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Stadt Bergkamen soll klären, wo Windkraft- und Solar-Anlagen funktionieren

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Von: Bernd Kröger

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Adener Höhe, Alte Zechenhalde Hochplateau, Waldgebiet Großes Holz, Weddinghofen, Bergkamen,  Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Ein Blick von oben auf Vergangenheit und Zukunft der Energieversorgung in Bergkamen. Die Tage der Kohleverstromung sind absehbar gezählt, Wasserstofftechnologie ist von der Steag als Ersatz angekündigt. © Hans Blossey

Da waren sich ausnahmsweise mal alle einig in der jüngsten Ratssitzung mit reichlich Kontroversen: Die Stadt Bergkamen soll den Regionalverband Ruhr (RVR) beim Wort nehmen bei der Erzeugung von Öko-Energie auf den Bergbauhalden.

Dass die Erhebungen Potenzial für Strom aus Wind- und Solaranlagen haben, hat der RVR mit einer Studie zu allen 58 dieser Bauwerke in seiner Verwaltung im August nachgewiesen. 100 000 Quadratmeter Photovoltaikanlage und zwei Windräder wären nach überschlägiger Prüfung in Bergkamen machbar. Durch wen auch immer, weil der RVR mag’s nicht tun.

Aber was geht, wo und wie genau? Das wollen die Fraktionen nun wissen. Zumal der Verband zugleich ausgeführt hat, es müssten planerische „Raumwiderstände“ beachtet werden, was etliche Jahre dauern werde.

Doch die Politik mag – mit den Erwartungen konkreter Schritte gegen die Klima- und Energiekrise im Nacken und der Initiative der Bürger-Energiegenossenschaft vor der Brust – nichts mehr auf die lange Bank schieben, wie ehedem den Ruf des „Aktionskreises Wohnen und Leben“ nach einem Windrad auf der Halde „Großes Holz“.

Landmarke für Freizeit und Erholung

Die ist bekanntlich mit Millionenaufwand zur Landmarke für Freizeit und Erholung aufgewertet, aus den Hügeln nebenan sollen bis 2027 in einem weiteren Kraftakt die Berglandschaften der Internationalen Gartenausstellung (IGA) werden. Aber steht das Anlagen für Wind- und Sonnenenergie entgegen? Brächten diese andere Konflikte mit Umwelt- und Naturschutz mit sich?

Solche Fragen soll die Verwaltung nun mit dem RVR beantworten, das Potenzial der Halden für einen Beitrag zum Klimaschutz nicht ungenutzt bleiben. Darauf hatten sich SPD, CDU, Grüne, FDP und Die Linke im Vorfeld geeinigt und den gemeinsamen Antrag formuliert, dem sich BergAuf in der Sitzung eilig anschloss. Ihrer Fraktion sei die E-Mail-Anfrage dazu durchgegangen, entschuldigte sich Claudia Schewior.

Thomas Grziwotz war es als Sprecher der Grünen und Motor in der Sache gegönnt, im Namen der Kollegen den Antrag vorzustellen. Er appellierte an dieser Stelle, auch die vom Aktionskreis angeschobene Energiegenossenschaft einzubeziehen und die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) als Projektpartner ins Boot zu holen statt auswärtigen Investoren das Feld zu überlassen, denn der Versorger hatte mangels verfügbarer Standorte bisher keine Chance, in Wind- oder Solaranlagen vor der eigenen Tür zu investieren, wie Geschäftsführer Jochen Baudrexl kürzlich bei einer Veranstaltung des Aktionskreises beklagte – und das unterstellte Desinteresse an Öko-Stromprojekten zurückwies. Nur mangels Standorten seien zuletzt Millioneninvestitionen nach Süddeutschland geflossen, mit denen die GSW lieber hier in der Region wirtschaftliche Wirkungen erzielt hätten.

Genossenschaft soll im Frühjahr gegründet werden

Auch das war ein Impuls, der die Grünen dazu brachte, die losen Enden Genossenschaft, Halde, Stadtwerke zusammenzuführen, damit alle an einem Strang ziehen. Der Vorsitzende des Aktionskreises, Karlheinz Röcher, möchte die Genossenschaft gern im Frühjahr 2023 gründen. Er hat inzwischen bei der GSW wegen einer Kooperation vorgefühlt und schickt sich an, in den GSW-Kommunen Bönen und Kamen Boden gut zu machen für die Erzeugung von grüner Energie.

Auf der Zuschauertribüne klatschte Röcher Beifall nach dem Beschluss. „Was lange währt, wird endlich gut“, gab ihm Ehrenratsmitglied und Zuhörerin Regina Müller-Hinz (Grüne) noch mit auf den Weg. Gucken wir mal...

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