Entspannt oder verunsichert?

Leben in der Quarantäne: Das bedeutet Corona für Bergkamener Familien

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Coronavirus in Bergkamen: Die Kita Arche Noah in Rünthe, die Freiherr-von-Ketteler-Schule und die Bodelschwingh-Schule sind betroffen.

Mittlerweile sind fünf Personen in Bergkamen am Coronavirus erkrankt. Kreis-Sprecher Max Rolke erklärte, dass es sich bei den Neu-Erkrankten um zwei Personen handelt, die im engen Kontakt mit der bereits bekannten Familie standen. Derweilen stehen noch viele Testergebnisse aus.

Bergkamen - In Bergkamen ist die Zahl der am Coronavirus-Erkrankten auf fünf gestiegen. Nach der Meldung am Samstag mussten die betroffenen Schulen und der Kindergarten schnell reagieren und schließen. Für die Kinder und ihre Familien bedeutet das ein Leben in Quarantäne.

Mittlerweile sind im Kreis Unnasechs Leute nachweislich mit dem Coronavirus infiziert: Eine Frau aus Unna, eine Bergkamener Familie und zwei Personen, ebenfalls aus Bergkamen und aus dem Umfeld der Familie. Mehr Informationen konnte Kreis-Pressesprecher Max Rolke zu den Neuinfizierten nicht geben. Er verweist auf eine Anordnung der Landesregierung. 

Der Kreis Unna untersucht insgesamt 200 Personen, die mit den Erkrankten im Kontakt waren. Hinzu kommen jetzt die Kontaktpersonen der zwei Neu-Infizierten. In ganz NRW steigt die Zahl deutlich an.

Zahlreiche Testergebnisse stehen noch aus. So sind die betroffenen Grundschüler der Ketteler-Schule und Kinder der Rünther Kita „Arche Noah“, sowie die jeweiligen Mitarbeiter der beiden Bildungseinrichtungen in den vergangenen zwei Tagen getestet worden. Die Schüler und Lehrer der Bodelschwingh-Schule werden heute getestet. Mit den Ergebnissen rechnet der Kreis in ein oder zwei Tagen. 

Coronavirus in Bergkamen: Quarantäne für Kinder, Lehrer, Erzieher, Eltern

Das Kreis-Gesundheitsamt hat laut Sprecher Max Rolke angeordnet, dass 80 Schüler und 20 Lehrer der Bodelschwingh-Schule, alle Mitarbeiter und Kinder der Kindertagesstätte „Arche Noah“ und die Schüler der Klasse 3c der Ketteler-Grundschule Zuhause bleiben müssen bis die Inkubationszeit vorbei und die Test-Ergebnisse da sind. Für die betroffenen Familien heißt dies in der Quarantäne weiter abwarten. 

Die bedeutet zwar eine Umstellung für die Familien, jedoch ist es kein Grund zur Panik. „Bei uns ist alles gut“, erklärt eine betroffene Mutter am Telefon. „Wir nehmen es ganz gelassen.“ Ihr Sohn ist wie all seine Klassenkameraden in Quarantäne. Er hustet, doch das bereits seit Wochen. Es ist Erkältungs- und Grippezeit in den Kindergärten und Schulen. Die Quarantäne-Zeit verbringt die Familie damit, viel Lego zu spielen. Auch für die Schule wird gelernt. Sie darf noch zur Arbeit gehen und mit ihrem Sohn spazieren, solange er keinen anderen Menschen begegnet. Läden oder Gespräche mit anderen sind also tabu.

Coronavirus in Bergkamen: Große Verunsicherung bei den Eltern

Sie ist die Mutter einer der 200 Kontaktpersonen und möchte anonym bleiben, aus Sorge vor Stigmatisierung. Alle anderen Personen, die mit dem WA über ihre Situation sprachen, wollten ebenfalls ihren Namen nicht veröffentlichen. 

Das Kreis-Gesundheitsamt ordnet die Kontaktpersonen nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts in drei verschiedene Grade ein. Je nach Wahrscheinlichkeit müssen nahe Angehörige auch Zuhause bleiben oder eben nicht. „Sonst würde das gesellschaftliche Leben ja vollständig zum Erliegen kommen“, erklärt Rolke diese Entscheidung. Damit bleibt aber auch viel Spielraum für Verunsicherung. „Es ist alles sehr schwammig“, sagt eine Mutter, deren Kind in Quarantäne ist. Sie selbst darf noch nach draußen, das Geschwisterkind weiter zur Schule gehen. 

Coronavirus in Bergkamen: Angehörige werden zum Teil nicht getestet

Dann werden die Angehörigen auch nicht getestet. Ohne Schule und Kindergarten kann gerade die Betreuungssituation bei Eltern in diesen Zeiten zu Problemen führen. Ein Betroffener sagt, dass es im Ermessen des jeweiligen Arbeitgebers liegt, ob die Eltern zuhause bleiben können, auch wenn der Kreis es nicht angeordnet hat. Denn wer passt sonst auf die kleinen, vielleicht am Coronavirus erkrankten Kinder auf? 

Planmäßig soll der Unterricht für die anderen Klassen der Ketteler-Grundschule heute wieder starten. In einem Brief an die Eltern schreibt Schulleiterin Heike Prochnow: „Eine Infizierung mit dem Coronavirus eines Kindes unserer Schule liegt nicht vor, daher besteht für die restlichen Kinder die reguläre Schulpflicht.“ Laut Max Rolke vom Kreis werden sowohl Ketteler-Schule als auch die Bodelschwingh-Schule und die Kita desinfiziert.

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