Eine Feuerwehr-Übung mit Knalleffekt

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Die Mitglieder der Einheit Overberge bekamen bei der Übung demonstriert, welche Ausmaße es ausnehmen kann, wenn eine brennende Chemikalie mit einem falschen Löschmittel in Kontakt kommt.

Bergkamen - Um für den Notfall gerüstet zu sein, trainiert die Freiwillige Feuerwehr immer wieder für den Einsatz. Jetzt stand eine gemeinsame Übung mit der Werkfeuerwehr auf dem Bayer-Gelände an.

Natürlich gibt es auf dem Gelände der Chemieunternehmen Bayer, Lanxess und Huntsmann eine Werkfeuerwehr – und die weiß im Ernstfall, was zu tun ist. „Aber wir arbeiten halt im Team“, sagt André Wortmann, stellvertretender Leiter der Einheit Overberge der Freiwilligen Feuerwehr Bergkamen. Wenn es ernst wird, eilt auch die zur Unglücksstelle. Gemeinsame Übungen sind daher wichtig. 

25 Feuerwehrleute aus Overberge nahmen am Freitagabend auf dem Werkgelände Aufstellung – und für knapp die Hälfte von ihnen war neu, was folgen würde. „Wir haben etliche neue Mitglieder“, erklärte Wortmann. „Die haben gerade erst ihre Grundausbildung abgeschlossen.“ Theoretisch wissen sie dadurch zwar, was man bei speziellen Bränden nicht tun sollte, doch auf dem Werkgelände lernten sie anschaulich, warum das so ist. 

Explosion beim Kontakt mit Wasser

Ein Alkylbrand stand auf dem Plan. Diese Flüssigkeit wird für die Kunststoffherstellung benutzt und ist daher ein Standardprodukt bei Lanxess. Leider gerät es beim kleinsten Luft-Kontakt in Brand. „Und es reagiert extrem mit Wasser“, erklärten die Lanxess-Fachleute bei der stoffspezifischen Einweisung. 

Zu Versuchszwecken wurden ein paar Tropfen hinzugegeben – und schon kam es zu einer kleinen Explosion und einem deutlichen Auflodern der Flammen. 

Weder die Pulverlöscher der Feuerwehr noch CO2 und schon gar nicht Schaum halfen beim Löschen. Hier knallte es heftig, eine Stichflamme schoss zum Himmel und die Hitzewelle erreichte auch die Gruppe Feuerwehrleute, die genügend Sicherheitsabstand eingehalten hatten. „Oh“, entschlüpfte da so manchem jungen Feuerwehrmann. 

Anwohner wussten Bescheid

Die meterhohe Rauchwolke sowie die Geräusche waren auch außerhalb des Werkgeländes wahrzunehmen, weshalb die Anwohner im Vorfeld über die Übung in Kenntnis gesetzt worden waren. 

Ein spezielles Löschmittel, das die Werkfeuerwehr vorrätig hat, halft letztlich jedoch dabei, das kleine Übungsfeuer unter Kontrolle zu bringen. Das Granulat legte sich wie eine Decke über die brennende Flüssigkeit und erstickte die Flammen. Doch sobald wieder Luft an die Flüssigkeit kam, züngelten neue Flammen empor. „Das kann man dann nur kontrolliert abbrennen lassen“, erklärten die Werkfeuerwehrleute ihren Kameraden. Und je nach Menge kann das Tage dauern. 

Übung flößt Respekt ein

Das flößte ebenso Respekt ein, wie die zum Übungsende in Brand gesetzten Magnesiumspäne. Denn zur Übung waren nur wenige Gramm genutzt worden, auf dem Werkgelände sowie bei Gefahrguttransporten gibt es Tonnen. Regelmäßig am Ball zu bleiben und immer wieder den Umgang damit zu trainieren, sei daher auch für die Freiwillige Feuerwehr wichtig, so Wortmann.

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