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Feuerwehr Rünthe setzt neues Sonarboot auf dem Kanal ein

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Von: Jan-Niklas Dalley

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Bergkamener Feuerwehr übt den Umgang mit der Sonar-Technik
Thomas Schlageter (links) leitete die Feuerwehrleute an und zeigte ihnen einige Tricks mit dem neuen System. Ives Oesterreich (rechts) fand sich schnell auf der Bildschirmoberfläche zurecht. © Dalley

Langsam gleitet das Feuerwehrboot über das Kanalwasser, während der Blick der Einsatzkräfte konzentriert auf einem Bildschirm verharrt. „Guckt mal, da sind wieder zwei Fische“, sagt Feuerwehrmann Ives Oesterreich und zeigt auf zwei gelbe Umrisse. „Man sieht sogar die Ankerspuren auf dem Grund oder erkennt die Motorisierung der Boote im Hafen“, fügt ein anderer hinzu. Auch wenn die Einheit Rünthe Fische, Autoreifen und andere Dinge auf dem Grund der Marina findet, würde sie im Ernstfall nach etwas anderem Ausschau halten. „Das neu konzipierte Sonarboot soll uns in Zukunft bei der Personensuche im Kanal unterstützen“, erklärt Einheitsführer Jens Markert.

Bergkamen - Um in diesem Einsatzbereich gut ausgestattet zu sein, können die Bergkamener nun auf zwei Sonarsysteme zurückgreifen. „Das Boot wurde schon vorher angeschafft und dann mit der Technik ausgerüstet. Ein weiteres mobiles Sonar-System kann an einem anderen Boot bei Bedarf angebracht werden“, so Markert.

Weil bei der Personenrettung „jede Minute zählt“, machten sich die Feuerwehrleute jetzt intensiv im Rahmen einer Schulung mit der neuen Technik vertraut. In einem theoretischen Teil klärten sie auf dem Trockenen zunächst die Funktionsweise des Geräts und betrieben Bildinterpretation, denn: „Man schließt nicht einfach das Gerät an und guckt dann auf den Bildschirm. Da gehört mehr dazu.“ Auch wenn das System hochauflösende Bilder produziert und Gegenstände ab acht Zentimetern im trüben Kanalwasser sichtbar macht, müssen die Feuerwehrleute einiges beachten.

Zum Beispiel durfte Bootsführer Heinz Lowak bei dem Test nie schneller als 2,5 km/h fahren, da sonst das Gerät nicht genau genug gearbeitet hätte. Außerdem musste die Fahrtrichtung möglichst gerade sein, damit das Bild nicht verzerrt wird. „Orientiere Dich am besten an der Kaimauer oder an den Betonelementen und konzentriere Dich nur auf das Fahren, nicht auf den Bildschirm“, rät Thomas Schlageter dem Bootsführer. Der Inhaber der Firma SAR-Unterwasser-Systeme unterstützte die Bergkamener bei der Sonarschulung.

Die Kunst, Bilder zu interpretieren

Wenn er das System einfach erklären müsste, würde er es mit einer Taschenlampe vergleichen: „Alles, was ich anleuchte, sehe ich.“ Doch weil die Objekte dann einen „Schatten“ werfen, muss der Bereich zusätzlich in einem anderen Winkel angeleuchtet werden. So wird mit der Zeit für die Feuerwehrleute deutlicher, um was für ein Objekt es sich handelt. „Die Kunst ist es, die Bilder zu interpretieren. Man muss lernen, das zu lesen. Das ist eine große Herausforderung“, weiß der Unternehmer.

Doch die Feuerwehr Bergkamen muss sich bei einem Ernstfall nicht nur auf ihre neu angeschaffte Technik verlassen. Auch Taucher sollen die Retter bei der Personensuche weiterhin unterstützen. Mit dem Sonar kann die Feuerwehr ihren Spezialisten einiges an Arbeit abnehmen. „Ein Taucher kann im Kanalwasser nicht weit sehen. Durch das Sonar können wir wichtige Vorarbeit leisten und ihnen Stellen markieren, an denen sich eine Person befinden könnte“, erklärt Jens Markert.

Das Sonarboot ist extra für Taucher ausgestattet. Ein Schutzring umgibt die Motorschraube des Bootes, damit sich keiner daran verletzen kann. Eine Leiter am Bug vereinfacht den Ein- und Ausstieg.

Wie die Arbeit mit dem Boot im Ernstfall funktionieren kann, war das Ziel der Testfahrt. Zum Abschluss versenkte die Einheit im Hafenbecken daher einen Dummy, den die Feuerwehrleute auf ihrem Bildschirm erkennen sollten.

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