Verhandlungen mit Pächter Dr. Brodde

Bergkamen will Eishalle sichern: Kann ein Verkauf die Lösung dafür sein?

Dr. Martin Brodde kriegt als Eishallen-Betreiber nicht so schnell kalte Füße. Er ist aber heiß darauf, das Dach der Einrichtung flugs erneuern zu können.
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Dr. Martin Brodde kriegt als Eishallen-Betreiber nicht so schnell kalte Füße. Er ist aber heiß darauf, das Dach der Einrichtung flugs erneuern zu können.

Ins Eigentum der Stadt zurückgeholt, sollte die Eishalle eine sichere Zukunft haben. Jetzt gibt’s neue Ideen.

Bergkamen – Seit dem Spätsommer vergangenen Jahres ist die Eishalle wieder städtisches Eigentum. Der Stadtrat hat die Rückübertragung von den Gemeinschaftsstadtwerken (GSW) beschlossen, damit das Angebot für Sportler und Freizeitläufer dauerhaft und zu finanziell deutlich günstigeren Bedingungen erhalten werden kann. Das Ziel ist unverändert, die Politik muss mit der Verwaltung aber als Nächstes entscheiden, auf welchem Weg es erreicht werden soll. Sprich: Wie viel es kosten darf.

Über allem die bange Kostenfrage

Das ist generell eine vorrangige Frage, zumal andere Kommunen sich derlei verlustreiche Einrichtungen vom Hals schaffen – oder mit Auseinandersetzungen um den Erhalt konfrontiert sind. Man schaue nur nach Unna. Die Kostenfrage hat erst recht Gewicht, seit Corona die öffentlichen Haushalte beutelt.

„Bedeutsame Einrichtung mit Alleinstellungsmerkmal“

Bergkamen hat den Erbpachtvertrag mit den GSW schließlich auch gelöst, weil die Stadt von der Stadtwerke-Rendite jährlich mehr als eine halbe Million Euro für den Verlustausgleich der Eisbahn abzweigen musste. Kein Vergleich mit dem heutigen Betrieb durch die „Spiele und Eissportgesellschaft UG“ von Dr. Martin Brodde mit 65 000 Euro städtischem Zuschuss für die Unterhaltung einer „regional bedeutsamen Freizeiteinrichtung mit Alleinstellungsmerkmal für Bergkamen“, wie es Marc Alexander Ulrich, Kämmerer und Vertretungsdezernent im Baufach, formulierte.

Nichtöffentlich werden die Optionen beraten

Damit war für Ulrich auch das Meiste schon gesagt über die unveränderte Absicht „eine Lösung finden, die den dauerhaften Erhalt der Halle sichert.“ Die Details seien Gegenstand von Vertragsverhandlungen mit Dr. Brodde und bisher nur nichtöffentlich geführten Gesprächen. Deshalb könne er genauere Auskünfte dazu derzeit nicht geben.

Stadt wollte sich um Fördergelder bemühen

Die Kommune hatte die Rücknahme damals öffentlich auch damit begründet, dass sie Möglichkeiten einer Förderung von Investitionen für einen wirtschaftlicheren Betrieb der Eissaison wie der zusätzlichen Nutzung in den Sommermonaten eröffne. Das sei daran geknüpft, dass die Stadt Eigentümerin der Halle sei. Konkret geht es darum, die Halle mit einem besser gedämmten Dach zu versehen und in diesem Bereich den Schallschutz zu verbessern, damit bei Veranstaltungen kein Konflikt mit der Nachbarschaft entsteht.

Gutachten zum Gebäudezustand liegen vor

Förderanträge sind dabei noch nicht herausgekommen. „Es liegen jetzt aber alle Gutachten zu den baulichen Bedingungen der Halle vor, sodass wir die Maßnahmen daraus ableiten können“, erläuterte Ulrich noch. Dass nun eine Idee ist, Betreiber Dr. Brodde die Halle zu verkaufen, mit der Maßgabe für einen Betrieb im öffentlichen Interesse und einem zweckgebundenen Zuschuss zu den Investitionen, mochte der Kämmerer dann nicht mehr kommentieren. Es seien verschiedene Modelle denkbar.

Es heißt, es hapere bei der Bauabteilung

Hinter vorgehaltener Hand heißt es, die Bauabteilung habe die Dinge nicht hinbekommen. Förderanträge sind aktuell nicht gestellt. Ob und wann sich noch einmal Möglichkeiten bieten, in veränderter Konstellation oder mit einem Antragsrecht privater Eigentümer an Zuschüsse zu gelangen, bleibt abzuwarten.

Am 10. September soll Saisonstart sein

Dr. Martin Brodde indes hat es eilig. „Ich möchte am 10. September die Eislaufsaison eröffnen“, berichtete der Betreiber mit einem Faible für den Eissport. „Deshalb scharre ich ja mit den Hufen. Die Handwerker wissen Bescheid, ich will loslegen. Aber die warten nicht auf mich.“ Im Auftragsboom der Baubranche werde es schwierig, die Zeit bis zum Anwerfen der Eismaschine zu nutzen.

Dach muss gedeckt, Zwischendecke eingezogen werden

Schließlich hat Brodde Großes vor: Die Dachplatten sollen abgenommen, die Balken mit leichterem und energetisch besserem Material so belegt werden, sodass später eine Solaranlage folgen kann. Innen muss eine Decke eingezogen werden, was wiederum den Einbau einer Lüftungsanlage nach sich zieht.

Ziel ist die ganzjährige Nutzung

Das ist nur das Gröbste, „andere Dinge kann man später Zug um Zug machen“, so der Pächter. „Ich will sechs Monate Eis anbieten“, betonte er. Wenn sich die Halle nicht mehr so erwärme, sei das günstiger zu machen. „Ich will die Halle aber auch möglichst zwölf Monate im Jahr nutzen.“ Und das erfordere die in Rede stehenden Umbauten wie wohl auch eine baurechtliche Anpassung.

Die Gespräche mit Bürgermeister Bernd Schäfer und seinem Stab stimmten ihn zuversichtlich, dass der 2022 auslaufenden Pachtvertrag adäquat ersetzt werde.

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