Zwischenruf im Ausschuss

Eklat um Räumung und Turmarkaden: Neuer Gutachter kritisiert stark

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Bergkamen – Die geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße 135 und 137 sorgen noch immer für Ärger in Bergkamen. Nun stellte Dr. Hans-Joachim Peters den Sachstand zur Räumung vor. Aber besonders pikant: Ein neuer Akteur kommt ins Spiel - und das wird Nachwirkungen haben.

Keine Ton- und Video-Aufnahmen. Das stellte der Vorsitzende Marco Morton Pufke direkt zu Beginn des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Verkehr klar. Pufkes Aufforderung machte damit indirekt deutlich, der Schock sitzt noch tief nach dem Video „Hilferuf aus NRW“ zur Räumung der beiden Wohnhäuser an der Töddinghauser Straße. 

Ein mutmaßlicher Eigentümer machte auf Youtube seinem Ärger Luft und griff die Stadt an. Er stellte aber auch einige zentrale Fragen. Dr. Hans-Joachim Peters nutzte eine Stunde des Ausschusses, um klar zu stellen, wie der Sachstand der Stadtverwaltung nach der Räumung aus Sicht der Behörde ist. 

Der Erste Beigeordnete Peters, dem die Bauordnung unterstellt ist, sagte, das oberste Ziel aller Beteiligten sei, dass die Bewohner schnellstmöglich wieder in ihre Wohnungen zurückkönnen – wenn die gravierenden Brandschutzmängel beseitigt sind. „Die Räumung wurde nicht von einer Person beschlossen, sondern war eine gemeinsame Entscheidung“, sagte Peters. 

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Beteiligt am Krisenstab waren die Brandschutzdienststelle vom Kreis Unna, die Verwaltung und die Feuerwehr. Peters stellte klar, dass es keinen Ermessensspielraum gegeben habe und Häuser geräumt werden mussten, da im Brandfall Lebensgefahr für die Bewohner bestand. Der Erste Beigeordnete nahm sich die Zeit auch einige der Fragen von BergAuf zu beantworten, die die Partei vor wenigen Tagen veröffentlicht hatte. Ein Teil der gestellten Fragen ist laut Peters allerdings sachlich falsch. 

Brennbares Material gibt es ausreichend in den Turmarkaden: Gutachter Thomas Albrecht warnt vor einer Katastrophe. Das Einkaufszentrum ist mit den geräumten Wohnhäusern verbunden.

Peters: Besitzer hat Turmarkaden so gut wie möglich gesichert

Er machte deutlich, dass die Besitzer der Turmarkaden das Gebäude so gut wie möglich gesichert hätten. Diese Antwort löste Unglauben auf den Rängen unter den Zuschauern aus, unter denen sich viele Anwohner der geräumten Häuser befanden. Es gab zahlreiche Einbrüche in das leere Einkaufszentrum. Einige davon wurden mit schwerem Gerät begangen, Türen wurden aufgeschweißt. 

Brand in den Turmarkaden

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Neuer Gutachter sorgt für Eklat

In seinem Vortrag zeigte Peters einige der vorliegenden Brandschutzmängel in den Wohnhäusern an der Töddinghauser Straße. Die Fotografien stammen von der Planungsgruppe K, die nach der Räumung vom Hausverwalter für das Gutachten ausgewählt wurde. 

21 der Eigentümer in der Töddinghauser Straße 135 und 137 haben sich nun jedoch einen weiteren Brandschutz-Gutachter bestellt. Und dieser neue Gutachter sorgte direkt für einen Eklat: Thomas Albrecht ergriff in der anschließenden Bürgerfragestunde das Wort und warf der Stadtverwaltung vor, die Planungsgruppe K nicht kritisch hinterfragt zu haben. Albrecht fragte ebenfalls nach den Brandsicherungsmaßnahmen im Keller des Gebäudes. 

Bitterer Beigeschmack und viele offene Fragen

Die geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße sind durch ihren Keller mit den leerstehenden Turmarkaden verbunden. Hier sei der Brandschutz außer Kraft gesetzt worden, ohne dass dies den Bewohnern bekannt gewesen sei, sagte Albrecht. Sowohl Sprinkleranlagen als auch Brandmelder würden in den Turmarkaden und dem Keller der Wohnhäuser nicht mehr funktionieren. 

Peters betonte, dass Albrecht keine Vollmacht für ein weiteres Gutachten habe. Albrecht hingegen warf ihm vor, dass auch die Planungsgruppe K keine besäße. Ausschuss-Vorsitzender Marco Morton Pufke unterbrach die Bürger-Fragestunde und verwies darauf, dass Fachfragen in einem gesonderten Gespräch zwischen Peters und Albrecht geklärt werden sollten. So blieben am Ende des Ausschusses ein leicht bitterer Beigeschmack – und vor allem viele weitere offene Fragen.

In dem umstrittenen Video greift "Mister Beyond" Stadt und Interra an:

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