Coronavirus im Kreis Unna

Coronavirus-Fälle im Schmallenbach-Haus und St. Norbert in Lünen: Tests bergen Restrisiko

400 Personen sind im Altenzentrum Schmallenbach-Haus in Fröndenberg auf das Coronavirus getestet worden. Weitere Testergebnisse aus dem Altenzentrum St. Norbert in Altlünen stehen noch aus.
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400 Personen sind im Altenzentrum Schmallenbach-Haus in Fröndenberg auf das Coronavirus getestet worden. Weitere Testergebnisse aus dem Altenzentrum St. Norbert in Altlünen stehen noch aus.

Drei Altenheime sind im Kreis Unna schon unter Quarantäne gestellt worden. Das kann überall geschehen. Die Fälle offenbaren die Chancen und Schwächen im System. Schutzkleidung fehlt, die Tests sind unzuverlässig, doch Hilfe kommt von überall.

Kreis Unna – Es gibt (Stand Freitag, 12 Uhr) drei Todesfälle im Kreis Unna im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Eine 87-jährige Frau und ein 85-jähriger Mann aus Fröndenberg und eine 75-Jährige aus Lünen starben mit multiplen Vorerkrankungen und dem Coronavirus. Die Verstorbenen aus Fröndenberg lebten in der Einrichtung Schmallenbach-Haus, bevor sie ins Mendener Krankenhaus gebracht wurden. 

Nach dem ersten Todesfall vergangene Woche war zunächst unklar, ob der Verstorbene an Covid-19 erkrankt war. Erst ein letzter Abstrich brachte Sicherheit über die Diagnose und Unsicherheit ins Schmallenbach-Haus. Denn das Schicksal hätte jede Einrichtung treffen können und kann es auch immer noch: Drei Altenheime sind mittlerweile im Kreis unter Quarantäne gestellt. Das Schmallenbach-Haus und eine weitere Einrichtung in Fröndenberg, seit Donnerstag auch das Altenzentrum St. Norbert in Altlünen. 

Coronavirus im Kreis Unna: Es fehlt an Schutzkleidung und Helfern

Die Pflegeeinrichtung Schmallenbach-Haus geht sehr offen mit dem Thema um. Bat um Hilfe und bedankte sich für jeden Einsatz. Die Geschichte zeigt die Schwachstellen in unserem Gesundheitssystem und die Stärken, die im schlimmsten Fall hervortreten: Denn in Fröndenberg fehlte es an Schutzkleidung und Helfern.

Rund 400 Bewohner und Mitarbeiter mussten auf das Coronavirus getestet werden, Kreisgesundheitsbehörde, DRK und Feuerwehr halfen mit. Fremde nähten für das Altenheim Schutzkleidung, boten ihre Hilfe in den unterschiedlichsten Bereichen an. „Es ist wundervoll: Wir haben ganz viele Rückmeldungen bekommen von Menschen, die uns aktiv in unserer Arbeit in der Pflege, Hauswirtschaft, Betreuung und Technik unterstützen wollen“, schreibt das Altenzentrum auf seiner Seite. Es seien sogar mehr Angebote als gedacht, sodass nun erst einmal alles gebündelt werden muss. 

„Erst einmal gilt, dass jeder seine Mitarbeiter selbst ausstatten muss. Aber auf so eine Situation ist niemand vorbereitet“, sagt Constanze Rauert, Sprecherin des Kreises. Durch das Lagern können die Materialien brüchig werden, zerbröseln nach den Jahren im Keller. Das Problem gibt es auch im Kreisgesundheitsamt. Vor drei Wochen sagte Landrat Michael Makiolla, dass die Schutzkleidung nicht mehr lange reichen werde, um alle Mitarbeiter einzukleiden. 

Coronavirus im Kreis Unna: Die Tests sind unzuverlässig

Die Landesregierung würde mittlerweile unterstützen, aber es sei unklar, was genau geliefert wird, sagte Rauert. Noch sind alle Mitarbeiter eingekleidet. Im Altenzentrum St. Norbert in Lünen gibt es noch ausreichend Schutzkleidung, die Beschaffung ist aber überall schwierig. 

In St. Norbert trat dann noch ein anderes Problem auf: Zuerst gab der Kreis Entwarnung, sprach noch am Mittwoch von Falschmeldungen über eine mögliche Coronavirus-Infektion, da der Test der Betroffenen Frau negativ ausgefallen sei. Am späten Donnerstagabend wurde dann öffentlich: Die Frau ist doch an Covid-19 erkrankt und das Altenzentrum unter Quarantäne gestellt. „Es ist ein zunehmendes Problem, dass die Tests, die uns zur Verfügung stehen, nicht zuverlässig sind“, sagt Rauert. „Selbst bei einem positiven Ergebnis besteht das Restrisiko, dass es nicht stimmt.“ 

Coronavirus im Kreis Unna: Stichproben im Altenheim St. Norbert in Altlünen genommen

Dazu kommen die fehlenden Möglichkeiten, Corona besonders zu behandeln. Einige Positiv-Getestete würden keine Symptome zeigen, andere müssten wie bei einer Lungenentzündung behandelt werden.

Glück im Unglück: Weil die Diagnose Influenza im Raum stand, wurden die Bewohner direkt streng isoliert, sagt Constanze Rauert. Thomas Middendorf vom Caritasverband Lünen-Selm-Werne, dem das Altenheim angehört, sagt, dass die Bewohner derzeit weitestgehend in ihren Zimmern bleiben und ihren Wohnbereich keinesfalls verlassen dürfen. Die Mitarbeiter dürfen nach der Arbeit nach Hause gehen. 

Mehrere Ärzte waren am Freitag im Haus und nahmen zahlreiche Stichproben. Andere Bewohner zeigten derzeit keine Corona-typischen Symptome. Die Stimmung in der Einrichtung sei gedrückt. Trotzdem verbreitet Middendorf Optimismus: „Die Menschen rücken aber emotional zusammen. Es herrscht ein starker Zusammenhalt, ein ,Wir schaffen das gemeinsam’-Gefühl“, sagt er. „Wir tun in der jetzigen Situation alles dafür, unsere Bewohner und Mitarbeiter zu schützen.“

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