Daheimbleiben sinnvoll nutzen

Im Corona-Stillstand Wohnung entrümpeln und die Seele gleich mit

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Mit Staubwischen ist es bei manchen nicht getan: Wer Ordnung in Haushalt und Leben bringen will, kann die Coronapause nutzen - und sich auch beraten lassen.

Rünthe - Zum Daheimbleiben verdammt, da bietet sich an, mal mehr zu tun, als feucht durchzuwischen. Eine Rüntherin hilft, die Seele zu entrümpeln:

Der Kleiderschrank proppenvoll, in der Küche quillt die Schublade mit unnützen Dingen über, der Keller hat sich schleichend zur Rumpelkammer entwickelt. Wir kennen das alle: An mindestens einem Ort im Haus oder in der Wohnung gibt es dieses Chaos, das wir einfach nicht bändigen können. Gerade jetzt, in Zeiten des Kontaktverbots, bietet sich die Zeit, das zu ändern. Doch einfach so trennen? Viele plagt die Entscheidung, was kommt weg und was bleibt? In solch einer Situation kommt „Psycho-Entrümplerin“ Sigrid Brandt ins Spiel. 

Wegwerfen erfordert Selbstbewusstsein

Die Rüntherin hilft Menschen von Berufs wegen nicht nur praktisch beim Entrümpeln. Sie wirft auch einen Blick in ihre Seele, um herauszufinden, was sie daran hindert, sich von Materiellem zu trennen. Die Idee zur Kombination aus psychosozialer Beratung und Entrümpeln kam Sigrid Brandt bei einer Begegnung mit einer Kundin: „Diese Frau konnte sich nicht von einem Teil trennen.“ Selbst Altes, Kaputtes oder Abgelaufenes habe sie nicht entbehren können. Die Verzweiflung der Frau sei groß gewesen. „Ich dachte, wenn sie nichts wegschmeißen kann, müssen wir uns ihre Psyche angucken.“ Vor allem das geringe Selbstwertgefühl der Frau habe diese in vielerlei Hinsicht, auch beim Ausmisten, gehindert. Brandt: „Ich muss erst einmal mein Selbstbewusstsein fördern, dann habe ich kein Problem mehr damit mich zu entscheiden und dann funktioniert auch das praktische Entrümpeln.“ 

Sigrid Brandt seit 15 Jahren Coach

Vor 15 Jahren hat sich die Diplom-Sozialarbeiterin mit diversen Zusatzausbildungen selbstständig gemacht. In ihrem Beratungsraum trifft die 58-Jährige auf Menschen mit unterschiedlichsten Sorgen. Zu ihren Aufgaben gehören auch Schwerpunkte wie Paar- und Familienberatung oder Berufs- und Bewerbungscoaching. Für die Bezeichnung „Psycho-Entrümplerin“ sei sie schon belächelt worden. Doch für Sigrid Brandt gehört mehr dazu, als nur ein paar Kisten und Müllsäcke zu füllen. „Die Seele wird oft unterschätzt.“ 

Hilfe von außen macht Entscheidung leichter 

Nicht bei jedem ihrer Kunden sei vorher eine psychosoziale Beratung nötig. Dann geht es sofort ans Werk. „Man könnte natürlich auch Freunde, den Mann oder die Kinder fragen, ob sie beim Entrümpeln helfen, aber dann gerät man oft in Streit oder Stress.“ Hilfe von außenstehenden Personen sei da effektiver. Brandt: „Es ist hochmotivierend, wenn jemand von außen kommt.“ Einfach Augen zu und ab in den Container kommt für die Profi-Entrümplerin aber nicht in Frage. Sie analysiert die Situation, verschafft sich ein Bild und geht mit ihren Kunden alles nach und nach durch. Manchmal helfe sie beim Entrümpeln mit, wenn jemand körperlich beeinträchtigt ist. Sonst bleibt’s beim Rat. 

Bewusst entscheiden, selbst wegwerfen

„Die Kunden müssen ihre Sachen selber in die Hand nehmen und entrümpeln. Sie müssen sich bewusst für oder gegen etwas entscheiden.“ Das meiste Chaos herrsche in der Küche oder dem Schlafzimmer. „Keller, Dachboden und Garage sind nochmal heikle Extrapunkte, da werde ich teilweise gar nicht reingelassen,“ sagt Brandt. Sind die Problemzonen dann aber erstmal ausgemistet, kann das sehr befreiend sein. „Man merkt, wie erleichtert die Leute sind, wenn sie sich überwunden haben, etwas wegzuschmeißen.“ Das kennt Brandt auch von sich. „Sonderangebote sind die Falle schlechthin, das weiß ich selbst“, gibt Brandt zu. Technische Geräte, Lebens- oder Putzmittel habe sie oft im Angebot gekauft und gehortet, „bis ich begriffen hatte, dass es die Angebote jedes Jahr mehrfach gibt. Ich muss nicht horten.“ 

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