Ausbildung im Schießzentrum in Bergkamen

Einsatz für Tierwohl und Naturschutz: Das motiviert angehende Jäger im Kreis Unna

Waffe Jäger Jagd Fernglas
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Der Umgang mit der Waffe ist nur einer von vielen Unterpunkten der Jagdausbildung der Kreisjägerschaft.

Bergkamen – Rund 1800 Jäger gibt es im Kreis Unna. Den dazu erforderlichen Jagdschein haben sie in einer mehrmonatigen Ausbildung erworben und die Fähigkeiten bei umfangreichen Abschlussprüfungen unter Beweis gestellt. Auch aktuell läuft ein Jahrgang für angehenden Jäger, die im Kreis Unna ihren Wohnsitz haben.

Die Einführungsveranstaltung fand im September in den Lehrräumen des neuen Schießzentrums in Overberge statt. Rund 40 Interessierte und einige Begleitpersonen waren der Einladung der Kreisjägerschaft gefolgt und erhielten einen ersten Einblick in die Lehrinhalte und den Aufbau der Prüfungen, die für April 2021 angesetzt sind. Was muss man wissen, um die Prüfung zu bestehen, und was motiviert Menschen dazu, eine Jagdausbildung anzufangen?

Die Ausbildung

„Stellen Sie sich die Ausbildung wie ein Regal vor“, erklärte der Leiter der Jagdausbildung, Jan-Eike Kersting den Männern und Frauen. „Das Regal müssen wir erst aufbauen, dann können wir es füllen“, ließ er den Jäger-Nachwuchs wissen, dass es völlig normal sei, wenn sie sich mit Dingen befassen müssen, mit denen sie zuvor noch nie etwas zu tun hatten. Bis zu 1 500 Euro müssen die zukünftigen Jäger investieren. Dafür werden sie zweimal wöchentlich in den Abendstunden unterrichtet, erhalten Skripte, vergünstigte Bücher und die für die anstehenden Schießübungen erforderlichen Waffen geliehen, damit sie sich auf die staatliche Jagdprüfung vorbereiten können. Insgesamt neun Ausbilder stehen ihnen zur Seite.

Die Teilnehmer

Für Claudia Herzog (51), passionierte Pferdefreundin und Reiterin, aufgewachsen auf dem Land, war die Verbindung zur Natur schon immer gegeben. Mit der Jägerausbildung erfüllt sie sich einen lang gehegten Traum. Auch wenn sie selbst feststellt, dass sie das Lernen erst wieder lernen muss. Für die Zeit nach der jagdlichen Prüfung sollen für sie die Hege, die Pflege und der Schutz von Tieren und Pflanzen, im Vordergrund stehen. Den Abschuss eines Tieres sieht sie eher als notwendiges Übel, sei es, dass ein Tier schwer verletzt ist oder zum Beispiel eine Rotte Wildschweine immensen Schaden anrichtet. Vor Waffen selbst hat sie großen Respekt.

Mit den neu erworbenen Kenntnissen will sie aber auch Aufklärungsarbeit betreiben. Nicht jeder aus ihrem persönlichen Umfeld ist mit der Jagd einverstanden. Als Grund sieht sie vor allem fehlendes Wissen über die vielen Aufgaben der Jäger. Das will sie ändern.

Im Overberger Schießzentrum führte Ausbildungsleiter Jan-Eike Kersting durch die Veranstaltung im September.

Katharina Heemann stammt aus einer Familie mit jagdlichem Hintergrund. Die 26-Jährige ist fasziniert vom Wissen hinter der Jagdausbildung. Vor allem die logischen Zusammenhänge sind ihr wichtig. „Das sind sehr komplexe Zusammenhänge“, macht sie auch den Lernumfang deutlich. Nach der Ausbildung will auch sie sich vor allem der Hege widmen. „Ich will aktiv mitwirken.“

Auch für Christoph Stuhldreier (33) ist die Begeisterung für die Natur der Motor für die Ausbildung. Er plant außerdem, sich einen Jagdhund anzuschaffen. „Ich kann ihn nur artgerecht halten, wenn ich selbst die Jagd ausübe“, ist er überzeugt. An der jagdlichen Ausbildung schätzt er nicht nur den gut strukturierten Unterricht, sondern auch den Erfahrungsaustausch mit den erfahrenen Jägern. „Wir erfahren Sachen, die stehen in keinem Lehrbuch“, freut sich Katharina Heemann.

Die Themen

In Themenblöcke unterteilt wird das Wissen rund um das jagdliche Brauchtum, Waffenkunde, Land- und Waldbau, Jagdrecht, Waffenrecht und Wildtierkrankheiten vermittelt. In der praktischen Ausbildung wird geschossen, allerdings nicht auf lebende Tiere, sondern auf Nachbildungen, stehend und in Bewegung. Trainiert wird der Umgang mit der Flinte und der Büchse. Die Handhabung der Kurzwaffe ist ein weiteres Themenfeld. Sie kann zum Einsatz kommen, wenn zum Beispiel ein bei einem Verkehrsunfall verletztes Tier notgetötet werden muss. Im Rahmen der „Roten Arbeit“ wird es dann ernst. Jan-Eike Kersting mahnte bereits eingangs, dass Jäger eine hohe Verantwortung tragen, wenn sie Wildfleisch in Verkehr bringen. „Sie müssen erkennen, ob das Fleisch für Menschen genießbar ist.“ Deshalb zählt das Wissen rund um Tierseuchen und Krankheiten ebenfalls zu den prüfungsrelevanten Themen. Für dieses Jahr ist der Lehrgang voll besetzt. Darüber zeigte sich Kersting hocherfreut. „Wir brauchen Sie als Nachwuchs.“

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