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Ein Friedhof für Muslime: Moschee-Vereine wenden sich an die Stadt

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Von: Jürgen Menke

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Auf dem Friedhof im benachbarten Lünen-Niederaden gibt es schon ein muslimisches Gräberfeld. Allerdings sind die Kapazitäten dort begrenzt.
Auf dem Friedhof im benachbarten Lünen-Niederaden gibt es schon ein muslimisches Gräberfeld. Allerdings sind die Kapazitäten dort begrenzt. © Szkudlarek

Die hiesigen Moschee-Vereine regen die Einrichtung einer muslimischen Begräbnisstätte in Bergkamen an. Die Stadtverwaltung prüft nun unter anderem, ob dafür der Hauptfriedhof im Ortsteil Weddinghofen erweitert werden könnte.

Bergkamen – Hinter der Anregung stehen gleich sieben örtliche Gemeinden und Initiativen mit rund 1800 Mitgliedern. Das berichtete Zekeriya Kalabalik von der Ditib-Gemeinde in Oberaden in der Sitzung des Integrationsrates am Dienstag. Er ist auch Vorsitzender des Gremiums, das dem Stadtrat in Fragen des Miteinanders der Kulturen beratend zur Seite steht.

Umdenken bei den Jüngeren

Deutschland sei ein Einwanderungsland, machte Kalabalik deutlich. Seit mehr als 60 Jahren lebten auch Muslime hier. Während es für die anfangs Zugezogenen selbstverständlich sei, sich nach dem Tod im Heimatland bestatten zu lassen, würden die nachfolgenden Generationen zunehmend anders in die Zukunft blicken.

Bergkamen als Heimat

„Viele haben sich für Bergkamen als ihre Heimat entschieden“, konstatiert Kalabalik. Die Einbürgerungen hätten in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig zugenommen, Muslime würden Wohnungen kaufen, Häuser bauen und Geschäfte gründen. „Heute möchten immer mehr Familien einen Erinnerungsort in der neuen Heimat Deutschland haben.“

Weiter Weg nach Brambauer

Bergkamener, die sich nach muslimischem Ritual beerdigen lassen wollen, können nach Lünen ausweichen. Doch der nahegelegene Friedhof in Niederaden, auf dem es einen separaten Bereich für derlei Bestattungen gibt, hat seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Bleibt noch der neue Friedhof in Lünen-Brambauer, der seit Januar 2020 über ein Areal für muslimische Bestattungen verfügt. „Der Weg dorthin ist für die Hinterbliebenen aber sehr weit“, verdeutlichte Kalabalik.

Stadt prüft Ansinnen

Im Integrationsrat gab es allgemeine Zustimmung für die Pläne. Bergkamens Beigeordnete Christine Busch sicherte den Antragstellern zu, ihrer Anregung „ernsthaft“ nachzugehen. Das passiere bereits, indem unter anderem die Bodenbeschaffenheit auf der potenziellen Erweiterungsfläche des Hauptfriedhofs untersucht werde. So etwas sei unabhängig der jeweiligen Bestattungsriten vonnöten, erläuterte Busch. Es gehe zunächst rein um technische Fragen.

Sterben als Teil des Lebens

Für das Ansinnen der Moschee-Vereine zeigte Busch großes Verständnis. Während Integration anfangs vornehmlich mit Blick auf Kinderbetreuung, Schule und Beruf betrachtet wurde, müssten nun auch ältere Menschen verstärkt ins Bewusstsein rücken. „Zum Leben gehört auch das Sterben“, sagte die Beigeordnete.

Gesicht gen Mekka

Kalabalik verweist darauf, dass Muslime – wie auch die Angehörigen anderer Religionen – bestimmte Riten haben, die mit der Bestattung ihrer Verstorbenen einhergehen. Bei der Vorbereitung der Grabfläche etwa müsse darauf geachtet werden, dass der Leichnam mit dem Gesicht gen Mekka ausgerichtet werden könne. Auch müsse eine Beisetzung zeitnah erfolgen können, wobei gläubige Moslems nur im Leinentuch und ohne Sarg beigesetzt werden möchten.

Keine Befristung

Der Islam kenne darüber hinaus keine Befristung bei der Nutzung einer Grabstätte, so Kalabalik. Zudem sei es wichtig, dass die religiösen Aufgaben wie etwa die Waschungen durchgeführt werden könnten. All dies sei am besten auf einem eigens erstellten Grabfeld möglich.

„Bedarf ist da“

Die Sitzung des Integrationsrats fand in den Räumen des Bildungs- und Kulturzentrums Bergkamen an der Präsidentenstraße statt. Die Moschee-Gemeinde mit rund 200 Mitgliedern ist im Verband der Islamischen Kulturzentren organisiert. „Wir haben im Schnitt acht bis neun Beerdigungen im Jahr“, sagt Vertreter Bilal Uzunay. Und ja, immer mehr Gemeindemitglieder würden sich für ein Begräbnis vor Ort in der neuen Heimat entscheiden.

Flüchtlinge im Blick

Kalabalik zeigte sich optimistisch, dass die Stadt der Anregung nachkommt. Man sehe sich in der gemeinsamen Verantwortung, islamkonforme Bestattungen für die muslimischen Mitbürger zu ermöglichen, betonte er. Mitunter kämen auch Muslime als Flüchtlinge nach Bergkamen und könnten nach ihrem Tod wegen Krisen in ihren Heimatländern nicht zurückgeführt und dort beigesetzt werden.

Signal für Integration

Die Realisierung einer muslimischen Begräbnisstätte wäre auch ein deutliches Signal in Richtung der Gruppe „Bergkamen for all“ sowie des Interreligiösen Gesprächskreises, sagte Kalabalik. Mit dem Vorhaben könne man den Ängsten vieler Bergkamener Muslime begegnen, die dadurch geschürt würden, dass sie nicht wüssten, was einmal mit ihren sterblichen Überresten geschehe.

Wie lange es bis zur möglichen Realisierung braucht, ist nicht abzusehen. Der Rat müsste vorab sein Okay zu dem Vorhaben geben.

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