Ausnahmesituation für Abiturienten

Coronavirus im Kreis Unna: Normalität durch Termine für Klausuren

Die Verbindung zu den Abschlussjahrgängen ist momentan vor allem digital - das Abitur sollen die Schüler trotzdem ablegen.
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Die Verbindung zu den Abschlussjahrgängen ist momentan vor allem digital - das Abitur sollen die Schüler trotzdem ablegen.

Seit Freitag steht fest: Die geplanten Abschlussprüfungen für die Abiturienten und in der Klasse 10 finden statt. Sie werden nur nach hinten verschoben. Weniger Stress bedeutet das nicht, aber vielleicht ein wenig mehr Normalität.

Werne/Bergkamen/Bönen - Drei Wochen später in die Abiturklausuren, fünf Tage später in die Zentralen Prüfungen der Klasse 10 (ZP10): Der Zeitrahmen ist knapp. Aus Betroffenensicht ist das keine Erleichterung: „Ich finde, der Stress ist immer noch derselbe“, sagt Abiturientin Josephine Klein aus Bönen. „Es ist nur ein bisschen aufgeschoben worden.“

Sowohl die ZP10 als auch die Abiturprüfungen starten nun ab dem 12. Mai – wenn es denn planmäßig läuft mit der Coronavirus-Eindämmung. Denn ob die Prüfungen in dem Zeitrahmen stattfinden können, ist abhängig davon, dass die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen können. Oder zumindest die Abschlussklassen wieder Unterricht erhalten.

Die aktuelle Entwicklung zum Coronavirus im Kreis Unna lesen Sie hier.

Coronavirus und Abitur: Schulen im Kreis Unna warten ab

„Ich plane von einem Tag zum anderen“, sagt Bärbel Heidenreich, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums in Bergkamen. Eine Einstellung, die fast alle Schulleiter in Werne, Bergkamen und Bönen teilen. „Wir hängen noch im Schwebezustand“, sagt Thorsten Schröer, der das Gymnasium St. Christophorus in Werne leitet. „Wir und vor allem unsere Schüler wünschen uns wieder mehr Normalität“, bringt es Schröer auf den Punkt.

Diese Normalität steckt auch in den Abschlussprüfungen. Der Zeitplan gibt den Schülern zumindest einen Fixpunkt in unsicheren Zeiten, denn durch die Pandemie weiß niemand, wie die Situation in der nächsten Woche aussehen wird, geschweige in dreieinhalb – dann ist das Ende der Osterferien. „So wissen sie zumindest, es wird Prüfungen geben. Wir werden Augenmaß bewahren“, sagt Schröer.

Coronavirus und Abschlussprüfungen: Abiturientin besorgt

Denn die Unsicherheit bleibt: „Ich habe das Gefühl, das ist noch nicht das letzte Wort“, sagt Josephine Klein, die mitten in den Abitur-Vorbereitungen steckt. Die Schülerin macht sich Sorgen, nicht nur um ihr Abitur und ihren weiteren Werdegang, sondern auch um ihre Gesundheit.

„Ich gehöre zur Risikogruppe, weil ich Asthma habe“, sagt die Schülerin. Wie die Situation am 20. April, dem ersten Tag nach den Osterferien aussieht, kann bislang niemand sagen. Und auch nicht, welche Auswirkungen die Unruhen der Pandemie auf die Schüler haben werden. „Wir müssen die Schüler nach Schulbeginn erst einmal dort abholen, wo sie jetzt stehen“, sagt Petra Coerdt, Schulleiterin der Humboldt-Realschule in Bönen. „Mit ihnen aufarbeiten, was passiert ist. Das geht nicht von jetzt auf gleich.“

Es gibt zwei mögliche Szenarien: Entweder gehen alle Schüler nach den Osterferien zur Schule oder in dem Zeitraum finden nur die Prüfungen statt und die Schulen bleiben bis dahin für die restlichen Schüler geschlossen. „Wenn die Schule wieder ganz normal anläuft, werden die Hygieneregeln der vergangenen Wochen weiter gelten“, sagt Petra Coerdt. „Kein Handschlag, keine Umarmungen, oft die Hände waschen“. Türklinken und Treppenläufe werden eh täglich desinfiziert. „Aber wenn die Schule normal wieder anläuft, haben wir jeweils 30 Kinder in sehr kleinen Klassenräumen“, sagt die Schulleiterin.

Coronavirus im Kreis Unna: Abitur als Stückchen Normalität

Im Schulalltag funktionieren Abstandhalten und Kontaktemeiden eben nicht. „Die Oberstufe kann vielleicht Distanz halten“, sagt Thorsten Schröer aus Werne. „Aber die Kleineren nicht.“ Im Kollegium habe man darüber spekuliert, dass vielleicht in den ersten Wochen nur die Abschlussjahrgänge zur Schulen gehen würden. Denn durch die plötzlichen Schulschließungen sind die Schulen jeweils unterschiedlich aus dem Unterricht ausgestiegen.  „So könnte man zu etwas Normalität zurückkehren, bevor man die Schülerinnen und Schüler in die Prüfungssituation bringt“, sagt Schröer.

Petra Coerdt erklärt, dass die recht knappe Verschiebung der Zentralen Prüfungen um fünf Tage am gesamten Zeitrahmen hängt. „Die Prüfungen wurden soweit wie möglich nach hinten geschoben.“ Danach werde es in dem kurzen Schuljahr zu knapp mit den Korrekturen. Das gilt auch für die Abitur-Klausuren. 

Knapp zwei Wochen bleiben für die Korrektur, die mündliche Prüfung muss unmittelbar nach den schriftlichen stattfinden, sagt Thorsten Schröer. Wie die Abiturzeugnisse verteilt werden, ist noch unklar. Auch ob es einen Abiball geben wird. Dazu kommen die eigentlichen Pläne der Abiturienten, von denen viele ein letztes Mal gemeinsam wegfahren. Und durch die Ausnahmesituation das Wegfallen der Mottowoche, eine Tradition, auf die sich viele ihre gesamte Schullaufbahn freuen.

„Die Mottowochen können wir vermutlich nicht nachholen“, stellt Bärbel Heidenreich aus Bergkamen klar. Das Infektionsrisiko sei zu hoch, weil sich bei diesen natürlich immer wieder größere Ansammlungen von Schülern bilden würden. „Es ist traurig, weil den Abiturienten ein Teil ihres Abschieds von der Schule genommen wird“, stimmt auch Thorsten Schröer zu.

Coronavirus und Abschluss: Ob die Prüfungen wirklich stattfinden, kann niemand vorhersagen

Als einzig positiven Aspekt betonen alle Schulleiter die fortschreitende Digitalisierung. „Die Situation ist nicht schön, aber wir sind im digitalen Zeitalter und alle Kollegen beschäftigen sich mit der technischen Umsetzung“, sagt Dirk Rentmeister, der stellvertretende Schulleiter der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen. „Wir stehen im Kontakt mit den Schülern, beantworten Fragen per E-Mail oder telefonisch“.

Er hofft, dass bald ein Tablet oder Laptop für die Kinder als Lernmittel anerkannt wird, so könne man den Zugang für alle Schüler sicherstellen. Aber: „Die Abschlussjahrgänge sind in einer so wichtigen Phase ihres Lebens. Da gehört persönliche Betreuung dazu.“ Die Vorbereitungen auf das Abitur laufen, ob es kommt, bleibt abzuwarten.

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