Pandemie-Teams gegen die Krise

Im Team gegen das Coronavirus: Krisenstäbe in Unternehmen

Gemeinsam gegen das Coronavirus beim Krisenstab von Steag - hier in Bergkamen.
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Gemeinsam gegen das Coronavirus beim Krisenstab von Steag - hier in Bergkamen.

Die Corona-Pandemie stellt alle vor eine riesige Herausforderung, insbesondere auch Wirtschaftsunternehmen. Mit Krisenstäben oder in Teams versuchen die Unternehmen im Kreis Unna durch die Krise zu kommen.

Bönen/Bergkamen – Um ihre Betriebe und Mitarbeiter sicher durch die schwere Zeit zu manövrieren, haben viele Firmen nun einen Krisenstab eingerichtet. Im Kreis Unna sind einige solcher Notfallteams damit beschäftigt, ihr Unternehmen sicher durch die außergewöhnliche Situation zu bringen.

Krisenstab bei Gea Group AG

Eines der ersten Unternehmen, die einen Krisenstab eingerichtet haben, war die Gea Group AG. Der weltweit agierende Konzern hat mit der Gea Farm Technologies nicht nur einen Standort im Bönener Industriegebiet, sondern auch eine Präsenz in China. 

Als dort die Pandemie ihren Anfang nahm, aktivierte Gea im Januar bereits ein globales Krisenteam. Das existiert aber nicht erst seit der Corona-Krise, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Besetzt werde dieses Team aber nach den aktuellen Erfordernissen. So gehören jetzt etwa Mitglieder des Vorstandes, des Personals und aus der Produktion, der Konzernsicherheit, der Kommunikation und dem IT-Bereich dazu. „Man braucht ein globales Team, aber auch lokale Teams für die jeweiligen Standorte und Landesverantwortlichkeiten“, erklärt sie. 

Zurzeit beraten sich diese Teams täglich telefonisch oder mittels Videocall – auch samstags und sonntags. Besprochen werden aktuelle Themen, es gibt jeden Tag eine Agenda, die die Verantwortlichen dann abarbeiten müssen. Der Gea-Krisenstab stehe dabei in engem Kontakt zum Robert-Koch-Institut und anderen, namhaften Instituten weltweit, versichert die Konzernsprecherin. 

„Wir lassen uns von den Experten beraten. Für uns ist die Königsdisziplin, zu verhindern, dass ein Mitarbeiter krank wird und andere Kollegen ansteckt.“ Bislang ist Gea demnach mit dieser Strategie erfolgreich. Weltweit seien Corona-Fälle innerhalb der Gruppe sehr selten, heißt es aus der Deutschlandzentrale in Düsseldorf. Bislang musste kein Standort geschlossen werden, nicht einmal in China. Um das zu erreichen hat der Landtechnikhersteller früh Maßnahmen ergriffen, etwa die Kantinen in den Betrieben geschlossen. „Das war ganz wichtig, denn dort kommen abteilungsübergreifend alle zusammen“, so die Sprecherin. 

Der Krisenstab entwickle für jeden Standort individuelle Lösungen, um zum Beispiel dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter während der Arbeit nicht zu nahe kommen. Viele Beschäftigte säßen deshalb im Homeoffice, in der Produktion werde der Sicherheitsabstand eingehalten. Über einen eigenen Kommunikationskanal erhalten die Mitarbeiter zudem ständig aktuelle Informationen bezüglich der Corona-Pandemie. Dazu gehören Hygienemaßnahmen oder der Umgang mit externen Besuchern auf dem Betriebsgelände.

Pandemie-Team bei Kik 

Der Textildiscounter Kik legt nach eigenen Angaben ebenfalls großen Wert darauf, auf Krisensituationen bestmöglich vorbereitet zu sein. „Unser Krisenstab wurde deshalb bereits 2005 gegründet. Er besteht aus insgesamt 15 Mitarbeitern aus allen wichtigen Unternehmensbereichen“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Jedes Mitglied habe zwei Stellvertreter, um ein sicheres Arbeiten des Stabes auch bei Krankheit oder über einen längeren Zeitraum garantieren zu können. Wenn keine Krisensituationen vorliegen, trifft sich dieser Stab alle vier Monate zu routinemäßigen Sitzungen und Übungen, gibt Kik an. 

Kik in Bönen hat bereits seit 2005 einen Krisenstab.

Aufgrund der Corona-Epidemie wurde er bereits im Februar einberufen. „Er ist seitdem täglich im Einsatz.“ Während die Besprechungen anfänglich noch persönlich stattfanden, werden sie aktuell aus Sicherheitsgründen nur noch in Form von Video- und Telefonkonferenzen abgehalten. Die dort beschlossenen Maßnahmen hätten das Ziel, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, aber auch das Unternehmen zu schützen. „Dies ist uns bis zum heutigen Tag dank intensiver Vorbereitung und Schulung auch gut gelungen“, sagt der Sprecher.

Gegen das Coronavirus bei Steag

Als gut vorbereitet sieht sich das Unternehmen Steag, das am Standort Bergkamen ein Steinkohlekraftwerk zur Erzeugung von Strom betreibt. „Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ein international tätiges Unternehmen wie Steag eine ganze Reihe von Maßnahmenplänen üblicherweise auch schon in der Schublade hat“, sagt Pressesprecher Daniel Mühlenfeld über das international tätige Unternehmen mit rund 6 500 Beschäftigten. Der Sitzungsturnus des Krisenstabs im Unternehmen habe aufgrund der verschärften Pandemie-Lage zugenommen. 

Im Krisenstab seien alle Fachbereiche vertreten, denn die Situation tangiere mehr oder weniger alle Unternehmensbereiche. „So können alle Entscheidungen immer auch unter Einbeziehung der jeweiligen Fachkompetenz aus den einzelnen Bereichen diskutiert und entschieden werden.“ Personal im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz kümmere sich um Themen wie Pandemieplanung oder Hygienemaßnahmen. „Es gibt für eine ganze Reihe von Fällen und Szenarien Vorüberlegungen und Krisenplanungen, die dann jetzt eben dafür sorgen, dass wir in konkreten Situationen nicht bei null anfangen müssen.

Im Team gemeinsam entscheiden bei Braune

Einen Krisenstab gibt es bei der Landbäckerei Braune nicht. „Die Führungskräfte der einzelnen Abteilungen und ich haben einen kurzen Draht und wir beschließen vieles gemeinsam“, so Inhaber Stefan Braune über die Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Mittlerweile habe sich alles relativ gut eingespielt. 

Die Landbäckerei Braune kämpft in Bergkamen gegen die Verluste durch das Virus.

Schwierig seien jedoch die ersten zehn Tage gewesen. Das sei vor allem den verschiedenen Vorgehensweisen in den Städten und Kreisen, in denen die Bäckerei ihre Filialen hat, zuzurechnen. „Die Informationslage fand ich am Anfang sehr dürftig. Man musste sich alles aus verschiedenen Kanälen zusammensuchen“, so Braune. 

In Bereichen wie Café und Frühstück fehlen massive Umsätze, weil die Konzentration nun auf dem eigentlichen Kerngeschäft Brot, Brötchen und Kuchen liegt, wie Braune berichtet. „Da müssen wir zum Beispiel durch geänderte Öffnungszeiten und geänderte Sortimente gegensteuern.

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