Erinnerung an die Opfer der NS-Verfolgung

Bergkamens erste Stolpersteine werden Mitte Dezember feierlich verlegt

Stolpersteine im Pflaster einer Fußgängerzone. Mit der Inschrift in der Messingkappe erinnern sie am ehemaligen Wohnsitz von NS-Opfern an deren Schicksal - bald auch in Bergkamen.
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Stolpersteine im Pflaster einer Fußgängerzone. Mit der Inschrift in der Messingkappe erinnern sie am ehemaligen Wohnsitz von NS-Opfern an deren Schicksal - bald auch in Bergkamen.

Der erste Beitrag zur neu aufgerufenen Erinnerungskultur in Bergkamen ist terminiert: Mitte Dezember werden sieben Stolpersteine verlegt.

Bergkamen – Am Mittwoch, 15. Dezember, wird Bergkamen Teil der größten dezentralen Gedenkstätte weltweit und ihr Schöpfer die Aufnahme persönlich mit Kelle und Hammer vollziehen: Für die Verlegung der ersten vier Stolpersteine zur Erinnerung an das Schicksal früherer Mitbürger in der Verfolgung durch das NS-Regime hat sich der Künstler Gunter Demnig angekündigt.

Künstler Gunter Demnig kommt

In seiner Werkstatt werden die von Paten finanzierten Steine mit Inschrift auf der Messingkappe gefertigt, die an diesem Tag sieben Menschen an vier Orten 76 Jahre nach Kriegsende ein Gedenken bewahren. Gut 75 000 solcher Steine hat Demnig für fast 1300 deutsche Städte und NS-Opfer in 24 anderen Ländern seit 1996 geschaffen. Erstverlegungen, wie nun in Bergkamen, nimmt er trotz vollem Terminkalender in der Regel selbst vor.

Sechs der Sieben haben überlebt

Die hiesigen Steine erinnern an: August Kühler, der die Internierung als Kommunist überlebte, später SPD-Politiker und Rünthes letzter Bürgermeister vor der Eingemeindung war. Ernst Bronheim, Genosse, der in KZ-Haft ermordet wurde. Die jüdische Kaufmannsfamilie Hertz, Hermann und Amalie mit den Töchtern Grete und Lieselotte, denen die Auswanderung gelang. Und an den jüdischen Frisör Max Herrmann aus Overberge, der überlebte, weil er in der Zwangsarbeit untertauchen konnte und von Verwandten in Stockum versteckt wurde. Er emigrierte später mit seiner Frau Alma, geb. Wendel, und den Söhnen Klaus und Kurt in die USA.

Aktionskreis gab den Anstoß

Die Beteiligung am Projekt Stolpersteine hat der Aktionskreis Wohnen und Leben angestoßen. Die Recherchen von Manuel Izdebski, früherer Rünther und Kenner der Ortsteilhistorie, hatten die Grundlage dafür geschaffen. Die Verlegung erfolgt konzeptgemäß am letzten frei gewählten Wohnort der Verfolgten. Sie beginnt um 9 Uhr an der Beverstraße 89 (Kühler), es folgen: 9.35 Uhr Glückaufstraße 6 (Bronheim), 10.05 Uhr Werner Straße 178 (Herrmann), 10.35 Uhr Präsidentenstraße 53 (Hertz).

Rahmenprogramm in Arbeit

Ein Arbeitskreis kümmert sich mit Museumsleiter Mark Schrader und dem Gymnasium am Tisch um Schulprojekte zur Aufarbeitung dieses lange nicht aufgeschlagenen Kapitels Stadtgeschichte. In der kommenden Sitzung soll laut Mitteilung der Verwaltung zur Sitzung des Kulturausschusses am Mittwoch, 22. September, über das Rahmenprogramm entschieden werden.

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