Über 1000 Kontaktpersonen

51 Infizierte im Kreis Unna: "Die Lage ist ernst"

Coronavirus: Im Kreis Unna hat sich die Zahl der Infektionen auf 51 verdoppelt.
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Coronavirus: Im Kreis Unna hat sich die Zahl der Infektionen auf 51 verdoppelt. (Symbolbild)

Das Coronavirus hat Werne erreicht. Nachdem der Kreis schon vor einer Woche aufgrund eines Fehlers eine Infizierung gemeldet hatte, wurde am Mittwoch bekannt, dass sechs Werner an Covid-19 erkrankt sind. Auch in Bergkamen gibt es weitere Fälle. Kreisweit verdoppelte sich die Zahl auf 51 Menschen.

Bergkamen/Werne - „Die Lage ist ernst,“ sagte Landrat Michael Makiolla in einer Pressekonferenz zum Coronavirus am Mittwoch. „Es ist die größte und schwierigste Situation, die die Kreisverwaltung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte.“ Am Dienstag waren es noch 25 Infizierte, am Mittwochabend stieg die Zahl sprunghaft auf 51. Zur Pressekonferenz waren noch fünf Erkrankte weniger gemeldet. „Das zeigt den exponentiellen Anstieg“, sagte Kreis-Sprecher Max Rolke.

In Bergkamen gibt es derzeit (Stand: Mittwochabend) 13 Fälle, sechs in Werne, in Fröndenberg, Holzwickede und Kamen jeweils zwei, in Lünen vier, in Schwerte und Selm sieben und in Unna sind ebenfalls sechs Erkrankte.

Coronavirus im Kreis Unna: Über 1000 Kontaktpersonen

Fast alle mit dem Coronavirus infizierten Personen haben einen milden Verlauf und können in häuslicher Quarantäne versorgt werden, nur eine Person befindet sich auf einer Normalstation im Krankenhaus. Die Zahl der Kontaktpersonen steigt damit auf über 1000. „Die Zahl verändert sich aber halbstündlich“, sagte Landrat Makiolla. Die neuen Fälle ständen im Zusammenhang mit den Urlaubsrückkehrern oder seien selbst aus einem der Risikogebiete zurückgekommen.

Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Kreis Unna

Dazu kommen 23 begründete Verdachtsfälle im Krankenhaus, die zu den über 1000 Kontaktpersonen zählen. Eine dieser Personen wird auf einer Intensivstation behandelt. Josef Merfels, Fachbereichsleiter Gesundheit und Verbraucherschutz, betonte, dass ein Großteil der Verdachtsfälle im Nachhinein negativ auf das Coronavirus getestet wird. Seit Beginn der Pandemie hat der Kreis circa 490 Coronavirus-Tests durchgeführt. Diese Zahlen sind aber nur als zusätzlich zu verstehen: Eigentlich zuständig für die Tests sind die Hausärzte.

Einheitliches Vorgehen in allen Kreisstädten

In der Bürgermeisterkonferenz mit Kommunal-Ministerin Ina Scharrenbach hat der Kreis ein einheitliches Vorgehen in allen Kreisstädten beschlossen. Die Maßnahmen finden Sie aufgelistet im Infokasten.

„Wir haben das brennende Problem fehlender Schutzkleidung“, sagte Makiolla – nicht nur im Kreis Unna, sondern bundesweit. Die Mitarbeiter des Kreises, der Rettungsdienste könnten bald nicht mehr mit Schutzkleidung eingekleidet werden. Makiolla sagte, dass Ministerin Ina Scharrenbach das Kreis-Anliegen bei der Landesregierung platzieren will. Viele Hausärzte im Kreis würden ihre Tätigkeit einstellen, sagte Makiolla. Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste würden sich weigern, ihre Patienten ohne die nötige Schutzkleidung zu versorgen.

„Alle Bürger hier müssen entsprechend besorgt sein und sich vor allem an die Empfehlungen halten“, sagte Makiolla. Er hat den Eindruck, dass viele Menschen sich noch zu sorglos verhalten. Ein Blick in die Fußgängerzonen und auf die Straßen von Bönen, Bergkamen und Werne bestätigt das. Viele Menschen nutzen das gute Wetter und die Freizeit der Kinder, um sich draußen aufzuhalten. Stattdessen rät das Robert-Koch-Institut dringend zur Isolation.

Info-Telefon des Kreises: 10.000 Anrufe an einem Tag

Die Kreisverwaltung arbeite mit Hochdruck daran, dass Kreis-Gesundheitsamt zu verstärken. Wie hoch der Bedarf ist, zeigt der Andrang auf das Info-Telefon des Kreises. Am Montag gingen 10.000 Anrufe ein, am Dienstag riefen noch einmal knapp 5000 Personen an. Dazu kommen noch die zahlreichen Personen, die aufgrund der hohen Auslastung das Kreis-Gesundheitsamt nicht erreichen konnten.

Die Kreisverwaltung konzentriert ihr Personal auf den Kampf gegen das Coronavirus, betonte Makiolla. Mitarbeiter aus dem Kulturamt und den offenen Stellen werden schon im Gesundheitsamt eingesetzt. „Wir wollen handlungsfähig bleiben“, sagte der Landrat. In ganz NRW besetzt das Coronavirus die Schlagzeilen. Hier gibt es aktuelle Informationen zur Lage.

Gestern tagte noch der Wahlausschuss, weil wichtige Planungen für die Kommunalwahl anstehen, alle anderen Ausschüsse bis auf den Kreisausschuss sollen erst einmal aussetzen. Einmal täglich tagt der Krisenstab im Kreis, einmal wöchentlich – immer mittwochs – setzen sich alle Bürgermeister der Kreisstädte zusammen. „Wenn die Lage sich zuspitzt, werden wir auf Video- und Telefonkonferenz umschwenken.“ Die Bürgermeister haben eine schriftliche Vereinbarung über das einheitliche Vorgehen im Kreis getroffen. Sie stehen im engen täglichen Austausch, betonte Makiolla.

Veranstaltungen

Alle Veranstaltungen fallen bis zum 1. Mai aus. Damit können auch alle Tanz in den Mai-Feierlichkeiten nicht stattfinden.

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