Mitglieder vermissen vor allem die Gemeinschaft

Kirchliche Gruppen leiden unter der Corona-Pandemie

Weinprobe bei der KAB in Bergkamen
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Solche geselligen Zusammenkünfte wie die Weinprobe bei der KAB in Bergkamen im Herbst 2019 wird es in diesem Jahr nicht geben.

Bergkamen – Rund um den Kirchturm haben viele Menschen sprichwörtlich ihre Heimat. Tatsächlich sind die Gemeinden mit ihren Gruppen und Verbänden sozial wichtige Einrichtungen, doch auch sie leiden unter den coronabedingten Einschränkungen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, denen nun die sozialen Kontakte fehlen.

„Das eigentliche kirchliche Leben findet zwar statt, aber eben nur in ganz kleinem Rahmen“, sagt Klaus Dieter Hoffmann, Vorsitzender der KAB Sankt Elisabeth. Es sei schön, weiter Gottesdienste feiern zu können, aber die Arbeit in seiner KAB-Gruppe ruhe komplett. Das Jahresprogramm für 2020 sei komplett ausgefallen, und derzeit fragten sich alle, ob wenigstens der Volkstrauertag öffentlich begangen werden könne. „Wir haben natürlich schon ein Programm für 2021 aufgestellt“, erklärt Hoffmann. Doch könne man nur hoffen, dass sich das, je nach Dauer der Pandemie, auch realisieren lasse. Ob heimatgeschichtlicher Vortrag, die Vorstellung des Kamener Hospizes, die Einkehrtage im Paderborner Haus Immaculata, religiöse Vorträge oder Radtouren, Stadtbesuche, sowie das traditionelle Matjesessen: Das gesamte Programm steht. „Wenn Corona im kommenden Jahr noch aktiv ist, dann wollen wir zumindest die Radtouren und Spaziergänge realisieren“, sagt Hoffmann. Derzeit könne man nur hoffen.

Einen kleinen Neustart hat dagegen die Caritas hinbekommen: Ihr Kleiderladen „Cariert“, in der Präsidentenstraße 61, hat seit Juni wieder montags- und mittwochsvormittags von 10 bis 12.30 Uhr geöffnet. „Wir hatten natürlich auch Druck durch die Miete und andere Kosten“, gibt die Vorsitzende der Caritas Sankt Elisabeth und Sankt Michael, Elisabeth Wesselmann, zu bedenken. So habe sie mit den Mitarbeiterinnen Anfang Juni, als die ersten Lockerungen kamen, eine Ortsbegehung gemacht. „Da haben wir uns besprochen, wie eine Wiedereröffnung realisiert werden könne“, so Wesselmann. Mit vielen Vorsichtsmaßnahmen, etwa dem Spuckschutz im Kassenbereich, Desinfektionsmittel oder der Obergrenze von maximal drei Kunden, die sich gleichzeitig im Geschäft aufhalten dürfen, sei es schließlich gegangen.

Gruppenraum ist zu klein

Um auch eine Anlieferung durch die Spender ohne viele Leute im Laden zu ermöglichen, gebe es dafür ein extra Zeitfenster vor der Öffnung, von 9 bis 10 Uhr. „Das kommt super an“, erklärt Wesselmann. Gerade habe man auf Winterbekleidung umgestellt, die jetzt sehr gefragt sei. Außerdem hätten viele Spender durch den Lockdown Zeit gefunden, ihre Kleidung auszusortieren, und seien froh über die sinnvolle Verwendung.

Totale Ruhe herrscht dagegen bei der Gruppe 50plus der evangelischen Friedenskirchengemeinde, die sich normalerweise im Martin-Luther-Haus in Weddinghofen trifft. „Seit Weihnachten im vergangenen Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen“, sagt Organisatorin Christiane Fuhrmann. Der Gruppenraum sei nicht groß genug, um allen Platz zu bieten. „Da kann man ja nicht sagen: Du darfst kommen, und du bist erst beim nächsten Mal dran“, so Fuhrmann. Die Gruppe sei vor rund 15 Jahren gegründet worden, und so sei man gemeinsam älter geworden. Darum seien viele Mitglieder auch in der Corona-Risikogruppe, und die Verantwortung könne niemand tragen. „Wenn wir mal telefonieren oder uns zufällig treffen, dann sagen viele, wie sehr ihnen die Begegnungen fehlen“, so Christiane Fuhrmann. Nur könne man derzeit angesichts der Infektionsgefahr keinen anderen Weg gehen.

Die Vielzahl an Einschränkungen bestätigt auch Pfarrerin Ursula Goldmann: „Wir sind jetzt schon wieder mitten in dem Prozess abzuklären, was wie gelingen kann“, so die Pfarrerin. Das betreffe die vielen Gruppen und Kreise ebenso wie die Gottesdienste und den Konfirmandenunterricht. „Ob Frauenhilfe, Frauengesprächskreis oder Seniorenkreis: Wir müssen alles runterfahren“, sagt Goldmann. Das tue besonders weh, da gerade die sozialen Kontakte jetzt in der Krise von besonderem Wert seien. Nun müsse auch noch während der Gottesdienste die ganze Zeit der Mundschutz getragen werden, und die in Planung befindlichen Weihnachtsgottesdienste stellten eine besondere Herausforderung dar.

Telefonisch den Kontakt aufrecht erhalten

Rainer und Angelika Schlüter, die der KAB und der Kfd Sankt Clemens in Rünthe vorstehen, sprechen davon, dass man derzeit ganz bescheiden wird. „Im Februar haben die letzten Treffen stattgefunden“, sagt Rainer Schlüter. So besuchen die Beiden nun einzelne Mitglieder oder telefonieren, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. „Zuletzt haben wir die Jahrespläne für 2021 aufgestellt, aber wer weiß, was man davon überhaupt realisieren kann“, sagt der Ehrenamtler.

Der gemeinsame Weihnachtsmarktbesuch sei traditionell der beliebte Jahresabschluss, aber niemand glaube daran, dass der stattfinden könne. „Selbst wenn die Weihnachtsmärkte geöffnet hätten: Wie will man sich da denn vernünftig und sicher in der Gruppe bewegen?“, fragt Schlüter. Sie selbst hatten vor wenigen Tagen ihre Goldene Hochzeit. „Das war natürlich nicht schön, nur im allerengsten Familienkreis feiern zu können“, so Schlüter, und seine Frau bestätigt, das könne man so auch kaum nachholen. Sie hofften nur, dass dieser Albtraum bald vorbei sei.

Die Mischung aus ehrenamtlicher und familiärer Betroffenheit erlebt auch Margret Evers täglich. Die Vorsitzende der Kfd Sankt Elisabeth hält mit den anderen Mitgliedern per Telefon und Whatsapp Kontakt, das Planen hätte der Vorstand aber weitestgehend aufgegeben. „Wie will man planen, wenn sich ständig alles ändert“, fragt sie. Zudem seien die meisten Mitglieder durch ihr Alter oder Erkrankungen in den Corona-Risikogruppen. Während sie auch täglich ihrem Beruf nachgeht, sei ihr Mann schon lange Zuhause. Er sei Messebauer, und das er noch auf unbestimmte Zeit Zuhause bleiben müssen, sei schon sehr anstrengend. Doch sie machten das Beste draus und erwarteten stets gespannt, was sich an neuen Entwicklungen in Sachen Corona zeigten.

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