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Eichenprozessionsspinner: Das „böse Erwachen“ im Frühling steht noch aus

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Von: Bernd Kröger

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Frühlingsboten der anderen Art: Sobald es sprießt, sind neuerdings Schädlingsbekämpfer gegen den Prozessionsspinner im Einsatz.
Frühlingsboten der anderen Art: Sobald es sprießt, sind neuerdings Schädlingsbekämpfer gegen den Prozessionsspinner im Einsatz. © © Andreas Rother

Der Lenz ist da, alles wächst und gedeiht. Ein lästiger Gast ziert sich noch: der Eichenprozessionsspinner.

Bergkamen – Der Frühling ist erwacht – das kann sehen und riechen, wer auch nur ein paar Schritte vor die Tür macht. Es sprießt allerorten, Hummeln und Käfer umschwirren die frühe Blütenpracht. Doch nicht alles Getier hat in dem Idyll das Zeug zur Augenweide. Mit gespannter Sorge blicken die städtischen Gärtner nun wieder darauf, wo sich die gefährliche Brut eines Falters zeigte: Der Eichenprozessionsspinner dürfte bald wieder von sich reden machen.

Bekämpfung kostet 50.000 Euro im Jahr

„Der EPS ist in diesem Jahr etwas spät dran“, eröffnet Bauhofleiter Stephan Polplatz den erbetenen Sachstandsbericht zu dem Plageinsekt der vergangenen Jahre mit einem Schuss Galgenhumor. Schließlich bindet die Bekämpfung des Spinners personelle Kapazitäten und ging mit 50 000 Euro im Vorjahr auch gehörig ins Geld.

„Im vergangenen Jahr hatten wir um diese Zeit schon eine ganze Reihe von Meldungen über Spinnerbefall. Derzeit sind es nur einzelne Beobachtungen“, so Polplatz. „Die Gärtner in unserem Team nehmen an, dass das mit der längeren Kälte zu tun hat. Wir hatten immerhin ja 14 Tage Schnee.“

Keine Vertrauen in vorsorgliche Behandlung

Doch die Larven des Falters werden sich bald regen, da macht sich der Bauhofleiter keine Illusionen. Wenn die Raupen erst wieder aus wabernden Nestern wie in einer Prozession über Eichen spazieren, um deren Blätter zu vertilgen, sind die vier eigens geschulten und mit speziellen Saugern ausgestatteten Mitarbeiter wieder gefragt.

Von einer vorsorglichen Behandlung der Bäume, wie sie Straßen.NRW mit einem Cocktail aus Pilzsporen und Fadenwürmern erprobt, hat Bergkamen abgesehen. „Es ist für uns kein ausreichender Nachweis erbracht, dass dabei nicht auch Nützlinge beseitigt werden“, so Polplatz. Das würde alle Bemühungen um mehr Artenvielfalt auf den Kopf stellen.

Am Ende hilft nur Nahkampf

Bleibt also nur der Nahkampf: absaugen, was auffällt oder gemeldet wird. Denn die Brennhaare der EPS-Raupe können bei Menschen schlimme Allergien auslösen. Der Parkfriedhof und der Römerbergwald Höhe Preinstraße haben sich mit den Eichenbeständen als „Hotspot“ erwiesen.

An solchen Stellen setzt der Bauhof mit der Pflege von gut 100 teils gespendeter Nistkästen auch auf ein wenig Schützenhilfe von Meise & Co. Wenn es zu viel wird, werden private Anbieter zur Beseitigung hinzugezogen. Aus der eigenen Truppe möchte Polplatz noch zwei EPS-Bekämpfer ausbilden. Aber das ist leichter gesagt als getan: „Corona hat bis jetzt alle Schulungen durchkreuzt.“

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