1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Kreis Unna sucht kurzerhand „Covid Heroes“, um Omikron-Welle standzuhalten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bernd Kröger

Kommentare

Lust, Corona zu besiegen? So wirbt der Kreis Unna um Mitarbeiter für die Kontaktverfolgung.
Lust, Corona zu besiegen? So wirbt der Kreis Unna um Mitarbeiter für die Kontaktverfolgung. © Kreis Unna

Omikron drückt, die Fallzahlen gehen steil nach oben. Der Kreis rüstet die Kontaktverfolgung auf, indem er massenhaft befristete Jobs anbietet.

Kreis Unna – Sie geraten nicht so schnell in Stress, können höflich Ihr Wort machen, sind umgänglich mit Kollegen und haben ein Händchen für diskussionsfreudige, verunsicherte oder sperrige Zeitgenossen? Dann hat der Kreis Unna fürs Erste einen Job für Sie ...

So lautet zwar nicht die offizielle Stellenausschreibung, aber die Botschaft dahinter. Für die explodierende Zahl an Kontaktnachverfolgungen in der Omikron-Welle sucht das Kreis-Gesundheitsamt Verstärkung und pfeift bei der Einstellung auf die allermeisten Formalitäten. Verstärkung muss her. Am besten echte „Covid Heroes“, wie der für die Akquise via Facebook und Instagram getrimmte Slogan lautet.

Sisyphus lässt grüßen

„Die Schreibtische sind am Ende des Tages genauso voll wie am Anfang, obwohl die Kollegen den ganzen Tag gearbeitet haben“, beschreibt Pressesprecher Volker Meier die scheinbar nie enden wollende Aufgabe: Corona-Infizierte und ihre Kontaktpersonen über Testbefunde und daraus resultierende Quarantäneauflagen informieren, überhaupt all die amtlichen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus zu erläutern; unentwegt und unerschüttert, auch bei Gegenrede.

114 Kräfte in der Nachverfolgung

Dafür sind beim Kreis-Gesundheitsamt aktuell 114 Mitarbeiter eingesetzt oder abkommandiert. Zehn hat die Bundeswehr ausgeliehen, theoretisch nur noch für zwei Wochen. „In dem Wissen um die wohlwollende Prüfung durch die Kommandantur haben wir schon eine Verlängerung beantragt“, berichtet Meier. 39 Kräfte wurden extern eingekauft, 49 von anderen Aufgaben im Fachbereich Gesundheit abgezogen, 14 von anderen Abteilungen der Kreisverwaltung umgesetzt. Das Robert-Koch-Institut hat zudem zwei Fachleute geschickt.

Es droht Stillstand im Kreishaus

„Das reicht bei den wachsenden Fallzahlen nicht. Und es ist alles so auch nicht durchzuhalten“, erläutert Meier. 420 neue Fälle bekam das Team von Dienstag auf Mittwoch auf den Tisch. Die Inzidenz stieg auf 354 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner „Der Betrieb läuft sieben Tage die Woche, die Leute brauchen mal Pause und wir können die übrige Kreisverwaltung nicht lahmlegen, sodass alles liegen bleibt.“ Mit der Omikron-Welle komme noch einiges auf das Kreishaus zu. Kontakt zu Zeitarbeitsfirmen habe man deswegen schon aufgenommen.

Formloses Verfahren startet

Ganz pragmatisch will der Kreis jetzt aber auch die eigene Akquise ankurbeln. Meier: „So 20, 30, 40 Leute würden wir schon einstellen. Befristet natürlich, aber die Semesterferien durch, beispielsweise, würden wir sofort einkaufen“, lautet sein Wink etwa an die Studierenden. Das Verfahren soll keine große Mühe bereiten: „Wir veröffentlichen ab Donnerstag auf der Homepage eine Telefonnummer. Da können sich Interessenten melden. Wir brauchen noch ein formloses Anschreiben und einen Lebenslauf. Dann wird im persönlichen Gespräch entschieden, wer den Job erhält. Vollzeit oder Teilzeit, das ist egal. Nur verlässlich muss es sein.“

Hauptsache nervenstark und eloquent

Welche Qualifikation verlangt die Aufgabe? „Stressfähig müssen die Bewerber schon sein, kommunikativ und mit Teamgeist. Es ist nicht immer ganz so einfach, den Leuten am Telefon die Quarantänezeiten und anderes zu vermitteln. Die Menschen sind müde, sie haben viele Fragen, es wird schwieriger“, so der Sprecher.

Zumal nicht nur hier etliche Kräfte gebunden werden. Bei den Impfen in Regie des Kreises sind neben den Ärzten allein 25 Mitarbeiter bei der Datenerfassung eingesetzt, plus fünf von der Truppe. An den Teststellen stehen 20 Beschäftigte in Diensten des Kreises, drei wurden extern hinzugeholt.

Entgegen dem Geunke über rückständige Technik in den Behörden seien die meisten Abläufe digitalisiert, betonte Meier. Selbst das als Sinnbild belächelte Fax liefe schließlich als Datei ein. „Aber am Ende des Tages muss man halt zum Hörer greifen mit den Leuten reden.“ Und das kann einem nun mal kein Gerät abnehmen.

Auch interessant

Kommentare