„Es gibt nichts besseres“

Saubere Hände in der Pandemie: Bergmanns-Seife wird wieder Trend

Die orangefarbene Kartonverpackung wurde eigens für die RAG hergestellt. So kennen viele Familien auch in Bönen noch die Zechenseife
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Wer dieser Tage in den Drogeriemärkten nach Seife sucht, findet häufig nur leere Regale vor. Hygieneprodukte sind in der Coronakrise ein Kassenschlager. Selbst Stückseife, ein in den letzten Jahren völlig aus der Mode gekommener Artikel, feiert nun ein Comeback. Bergarbeiter-Kinder wissen - in manchen Familien gibt es keinen Mangel

Von Manuel Izdebski

Rünthe – In den früheren Zechenkolonien von Rünthe muss man sich um einen Mangel nicht sorgen. Viele Bergleute verfügen auch Jahre nach dem Ende der Steinkohle über Restbestände der bekannten Zechenseife „Bergauf“, die praktischerweise schon lange vor Corona gehamstert wurde.

Bei der Vergabe zeigte sich der Pütt stets großzügig. Selbst Mitarbeiter aus der Verwaltung erhielten fünf Päckchen pro Monat. Über Jahrzehnte sorgte die Seife für Sauberkeit und Körperhygiene in vielen Rünther Familien. Kenner schwören bis heute darauf, so wie die Brüder Klaus und Michael Neilmann vom Hellweg, die früher auf Heinrich-Robert angefahren sind.

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Zechen-Seife in Coronazeiten: Der Fundus hält noch

 „Es gibt keine bessere Seife!“, lautet ihre feste Überzeugung. Ihr eigener Fundus lässt keinen Hygiene-Notstand erwarten, egal wie lange die Krise noch dauert. Auch in anderen Haushalten freut man sich über alte Restbestände, die sich immer noch in den Schränken finden und jetzt gute Dienste leisten.

Die Brüder Klaus und Michael Neilmann müssen keinen Hygiene-Notstand fürchten. Ihr Vorrat an Zechenseife bringt sie durch jede Krise.

Bis heute wird die „Bergauf“ von der Firma Falter-Chemie aus Krefeld vertrieben, einst war die Ruhrkohle AG ihr Hauptabnehmer. Produziert wird seit einigen Jahren in Schweden.

Bergbau-Seife ist weiter begehrt: Coronavirus macht's möglich

Ursprünglich wurde die Seife schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Witten von der Märkischen Seifenindustrie (MSI) hergestellt. In der Nachkriegszeit war das Produkt ein begehrtes Tauschobjekt. Durch Umstrukturierungen und Unternehmensverkäufe ging die Seifenproduktion im Laufe der Jahrzehnte durch mehrere Firmen, um dann letztlich von Falter-Chemie übernommen zu werden. Früher wurde eigens für die RAG ein orangefarbener Karton als Verpackung produziert, in den letzten Jahren musste eine weiß-blaue Papierbanderole genügen. 

Die Rezeptur aber wurde nie verändert. Das Geheimnis der Zechenseife ist das Hautschutzmittel o-48-G, das die Haut vor aggressiven Stoffen zu schützen vermag. In der Unternehmenszentrale gehen noch heute die Bestellungen ehemaliger Kumpel aus dem Ruhrgebiet ein, die ihre „Bergauf“ nicht missen möchten. Wer in seinem Keller alte Seifenstücke aus Bergbauzeiten findet, kann diese problemlos benutzen. „Die Seife ist jahrelang haltbar“, versichert eine Firmensprecherin.

Die Hautschutzseife „Bergauf“ wurde schon vor dem Zweiten Weltkrieg von der Märkischen Seifenindustrie produziert.

Das grüne Handtuch: Bergbau-Andenken in Coronavirus-Pandemie wieder in

Zur weiteren Hygiene-Ausstattung der Bergleute gehörte außerdem eine Augensalbe zur Pflege der Lider und grüne Badetücher mit aufgesticktem Firmenlogo der RAG. An die gute Frotteequalität erinnern sich Rünther Hausfrauen bis heute. Ganze Familien wurden damit versorgt.

Mit dem Einsatz von Duschgel und Flüssigseife verlor die „Bergauf“ spätestens in den 1980er Jahren ihre Bedeutung für die Haushalte in den Bergbaugemeinden. Die Stückseife wurde zu einem Produkt aus einer längst vergangenen Zeit. Nun sorgt ausgerechnet die Corona-Pandemie für die Wiederentdeckung. Weil zum Zwecke des Infektionsschutzes mehrmaliges Händewaschen am Tag zur vorbeugenden Routine wird, schäumt und duftet die alte Zechenseife wieder an vielen Waschbecken in den früheren Kolonien. In Rünthe gibt es Seife satt – dem Bergbau sei Dank.

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