Restaurant-Besuch trotz Corona? Da sind sich die Kreise uneins

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Coronavirus: Wie die Kreise mit Restaurants umgehen, ist noch Auslegungssache.

Das Coronavirus kennt ja bekanntermaßen keine Grenzen, doch wer ins Restaurant will, der muss manchmal nur zehn Kilometer weiterfahren...

Werne/Bergkamen/Herbern – Der SARS-Cov-2-Erreger kennt keine Grenzen, die Auslegung der Schutzbestimmungen gegen seine Verbreitung aber schon. Eine davon verläuft zwischen Werne und Herbern, die keine zehn Kilometer auseinander, aber in verschiedenen Landkreisen liegen. 

So darf am Nordrand des Unnaer Sprengels noch – unter den verhängten Einschränkungen – in Restaurants gegessen werden, während das am Südrand des Coesfelder Beritts auch im gebührenden Abstand der Tische als nicht hinnehmbares Infektionsrisiko gilt und verboten ist. 

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Seit Freitag ist die Bewirtung in den Lokalen untersagt, weil ihr überwiegend geselliger Charakter beigemessen wird. Dort stuft das Kreisgesundheitsamt den weiter zulässigen Außerhausverkauf als vertretbaren Beitrag zur Grundversorgung ein und lässt auch Eisdielen und Cafés geöffnet. Die Unnaer Kollegen sehen dagegen eher die Gefahr, dass sich die Kunden beim schwer steuerbaren Schlangestehen den Virus einfangen. 

Coronavirus im Kreis Unna: In Werne geht's noch ins Restaurant

Daher hat Werne auf Linien seines Kreises Eisdielen und Cafés – nicht den oft kombinierten Bäckereiverkauf – geschlossen und lässt an Imbissen nur einen Lieferservice statt der Abholung zu. „Im Kreis Unna besteht unter den Kommunen Einvernehmen, mit den Anordnungen nicht über die Erlasslage hinauszugehen. Das ist in der Bürgermeisterkonferenz beim Landrat im Beisein von Kommunalministerin Ina Scharrenbach besprochen worden“, sagte Wernes Ordnungsdezernent Frank Gründken. Daher warte man auch hier fokussiert darauf, was am Wochenende in Berlin bezüglich einer Ausgangssperre besprochen wird. 

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Und auch sieht die Stadt Werne aus diesem Grund keinen Anlass, die Speiselokale zu schließen. „Zumal es wirklich gut funktioniert“, so Gründken. „Ich habe mir selbst ein Bild davon gemacht. Die Wirte wollen es wirklich alle richtig machen.“ Er halte auch die etablierte Mittagstisch-Versorgung der Senioren für wichtig. „Es gibt immer lokale Unterschiede, die zu einer anderen Einschätzung führen können“, erklärte Simone Böhnisch, Sprecherin im Ascheberger Rathaus, warum ihr Haus in diesem Punkt anders agiert als der Nachbar. „Bei uns können auch Eisdielen oder Cafés in den Ortsteilen eine andere Relevanz haben.“ 

Coronavirus im Kreis Coesfeld: Ascheberg orientiert sich an Münster

Bürgermeister Dr. Bert Risthaus war mit der am Donnerstag zum Folgetag erlassenen Anordnung den Empfehlungen des Kreises Coesfeld gefolgt. Darin wird unter anderem argumentiert, dass ein Offenhalten der Speisegastronomie eine Sogwirkung entfalten könne, weil anderenorts, etwa beim großen Nachbarn Münster, die Bewirtung schon untersagt ist. 

Ansonsten stellte Dezernent Gründken den Wernern erneut ein gutes Zeugnis aus. „Es ist relativ ruhig, die Umsetzung der Auflagen erfolgt gut. Wir haben immer wieder Nachfragen, mussten aber noch nicht massiv einschreiten.“ Gleichwohl würden die Kontrollen, etwa bezüglich des Versammlungsverbotes oder der Spielplatzsperrung, übers Wochenende weiter fortgesetzt. Auch der Krisenstab werde tagen, um den Überblick zu behalten. Im eigenen Haus hat Gründken in seiner Eigenschaft als Personaldezernent inzwischen 100 Arbeitsplätze ins Home-Office verlegt. 

Die Infrastruktur im Hause biete alle Voraussetzungen für die elektronische Kommunikation. Schmunzeln lässt ihn diesbezüglich, was er dieser Tage an Offerten auf den Tisch bekommt: Vom Hersteller von Plexiglasscheiben für Barrieren an Schaltern bis zu Anbietern von Software-Tools für Video-Konferenzen. Gar nicht lustig ist zum Teil die Preisentwicklung: „Wir haben da beispielsweise Verbrauchsartikel im Rettungsdienst, die kosten üblicherweise Cent-Beträge. Jetzt liegen die Preise bei sieben Euro bei einer Mindestabnahme von tausend Stück.“

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