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Nach Tornado: Bergkamener Feuerwehrkräfte helfen in Lippstadt

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Von: Sabine Pinger

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Die Innenstadt von Lippstadt nach dem Tornado
Mit Drehleiterfahrzeugen aus der ganzen Umgebung halfen die Einsatzkräfte dabei, die Innenstadt von Lippstadt wieder sicher zu machen. © Jens Möllmann

Es hat nur 30 Sekunden gedauert, dann war alles zerstört. Die Innenstadt von Lippstadt glich nach dem Tornado am Freitag einem Trümmerfeld, die Menschen dort stehen noch immer unter Schock. Und es wird lange dauern, bis alle Schäden beseitigt sind. Viele Kräfte haben aber dafür gesorgt, dass die Bewohner sich dort wieder gefahrlos auf den Straßen, Wegen und Plätzen bewegen können. Unter den Helfern waren Jens Möllmann und drei seiner Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Bergkamen.

Bergkamen/Lippstadt - Der Führer der Einheit Oberaden hat schon viel erlebt, war bei etlichen Einsätzen dabei. Das, was er am Samstag in Lippstadt gesehen hat, hat aber auch ihn entsetzt. „So etwas habe ich noch nicht gesehen. Auf einer Schneise von 400 bis 500 Metern Breite und einer Länge von 1,5 Kilometern ist alles kaputt. Rundherum sieht es dagegen so aus, als wäre nichts gewesen“, beschreibt Jens Möllmann.

Bereits am Freitag, unmittelbar nach dem Sturm, waren seine Kollegen von der Einheit Weddinghofen vor Ort, um die Einsatzkräfte dort zu unterstützen. „Sie haben bis in die Nacht hinein geholfen“, weiß der Einheitsführer. Weil es aber für die Retter immer gefährlicher wurde, da sich in der Dunkelheit Gefahren wie gelöste Mauer- oder Dachteile kaum noch erkennen ließen, brachen sie den Einsatz irgendwann ab. Am nächsten Morgen übernahmen Möllmann und die anderen Helfer aus Bergkamen und anderen Orten den Staffelstab. Gebraucht wurden vor allem Hubrettungsfahrzeuge.

Straßensperren machen die Anfahrt kompliziert

„Drehleiterfahrzeuge sind ja nicht überall vorhanden. Und da sie für den Einsatzfall bereitstehen müssen, zum Beispiel für einen Dachstuhlbrand, konnten nicht alle Drehleitern aus dem Kreis Soest abgezogen werden. Daher wurde auf weiter entfernt liegende Feuerwehren zurückgegriffen“, erklärt Jens Möllmann. Für ihn war es Ehrensache, am Samstagmorgen nach Lippstadt zu fahren. „Zum einen bin ich Feuerwehrmann, da gehört das dazu. Zum anderen weiß ich selbst, wie das ist. Als vergangenes Jahr bei dem Unwetter im Juli mein Keller unter Wasser stand, haben ihn andere freigepumpt. Da hatten wir viel Hilfe von außerhalb.“

Allerdings war es für ihn und seine Mannschaft gar nicht so einfach, ins Katastrophengebiet zu gelangen. „Wir sind erst gar nicht in den Stadtkern gekommen, sondern haben uns von Straßensperre zu Straßensperre gehangelt.“ Ein Lippstädter Feuerwehr-Kollege brachte sie schließlich zur Rettungs- und Feuerwache. Dort bekamen die Bergkamener ihren Auftrag und wurden anschließend von einem weiteren ortsansässigen Feuerwehrmann ins Zentrum gelotst. „Teils wurden wir sogar von der Polizei zum Einsatzort geleitet“, erzählt der Oberadener. Der Polizist wusste schließlich, welche Straßen bereits geräumt und befahrbar waren.

Fast alle Dächer beschädigt

Die erste Aufgabe für das angereiste Helferteam war, sich von der Drehleiter aus einen Überblick über einen Kreuzungsbereich zu verschaffen. „Wir hatten etwa 15, 16 Häuser im Blick und jedes war beschädigt“, so der Retter. Lose Dachpfannen, verschobene Giebelwände, abgebrochene Schornsteine: Die zerstörerische Windhose hatte ganze Arbeit geleistet. „Bei einem Haus haben wir zunächst gedacht, dass es ganz gut davon gekommen ist. Doch dann haben wir die Rückseite gesehen, die komplett abgedeckt war“, schildert Jens Möllmann.

Immer wieder musste er den Bausachverständigen des Technischen Hilfswerks hinzurufen, um eine genauere Einschätzung zu erhalten. Wie viele Dach- und Mauersteine, Holzbalken und mehr er am Samstag schließlich gesichert hat, kann er nicht sagen, dafür waren es viel zu viele. Erst gegen Abend kehrten die Mitglieder der Bergkamener Wehr nach Hause zurück.

Trotz der enormen Anstrengung nimmt Jens Möllmann viel Positives mit aus der Lippestadt. „Die Einheimischen haben frische Waffeln für uns gebacken, uns Frikadellenbrötchen und Bratwürstchen gebracht, uns mit Wasser und Schokolade versorgt. Das war unglaublich“, sagt er. „Die Leute waren so froh, dass wir gekommen sind und haben uns auf diese Weise ihre Dankbarkeit gezeigt.“

Vom Wirbel komplett überrascht

Bei diesen Gelegenheiten hat Jens Möllmann auch erfahren, wie die Lippstädter das Unglück erlebt haben. „Die meisten waren von der Schlagartigkeit des Ereignisses erschüttert. Wirklich jeder hat gesagt, dass das Ganze nur 30 Sekunden gedauert hat. Danach lag alles in Trümmern.“ Eine Frau habe ihm erzählt, dass sie kurz vorher noch auf ihrem Balkon gesessen haben. Dann sei sie aufgestanden und kurz auf die Toilette gegangen. „Sie hat es kurz rumpeln gehört, und als sie wieder rauskam, war alles zerstört. Sie konnte es nicht fassen.“

Wäre die Großtrombe über die Felder der Soester Börde gezogen, wäre wohl kaum etwas passiert, vermutet Jens Möllmann. Dass es aber ausgerechnet die Innenstädte von Lippstadt und Paderborn getroffen habe, sei das Tragische.

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