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Der Himmel über Bergkamen: Drei Drohnen-Piloten wollen hoch hinaus

Die Marina Rünthe aus der Luft: Die „Sky Danser“ wollen ihre Heimatstadt in ein besseres Licht rücken.
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Die Marina Rünthe aus der Luft: Die „Sky Danser“ wollen ihre Heimatstadt in ein besseres Licht rücken.

Drei junge Männer aus Bergkamen verwirklichen einen Traum. Sie filmen und fotografieren, was ihnen und anderen gefällt, von oben – und zeigen die Welt so aus anderer Perspektive. Die Geschichte der „Sky Danser“:

Bergkamen –  „Absolute Giganten“ ist der Titel eines Films aus dem vergangenen Jahrtausend. Da waren Selim Cakir, Rudi Hahn (beide 33 Jahre) und Danilo Alves-Guerra (35 Jahre), die drei Macher des Foto- und Filmprojekts „Sky Danser“, noch in der Pubertät. „Der Film kommt heute vielleicht etwas altbacken rüber, aber es geht dort um drei Freunde“, erklärt Cakir, „und das sind wir auch seit Schulzeiten“.

Naheliegend also für die Drei, einen Promotionfilm für ihr junges Unternehmen mit der Draufsicht auf ihre Heimat Bergkamen nach dem Deutschen Roadmovie aus dem Jahr 1998 zu nennen. An der Linse hängen Cakir, Alves-Guerra und Hahn schon seit ewigen Zeiten. Letzterer produziert auch Tanz- und Werbevideos für sein „Danzers Home“ an der Landwehrstraße, fotografiert seit zehn Jahren, all das bisher mit beiden Füßen auf festem Boden.

Die Freunde Rudi Hahn, Selin Cakir und Danilo Alves-Guerra (von links) kennen sich seit der Schulzeit. Jetzt wollen sie auch beruflich gemeinsam durchstarten.

In die Luft gingen die Freunde vor einem halben Jahr. Vorher hatten sie teils auch schon „billige Fluggeräte“, ab da aber eine DJI Magic Mini II, die schon eine Menge könne. Und sie sei leicht, dürfe im Gegensatz zu schweren Großdrohnen fast überall eingesetzt werden. Wo und wie, erfuhr Cakir teils vom Vater Alves-Guerras aus Brasilien, ein erfahrener Pilot der Drohne. „Außerdem fliegen wir ständig, lernen, werden immer besser. Wir sind also einfach in die Schuhe gestiegen und losgelaufen“, beschreibt Hahn.

Fast. Zwei Pilotenscheine haben sie auch: „A1 und A3 für Drohnen bis zu zwei Kilogramm“, erklärt Alves-Guerra. „Das ist wichtig. Wir sind verantwortungsbewusst, haben vor, in der Nähe von Menschen zu filmen. Dabei wollen wir natürlich niemanden verletzen. Außerdem holen wir uns immer Genehmigungen ein, zum Beispiel für Haus Aden.“

Naja, so ganz ohne Unfall ging es bisher aber nicht ab. „Ich wollte cool sein“, blickt Hahn auf einen schmerzhaften Unfall zurück, „ich hatte in einem Youtube-Video gesehen, wie ein Pilot die Drohne in der Luft fängt und sie umdreht. Dann schaltet die Automatik ab. Hat nicht funktioniert, die Propeller haben mir in die Hand geschlagen.“

Faszinierende Aufnahmen auch in Räumen

Auch Cakir schrottete seine Drohne schon. „Nachts habe ich einen Strommasten übersehen“, erzählt er. Man wolle ja spektakuläre Aufnahmen, da ginge man Risiken ein.

Begeistert sind die drei Piloten von den Perspektiven, die das Fluggerät bietet. Anders als der Helikopter sei die Drohne bei Luftaufnahmen näher dran. Das Gerät könne außerdem auch in Räumen faszinierende Aufnahmen machen. „Eine Möglichkeit wäre es, trotz Corona Immobilien vorzustellen“, erklärt Cakir.

Ein möglicher Kundenkreis der jungen Unternehmer: Makler. Zudem könne man Museumsbesuche visualisieren. „Es gibt ja zum Beispiel im Ruhrgebiet viel Bauhaus-Architektur, die man vorstellen kann. Wir sind Mitglied in der Gruppe Bauhaus-Movement“, erklärt Cakir. „Geld damit zu verdienen, ist aber nicht unser Primärziel. Wir machen ,Sky Danse’ aus Leidenschaft – und wollen uns diese bewahren“, sagt Alves-Guerra. Das sei auch der Unterschied zu Werbeagenturen und Fotostudios.

Die Drei würden Herzblut in ihre Produkte stecken – von der Aufnahme über den Schnitt bis zur Nachbearbeitung und Vertonung der Videos. „Wir bieten zum Beispiel Brautpaaren oder Geburtstagskindern oder auch Firmen ein individuelles, abgestimmtes Gesamtpaket mit unserer Handschrift an“, erklärt Hahn. Alle drei könnten bei Veranstaltungen zeitgleich eine Drohne in die Luft bringen, Hahn mit seinem Equipment zusätzlich Fotos am Boden schießen. „Wir präsentieren die Veranstaltungen aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, aber natürlich steht zum Beispiel ein Brautpaar immer im Mittelpunkt.“

„Wir wollen auch Bergkamen in ein besseres Licht rücken“

Die drei Bergkamener sehen in ihrem Projekt durchaus die Möglichkeit für Städte, den Tourismus anzukurbeln. „Wir wollen auch Bergkamen in ein besseres Licht rücken, attraktiver darstellen“, sagen die „Sky Danser“. An eine Zusammenarbeit mit der Stadt sei gedacht. „Wir wollen ein Projekt aufbauen zum Lichtkunstfest, sodass man die Lichtkunst im Netz bewundern kann.“

Während „Haus Aden“ mit Hauptdarsteller Förderturm ein klassischer Dokumentationsfilm per Drohne mit historischem Touch ist, spielen die drei Filmemacher in „New Beginnings 2021“ mit Farbgebung, Perspektiven und Schnitten. Sie geben einen Eindruck davon, was möglich ist. „Aber wir entwickeln uns ja ständig weiter“, betont Hahn, dass noch mehr kommen wird. Zunächst einmal wird künftig eine Internetseite das Projekt vorstellen. Bisher präsentieren sich die Drei nur über Social-Media-Kanäle.

„Ich glaube, ich hab noch nie etwas so Großes gemacht, so gigantisch“, erinnert sich Frank Giering alias Floyd im Originalfilm an einen Silvesterabend als Kind, als er eine Wunderkerze so stark schüttelte, dass er mit dem Raketenfeuerwerk über Hamburg scheinbar mithielt. Musik und Zitate begleiten den Flug über Bergkamen. Anders als die Freunde im Filmklassiker werden die drei Filmemacher aber wohl nicht auseinandergehen: Sie wollen ihr Projekt groß werden lassen, gemeinsam am Himmel tanzen.

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