabteilung der RAG hat umgehend auf die Beschwerden reagiert und ihre Auswahl eben mit den beiden Gerichtsurteilen begründet. Die beiden Gerichte hatten 2016 jeweils eine individuelle Klage auf Entschädigungszahlungen abgewiesen. Nach Auffassung der jeweiligen Richter reichten Anzahl und Stärke der Erschütterungen nicht aus, um sie als unzumutbar einzustufen.

Gesamter Stadtteil Rünthe: kein Anspruch auf Geldentschädigung

„Aus den beiden Urteilen geht hervor, dass für den gesamten Stadtteil Rünthe kein Anspruch auf eine Geldentschädigung infolge der ab 2008 aufgetretenen bergbaubedingten Erschütterungen gegeben ist“, hat Marcel Tiedeken, der Leiter der RAG Schadensabteilung, in seinem Brief an Karlheinz Röcher geschrieben. Inzwischen haben die beiden auch schon miteinander telefoniert und ein Treffen für den 11. Februar bei der RAG in Herne vereinbart. „Wir erwarten, dass uns die Verantwortlichen der RAG genau erklären, warum es nur für Bürger im südlichen Overberge aber nicht in den ebenso betroffenen Gebieten in der Nachbarschaft und in Rünthe Entschädigungen gibt. „Dass die RAG die erfolglos geführte Klage eines Rünthers als Beleg für ihre Haltung anführt, empört uns“, sagt Röcher und betont noch einmal im Namen des Aktionskreises und des Landesverbandes, dass wir den Kreis der Anspruchberechtigten für zu klein halten“.

In Overberge zählen nur gut 501 Wohneinheiten in 20 Straßen zu den Berechtigten. Das geht aus den Informationen hervor, die die RAG im Rahmen des Verfahrens ins Internet gestellt hat. Dort sind alle Straßen, deren Anwohner Anspruch auf eine Entschädigung haben mit Hausnummern aufgeführt. Bei einem Pauschalbetrag von 400 Euro summiert sich der Gesamtbetrag auf mehr als 200 000 Euro.

Auch Mieter können profitieren

Anspruchsberechtigt sind bekanntlich auch Wohnlagen im Bereich der ehemaligen Bergwerke West (Rheinberg/Kamp-Lintfort), Prosper-Haniel (Dinslaken/Bottrop), Lippe (Dorsten) und Auguste Victoria (Haltern) für den Zeitraum vom Jahr 2008 bis zur Stilllegung der jeweiligen Zeche. Dort werden dann wegen des längeren Zeitraums der Erschütterungen teilweise sogar Entschädigungspauschalen von 800 Euro gezahlt. Ansprüche können nicht nur Haus- und Wohnungseigentümer geltend machen, sondern auch Mieter, wenn sie in dem betreffenden Zeitraum in den von der RAG angegebenen Bereichen gelebt haben. Die Anträge können bis Ende dieses Jahres gestellt werden. Weitere Infos sind im Internet unter www.rag.de/wohnwertminderung zu finden.

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