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Dreimal so teuer – und auch besser? Stadtmuseum auf dem Weg in die Moderne

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Von: Jürgen Menke

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Blick in den neuen Empfangsbereich von Stadtmuseum und Galerie „Sohle 1“: Er ist mit Servicetheke in Kohle-Optik und SB-Café ausgestattet.
Blick in den neuen Empfangsbereich von Stadtmuseum und Galerie „Sohle 1“: Er ist mit Servicetheke in Kohle-Optik und SB-Café ausgestattet. © Szkudlarek

„Wenn, dann richtig“, lautet die Devise bei der Modernisierung des Stadtmuseums Bergkamen. Daher wurden die Pläne von 2018 immer wieder überdacht und erweitert. Die Kosten sind jetzt fast dreimal so hoch wie ursprünglich vorgesehen. Ein erster Meilenstein ist mit dem Anbau für Foyer und Saal erreicht.

Bergkamen – Die Neukonzeption des Bergkamener Stadtmuseums vollzieht sich baulich in insgesamt drei Schritten. Einer ist jetzt getan: die Fertigstellung eines Foyers und eines Veranstaltungssaals in einem Anbau. Dieser sei preisgünstiger geworden als gedacht, hieß es bei der Vorstellung der Räume am Mittwoch. Insgesamt werden sich die einst veranschlagten Projektkosten allerdings nahezu verdreifachen.

Den Anbau darf man getrost als gelungen bezeichnen. „Wir haben auf Qualität und Wertigkeit geachtet, wollten keinen reinen Funktionsbau“, verdeutlichte Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich und dankte allen Beteiligten. Nicht weniger als 23 Firmen seien auf der Baustelle gewesen. Deren Arbeit habe vom Museumsteam um Leiter Mark Schrader und von der Hochbau-Abteilung um Projektleiterin Anja Nicolas koordiniert werden müssen.

>>> Museumsfoyer:

Das Museumsfoyer ist gleichzeitig Eingangsbereich für die städtische Galerie „Sohle 1“. Blickfang ist die hölzerne Servicetheke, die als Reminiszenz an die Bergbaugeschichte der Stadt in Steinkohle-Optik gehalten ist. Im Hintergrund ist ein großformatiges Foto der früheren Zeche Haus Aden zu sehen. Weitere Bilder im Wechselrahmen weisen auf die Römerzeit (Holz-Erde-Mauer) und das Mittelalter (Rekonstruktion der Bummannsburg) hin. Im Raum integriert ist ein Selbstbedienungs-Café mit rund 20 Sitzplätzen. Es kann vom Mitarbeiter am Empfang mitbetreut werden. Ein Durchgang führt zum neu gestalteten Sanitärbereich und zur Garderobe mit ihren zahlreichen Schließfächern.

>>> Veranstaltungssaal:

Das Stadtmuseum soll Zentrum für Kunst und Kultur sein, aber auch Treffpunkt und Begegnungsstätte. Im neuen Saal können Ausstellungen stattfinden, Konzerte und andere Aufführungen, darüber hinaus Fortbildungen, Tagungen und Vereinstreffen. Der mit Parkett und Beamer ausgestattete Raum fasst bestuhlt bis zu rund 100 Gäste. Acht Scheinwerfer sind auf eine im Boden versenkbare Bühne gerichtet, die manuell (das spart Anschaffungs- und Folgekosten) in vier Etagen bis zu einer Höhe von 80 Zentimetern angehoben werden kann. Zur Belüftungsanlage gehört eine Wärmepumpe.

Der Veranstaltungssaal bietet bestuhlt bis zu 100 Gästen Platz. Seine Bühne ist im Fußboden versenkbar.
Der Veranstaltungssaal bietet bestuhlt bis zu 100 Gästen Platz. Seine Bühne ist im Fußboden versenkbar. © Szkudlarek

>>> Vorplatz:

In einem zweiten Schritt soll der Museumsvorplatz neu gestaltet werden. „Das geschieht in den nächsten sechs bis zwölf Monaten“, kündigte Ulrich an. Die Pläne dazu waren Mitte 2021 vorgestellt worden. Sie sehen unter anderem eine Café-Terrasse und einen kleinen Spielplatz für Kinder vor. Der Bediensteten-Parkplatz verschwindet zugunsten eines größeren Platzes, der beige gepflastert und mit Naturstein eingefasst werden soll. Hier könnten etwa auch kleinere Weihnachtsmärkte veranstaltet werden, hieß es damals. Der öffentliche Parkplatz südlich des Stadtmuseums bleibt bestehen und erhält teils vergrößerte Stellflächen für Familienfahrzeuge.

>>> Haupthaus:

Das wird in einem dritten Bauabschnitt umfangreich saniert (Elektrik, Beleuchtung, Fassade etc.) und zur Barrierefreiheit mit einem Treppenturm samt Fahrstuhl ausgestattet. „Derzeit laufen die Entwurfsplanungen“, berichtete Schrader. Dezernent Ulrich hofft, dass sich bei der Sanierung weniger Hürden auftun als beim Anbau. Dessen Realisierung geriet gleich ins Stocken, als der dafür notwendige Abriss der alten Druckwerkstatt beginnen sollte. „Die beauftragte Firma war einmal vor Ort und hat sich dann nie wieder blicken lassen“, schilderte Ulrich, „und das bei einem Auftragsvolumen von 20 000 Euro“.

Links der Anbau, rechts das Altgebäude, das nach Umgestaltung des Vorplatzes noch saniert wird. Der frühere Eingang ist bereits zurückgebaut worden.
Links der Anbau, rechts das Altgebäude, das nach Umgestaltung des Vorplatzes noch saniert wird. Der frühere Eingang ist bereits zurückgebaut worden. © Szkudlarek

Schrader berichtete scherzhaft, er und sein Technik-Kollege Kai-Uwe Semrau hätten sich schon überlegt, einen Kabarett-Abend zu gestalten mit all dem, was sie auf der Baustelle an kuriosen Szenen erlebt hätten. Am grundsätzlichen Vorgehen – baubegleitende Planung und Verzicht auf einen Generalunternehmer – wollen die Verantwortlichen aber auch bei der Sanierung des Altbaus festhalten. Das schaffe größtmögliche Flexibilität und ließe am Ende ein besseres Ergebnis erwarten, hieß es.

>>> Teil-Öffnung:

Während das Stadtmuseum und die Galerie weiter geschlossen bleiben, soll der Veranstaltungssaal nach und nach bespielt werden. „Der beschränkte Betrieb ist bereits genehmigt“, erläuterte Schrader. Demnach soll etwa die nächste „MittwochsMix“-Veranstaltung am 27. April ab 19.30 Uhr in der neuen Örtlichkeit stattfinden, wenn das Damen-Doppel „Piplies & La Minga“ Spontankabarett auf die Bühne bringt. Der SuS Oberaden plane dort für den Herbst seine Delegiertenversammlung, die Galerie erste Ausstellungen, auch Fraktionen hätten schon für Termine angefragt, hieß es. Gruppen von außerhalb müssen für die Nutzung des Raums wohl zahlen. „Wir arbeiten derzeit an einer Entgeltordnung“, erläuterte Schrader.

>>> Kosten:

Die Neukonzeption des Stadtmuseums wurde Ende 2018 vom Rat beschlossen. Damit sollten Ausgaben in Höhe von 2,7 Millionen Euro verbunden sein. Allerdings: Mit Fortschreiten der Planungen und nach Hinweisen von Bauexperten wurde immer deutlicher, dass die vorgesehenen Maßnahmen nicht ausreichten. „Wenn, dann richtig“, war laut Ulrich hingegen die Devise. Er betonte, dass es in der Politik stets Rückendeckung für den finanziellen Mehrbedarf gegeben habe, zuletzt im Zuge der Haushaltsbeschlüsse. Stand heute werden alle drei Bauabschnitte zusammen rund 7,9 Millionen Euro kosten. Allein 1,7 Millionen Euro wurden für den jetzt fertiggestellten Anbau fällig, wobei laut Ulrich zuletzt 1,95 Millionen veranschlagt worden waren. Die Einsparung führt er unter anderem auf eine gute Bauüberwachung zurück und die Entscheidung, einen erfahrenen Museumsfachmann statt eines Innenarchitekten mit der Raumgestaltung beauftragt zu haben. In die Vorplatzgestaltung sollen 1,2 Millionen Euro fließen, in die Altbausanierung samt Interieur rund fünf Millionen, wobei mit Zuschüssen vom Landschaftsverband gerechnet wird.

>>> Konzeption:

Knapp drei Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung des Anbaus. Ulrich wies darauf hin, dass das Museum ohnehin wegen Corona hätte schließen müssen – und darauf, dass das Team intensiv auch an der inhaltlichen Neukonzeption arbeite. „Die Sammlung wird überarbeitet, Archive werden durchforstet“, verdeutlichte der Dezernent. Auch nehme die Provenienzforschung einen breiten Raum ein, also die Frage nach der Herkunft der eigenen Kulturgüter. Für die Politik äußerte sich Thomas Heinzel, Vorsitzender des Kulturausschusses, lobend über die neuen Räumlichkeiten. Das Stadtmuseum mit seinem nahe gelegenen Römerpark und die Galerie, so seine Hoffnung, würden „Anziehungspunkte für Bürger und Touristen“.

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