Digitale Impfnachweise

Die Nachfrage ist groß - Apotheken kämpfen noch mit technischen Problemen

Thomas Brongkoll in der Apotheke Rünthe mit digitalem Impfnachweis
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Thomas Brongkoll und seine Kollegen in der Apotheke an der Rünther Straße bieten den digitalen Impfnachweis seit Montag an. Zum Auftakt klappte aber nicht alles reibungslos.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in der vergangenen Woche den Startschuss für den elektronischen Impfnachweis gegeben. Als Erstes sind die örtlichen Apotheken am Montag an den Start gegangen und bieten den Service an. Allerdings hakt es noch an einigen Stellen.

Bergkamen – Vor allem die Server des RKI seien dem Ansturm nicht gewachsen, beklagen die Apotheken. Die Nachfrage in Bergkamen sei bereits groß, heißt es nach dem ersten Tag.

Mit dem elektronischen Impfnachweis können Geimpfte ihren Impfstatus auch auf ihrem Smartphone, entweder in der CovPass-App oder in der Corona-Warn-App nachweisen, ohne immer den gelben Impfausweis mitführen zu müssen. Je nachdem, ob die Impfung im Impfzentrum oder in der Praxis erfolgte, ist der Weg zum digitalen Impfpass jedoch unterschiedlich, bestätigt Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Impfzentren schicken den Code automatisch per Post

Für die Nutzung des digitalen Impfnachweises per App muss für jede Impfung ein QR-Code eingescannt werden. „In den Impfzentren werden die Codes künftig für alle neu durchgeführten Impfungen vor Ort ausgegeben“, so Pudlo. „Wer bereits einen Termin im Impfzentrum hatte, muss sich ebenfalls um nichts kümmern, die QR-Codes werden automatisch per Post zugeschickt.“ Das soll nach Aussage von NRW-Gesundheitsminister Josef Laumann bis Ende Juni geschehen.

Arztpraxen sind noch nicht soweit

Wer in einer Arztpraxis geimpft wurde, der kann den Code für den elektronischen Impfnachweis dort anfordern oder in den Apotheken, die diesen Service anbieten. Bei den Arztpraxen wird es voraussichtlich bis Mitte Juli dauern, bis alle den Code generieren können. „Die Hersteller müssen die Software für die Praxisverwaltung noch entsprechend umstellen“, erläutert die KVWL-Sprecherin. Deshalb sollten Patienten nicht sofort die Praxen stürmen, um den digitalen Impfpass zu erhalten. „Die Praxen sind mit den Impfungen ohnehin schon sehr belastet.“

In diesen Bergkamener Apotheken wird der Service angeboten

Alle Apotheken, die den digitalen Impfnachweis seit Montag anbieten, sind im Internet auf der Seite des Deutschen Apothekerverbandes www.mein-apothekenmanager.de gelistet.

In Bergkamen bieten aktuell folgende Apotheken den Service an:

Apotheke Rünther Straße, Rünther Straße 65, Telefon 02389/78 15 56

Platanen-Apotheke, Präsidentenstraße 45, Telefon 02307/98 43 00

Prisma-Apotheke, Geschwister-Scholl-Straße 4, Telefon 02307/9 67 40 01

Sonnen-Apotheke, Louise-Schröder-Straße 20, Telefon 02307/6318

Alte Apotheke, Kanalstraße 9, Telefon 02389/2808

Bleiben zunächst nur die Apotheken, die auch in Bergkamen bereits seit Montag am Start sind und den digitalisierten Impfnachweis anbieten. Allerdings hakt es noch im System.

„Wir haben von dem kurzfristigen Vorstoß von Jens Spahn aus der Presse erfahren“, sagt Thomas Brongkoll, Pharmazeut in der Apotheke an der Rünther Straße. Etwas mehr Professionalität in der Vorbereitung hätte er sich schon gewünscht. „Herr Spahn hat sicherlich gute Ideen, aber er muss realisieren, dass das alles im Moment nicht umsetzbar ist.“

Also hat er am Wochenende alle Zugänge vorbereitet, um dann am Montagmorgen wieder alles zu ändern, weil neue Passwörter gebraucht wurden. „Es zeigt sich, dass die Infrastruktur nicht ausreichend ist“, berichtet Brongkoll. „Die Server beim Robert-Koch-Institut (RKI) gehen immer wieder in die Knie. Ich bin froh, wenn ich manchmal ein Zertifikat pro Stunde bekomme. Es kommt einfach nicht nach. Wir sind mit der Technik längst nicht da, wo wir hin müssen.“

Über 50 Anfragen am ersten Tag

Die Nachfrage war riesig, bestätigt der Apotheker. „Am ersten Tag hatten wir über 50 Anfragen, andere Kollegen haben sogar 100 Zertifikate gemacht“, weiß er. Dafür braucht es auch kurzfristig Personal, das diese zusätzlichen Aufgaben stemmen kann. „Ich sitze den ganzen Vormittag am Rechner, während ich mich eigentlich um Arzneimittel kümmern müsste. Andere Apotheken haben Mitarbeiter aus ihren Testzentren abgezogen, um die Zertifikate zu erstellen. Wenn das System läuft, dann dauert die Ausstellung eines Zertifikats wenige Minuten, aber das ist eben nicht immer der Fall.“

Er appelliert an die Kunden, wenn es nicht unbedingt sofort sein muss, noch ein paar Tage zu warten mit dem elektronischen Impfnachweis, oder telefonisch kurz einen Termin mit der Apotheke zu machen, das vermeide lange Wartezeiten. Er hofft, dass schnell an der Infrastruktur gearbeitet wird, sodass die Rechnerkapazitäten entsprechend der Nachfrage erhöht werden.

Daten müssen sorgfältig überprüft werden

Johannes Hermes, Inhaber der Alten Apotheke an der Kanalstraße, hat ebenfalls bereits am Montag etliche Codes eingescannt. „Das wird wahnsinnig gut angenommen. Allerdings braucht die Eingabe etwas Zeit, weil die Daten sorgfältig überprüft werden müssen.“ Schließlich handelt es sich um ein Dokument, da müssen Fehler und Betrugsversuche ausgeschlossen werden.

Um den QR-Code ausstellen lassen zu können, müssen Kunden ihren gelben Impfpass oder eine Impfbescheinigung und ihren Personalausweis vorlegen, damit Name, Vorname, Geburtsdatum, Impfstoff, Chargennummer und Datum der Erst- und Zweitimpfung abgeglichen werden können.

Die Kunden sollten also etwas Zeit mitbringen oder ihre QR-Codes etwas später abholen, empfiehlt Hermes. Denn „manchmal schmiert der Server ab, wenn zu viele Anfragen gleichzeitig gestellt werden. Dann dauert es eben länger.“

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