Coronavirus im Kreis Unna

Kitas im Kreis Unna bleiben weiterhin geschlossen / Bürgermeister für Lockerungen

Seit Wochen sind die Kindertageseinrichtungen geschlossen und laufen nur noch im Notbetrieb. Das wird auch erst mal so bleiben, so hat es die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch beschlossen.

Kreis Unna - Bönens Bürgermeister Stephan Rotering und Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer sind sich einig, dass die beschlossenen leichten Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen richtig sind. „Wir dürfen trotzdem nicht nachlässig werden“, betonte Rotering. Auch Schäfer stimmte zu, Situationen wie in spanischen oder italienischen Krankenhäusern dürften sich vor Ort nicht wiederholen. „Derzeit haben wir die Situation im Griff und können sie kontrollieren. Es gibt noch Kapazitäten in den Krankenhäusern“, berichtet Schäfer aus der kreisweiten Bürgermeisterkonferenz mit Landrat Michael Makiolla am Mittwoch. „Unsere Maßnahmen greifen“, sagte Rotering. 

Dementsprechend sei es zu erwarten gewesen, dass es Lockerungen gebe. „Der Status des Shutdowns kann auf Dauer nicht durchgehalten werden“, so Bönens Bürgermeister. Es sei grundsätzlich zu begrüßen, dass kleine Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern und Buchläden ohne Größenbeschränkung ab Montag wieder öffnen können, auch hier sind sich beide Bürgermeister einig. „Ein Großteil der Geschäfte hätte sonst womöglich für immer schließen müssen“, sagte Rotering. 

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Coronavirus im Kreis Unna: Bürgermeister unterstützen Kontaktsperre

Zugleich herrscht weiterhin die Kontaktsperre bis mindestens 3. Mai. Sowohl Rotering als auch Schäfer sind sich einig, dass diese Vorgaben weiterhin sinnvoll sind und unbedingt eingehalten werden müssen. „Viele sind sich dessen auch bewusst“, sagte Rotering. 

„Wir müssen sehen, was mit den Infizierungszahlen passiert. Die Schritte können ja nicht mehr zurückgenommen werden.“ Die Bürgermeister warten nun auf die konkreten Verordnungen der Landesregierung. „Wir brauchen klare Vorgaben“, sagte Schäfer, vor allem mit Blick auf die geplanten teilweisen Schulöffnungen.

Coronavirus im Kreis Unna: Mehr Notgruppen in Kita-Gruppen

Nur Schlüsselpersonen in systemrelevanten Berufen können ihre Kinder noch in den Kitas in kleinen Notgruppen betreuen lassen. Davon machen allerdings weniger Eltern Gebrauch als ursprünglich angenommen. Für die Kitas in der Gemeinde Bönen verantwortlich ist die Fachbereichsleiterin Jugend und Familie beim Kreis Unna, Katja Schuon. Sie bestätigt, dass die Nutzung des Notbetreuungsangebots der Kitas in der Gemeinde für den Nachwuchs von Schlüsselpersonen derzeit im einstelligen Prozentbereich liegt. „Zusätzlich denken wir darüber nach, für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen eine Betreuungsmöglichkeit zu schaffen, um da den Druck aus den Familien zu nehmen.“ 

Vor Mai werden die Kitas nicht geöffnet, so die aktuelle Entscheidung. Darauf können sich die Einrichtungen dann mit ausreichend Vorlauf vorbereiten und Absprachen mit den einzelnen Trägern treffen. Generell müsse von Kita zu Kita geprüft werden, wie die Situation vor Ort sei, wenn der Betrieb wieder aufgenommen werden soll, sagt Katja Schuon. „Wir müssen vor allem sehen, wie viele Erzieherinnen zur Risikogruppe gehören und wie viel Personal wir zur Verfügung haben, um kleine Gruppen zu bilden.“ Wenn die Landesregierung bekannt gibt, wie konkret im Mai weiter verfahren werden soll, stünden Gespräche mit jeder einzelnen Kindertageseinrichtung an. 

Coronavirus im Kreis Unna: Normalbetrieb der Kitas noch in Zukunft

Denn geklärt werden müsse unter anderem, wie die hygienische Ausstattung in den Einrichtungen sei und die Versorgung mit Schutzmasken. Ein Problem sei der begrenzte Raum in den Kitas: „Wenn kleine Gruppen gebildet werden sollen, haben wir nicht ausreichend Räume, das reicht nur für einen Teil der betreuten Kinder.“ Grundsätzlich würde sie sogar die Empfehlung der Leopoldina-Experten befürworten, den Normalbetrieb der Kitas bis zum Sommer auszusetzen, so Schuon. 

„Die Frage ist, wie die Auswirkungen sind, wenn Kinder monatelang zu Hause bleiben, und wie viele Eltern das Angebot tatsächlich nutzen werden“, so Schuon. Viele Familien würden möglicherweise auch weiterhin versuchen, ihre Kinder noch weiter zu Hause zu betreuen, um das Ansteckungsrisiko in der Kita zu minimieren. 

Coronavirus im Kreis Unna: Weder Personal noch Räumlichkeiten vorhanden

Christine Busch, Beigeordnete der Stadt Bergkamen im Fachbereich II – Schule und Soziales – ist verantwortlich für 22 Kitas inklusive Nebenstellen: „Ich persönlich habe erwartet, dass die Schulen vor den Kitas geöffnet werden. Denn den Kleinen ist es schwer zu vermitteln, dass sie Abstand halten müssen. Im Eifer des Spiels denken Kinder nicht an Corona. Außerdem haben wir gar nicht das Personal und die Räume, um Kinder in kleinen Fünfergruppen unterzubringen, wie das vorgeschlagen wurde.“ Ein vierzügiger Kindergarten betreue in der Regel rund 60 Kinder, also 15 Kinder pro Gruppe. 

Ein Vollbetrieb werde vorerst gar nicht funktionieren, wenn man nicht vorerst Zelte aufstellen wollte. Aber auch der nötige Mundschutz sei nicht vorhanden. „Es gibt kaum kleine Masken für Kinder.“ Zudem reagierten vor allem kleinere Kinder oft sehr ängstlich auf Menschen, die Masken tragen. Auch das müsse berücksichtigt werden. 

„Ich glaube aber, dass die Zahl der berechtigten Schlüsselpersonen steigen wird, die eine Notbetreuung in unseren Kitas anfragen. Bis zu den Osterferien haben das viele Familien gut hingekriegt mit der Betreuung zu Hause. Bei vielen war ohnehin Urlaub in den Osterferien eingeplant“, sagt die Beigeordnete. „Jetzt müssen viele wieder anfangen zu arbeiten, etwa erkrankte Kollegen in Pflegeeinrichtungen ersetzen.“ 

Coronavirus im Kreis Unna: Eltern haben kaum die Wahl

Viele hätten auch keine Wahl, wenn es um die Entscheidung Gehalt oder Kurzarbeitergeld geht. Da würde es in vielen Familien finanziell schnell eng. „Ich rechne also damit, dass in den nächsten Wochen die Anfragen für Notbetreuung in den Kitas steigen. Das würden wir auch hinkriegen“, versichert Christine Busch. 

Sie geht im Idealfall von einer stufenweisen Öffnung der Kitas im Mai aus, die zunächst die Vorschulkinder zurückholt, damit sie vor ihrer Einschulung noch soziales Miteinander in kleinen Gruppen erleben. „Das wäre für mich eine gute, klare Lösung.“ Den Eltern der kleineren Kita-Kinder rät sie: „Nehmt euch die Zeit, bis das Schlimmste vorüber ist.“ Denn nach ihrer Erfahrung haben viele Familien inzwischen durchaus gute Lösungen für den Ausnahmezustand gefunden. Der Druck sei auch nicht mehr so hoch wie in den vergangenen Wochen. 

„Und man darf ein Problem nicht übersehen: Kleine Kinder tragen den Virus oft in sich, haben aber keine erkennbaren Symptome. Sie sind aber dennoch infektiös und können das Virus an andere weitergeben. Oft arbeiten die Eltern als Schlüsselpersonen in Pflege. So wird das Virus unbemerkt weitergegeben.“

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