„Die verdammte Erbschaft“ macht müde Männer munter

„Spätzle, dein Domino kommt“ – so lässt die Volksbühne den Biedermann zum „Tiger“ erwachen. ▪

OBERADEN ▪ Wenn aus alten Ehemännern stürmische Liebhaber, aus gesitteten Ehefrauen heißblütige Vamps werden, steht oft ein außereheliches Verhältnis dahinter. Nicht so beim neuen Dreiakter der Volksbühne 20. In „Die verdammte Erbschaft“ geht es bei den Aktivitäten ums liebe Geld: Das beträchtliches Erbe von Amanda, der Schwester der Ehefrauen. Nach ihrem Testament erbt das Paar, das als erstes eine Tochter bekommt, fünf Millionen Euro.

Wie bei der lustigen Theatertruppe nicht anders zu erwarten, geben die Darsteller der Geschichte aus der Feder von Autor Erich Koch den richtigen Kick. Schon bei der Testamentsverlesung durch den Pfarrer (herrlich: Dieter Kress) geht es deftig und handfest zu.

Den Männern schwant wegen der Erbauflagen nichts Gutes. In den müden Ehen sind sexuelle Aktivitäten seltener als eigene Geburtstage. Aber die Aussicht auf fünf Millionen Euro für die Eltern der ersten Tochter macht aus alten Sofahockern und Küchenfeen die reinsten Bettakrobaten, die unfreiwillig frischen Wind in ihre Schlafzimmer bringen.

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Volksbühne 20 feiert Premiere in Oberaden

Selbst Bruno (Frank Jahnke), der einfältige Bruder von Mina (Claudia Achsnich), könnte erben, wäre er denn verheiratet. Aber er und seine frühere Geliebte Rosa (Silke Uhlenbrock), die vor Jahren bei einem Rendezvous zusammen von der Scheune fielen, werden wieder „normal“.

Das Ensemble bietet Turbulenzen ohne Ende, freche Sprüche und zotige Witze bringen das Publikum ein ums andere Mal zum Lachen. „Heiraten heißt leiden lernen“ stöhnen die geplagten Ehemänner. Kein Wunder, dass Frauen länger leben als ihre Männer: „Die haben ja auch keine Angst mehr vor der Hölle“, weiß Franz Schlacht (Rainer Achsnich).

Letztendlich zieht es aber doch selbst die müdesten Ehepaare zu amourösen Erlebnissen in die Betten – , alles im Sinne der Erbschaft. „Die Kerze brennt wieder“, schreit Franz lauthals, als er in zerrissener Unterwäsche aus dem Schlafzimmer stürmt. Ein schneller Schnaps und schon geht es wieder an die „Arbeit am Erbe“.

Genial auch Alfons Schlau (Paul Schulz). Er kommt in einer Erben-Poduktions-Pause völlig verzückt als männliche Domina mit Peitsche und langer Unterhose aus dem Schlafzimmer. Ein kurzer Schluck Hochprozentiges und mit dem Kampfschrei: „Spätzle, dein Domino kommt“, geht es wieder zurück ins Schlafgemach.

Leider verwechseln Alfons und Franz nach durchzechter Nacht die Schlafzimmertüren und das Chaos ist perfekt. Genau so perfekt wie die Darsteller der Volksbühne 20, die wieder einmal ihr Publikum restlos begeisterten. ▪ jk

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