Für Roland Schäfer passt’s

Neue Coronaregeln fordern Schulen und Kitas

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Nur gucken, nicht anfassen – so funktioniert es mit den Kurzzeitbesuchen im Awo-Seniorenzentrum. Hier ist Giesela Bergmann froh, ihre Mutter Gertrud Wagner nach langem Warten sehen und sprechen zu können.

Bergkamen - „Verantwortungsvolle Normalität“ soll nach den Worten von Ministerpräsident Armin Laschet in NRW Einzug halten. Seine Regierung gibt die Linie vor, die in den Kommunen verfolgt werden muss. Hier erste lokale Reaktionen und Ausblicke auf das, was kommt:

Der Bürgermeister

„Geht schon in Ordnung, was da gestern in Berlin und Düsseldorf verkündet worden ist.“ So hat Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer zwar nicht wörtlich, aber für den WA sinngemäß kommentiert, wie nach der Vollbremsung durch Corona das öffentliche Leben allmählich wieder in Bewegung geraten soll. „Ich bin damit zufrieden“, sagte Schäfer und betonte, wer entscheidend dazu beigetragen habe: „Das ist noch mal ein Anlass, um danke zu sagen. Bis auf wenige Ausnahmen haben die Bürger sich an die Auflagen gehalten. Sonst wäre das so gar nicht möglich und der Kreis Unna stünde auch nicht so gut da.“ (Infokasten) Bergkamens Bürgermeister sieht die Balance zwischen dem Ruf nach weniger Beschränkungen und den Mahnern gewahrt. „Wir sollten es dabei belassen und ansehen, wie es sich entwickelt.“ Das Infektionsgeschehen werde auf kommunaler Ebene „scharf beobachtet.“ Eine „gute Entscheidung“ nannte Schäfer die tags zuvor angekündigte Besuchsregelung für Seniorenheime, „sehr wichtig für die Bewohner.“ Vor großer organisatorische Herausforderungen sieht er die Kitas und Schulen gestellt. Die Notbetreuung soll ausgeweitet und der Schulbetrieb schrittweise mit allen Klassen in einem rollierenden System wieder anlaufen. „Mal abgesehen davon, dass man für kleinere Gruppen mehr Räume braucht, ist das vor allem ein Personalproblem. Weil Mitarbeiter über 60 und Risikopatienten ausfallen, fehlt gut ein Drittel des Personals.“

Knoten wieder raus: Die letzten Absperrbänder sollen bis heute von den Spielplätzen entfernt sein. Die Benutzung ist wieder erlaubt: Kinder dürfen so tollen, wie es die Eltern erlauben. Papa, Oma oder wer sonst aufpasst, muss Abstand wahren.

Deshalb werde jede Schule nach der jeweiligen Lage dort wohl eigene Modelle entwickeln müssen. Die Stadt als Schulträgerin habe das Ihrige bei der Ausstattung mit Desinfektionsmitteln, Einmal-Handtüchern und dergleichen getan. Die jeweiligen Teams müssten nun ihre Kapazitäten gezielt einsetzen. Dabei kann sich Schäfer vorstellen, zur Assistenz gegebenenfalls Freiwillige einzusetzen. „Eine Erzieherin muss sich ja nicht auch um die Desinfektion kümmern und eine gestandene Mutter kann ihr in der Gruppe doch sicher zur Seite stehen.“

Musikschule/Museum

In eigener Zuständigkeit will Bergkamens Verwaltung ebenfalls mehr Türen öffnen. Bei der Bücherei ist es schon geschehen, kommende Woche sollen das Museum und die Galerie sohle 1 folgen. In der Musikschule liefe der Einzelunterricht wieder an, so Schäfer. Was bei den Jugendheimen und in der Jugendkunstschule wieder möglich gemacht werden kann, soll noch eingehender geprüft werden. Die Öffnung der Spielplätze werde bis heute morgen vollzogen sein.

Seniorenheime

Zum Muttertag kommenden Sonntag können alle Alters- und Pflegeheime wieder Besucher empfangen – im Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum der Awo ist das in einer geschützten Kurzkontaktzone bereits möglich. Seit Montag dürfen die Angehörigen und Freunde für zehn Minuten die Senioren dort sehen, die Nachfrage war groß. „Wir hatten bereits 33 Besucher in den ersten drei Tagen“, berichtete Heimleiter Ludger Moor. „Die Bewohner sind richtig begeistert, sie blühen auf und klatschen in die Hände, wenn sie ihre Familie sehen.“ Mit den Lockerungen ab Sonntag darf der Besuch dann doppelt so lange dauern und auch bettlägerige Patienten dürfen in ihren Zimmern getroffen werden.

Im Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum werden Gäste und Bewohner durch Acrylglasscheiben getrennt, jeder muss einen Mundschutz tragen. Weil der für Probleme bei der Kommunikation sorgen kann, können Bewohner mit Hörproblemen auf eine drahtlose Übertragung per Kopfhörer und Mikrophon zurückgreifen. „Gerade die Acrylglasscheibe schluckt einiges an Ton und durch den Mundschutz kann man die Lippenbewegungen nicht mehr sehen“, sagt Moor. Man sei bis jetzt gut durch die Pandemie gekommen, es gab viele abwechslungsreiche Unterhaltungsangebote. Zwölf Bewohner mussten nach Krankenhausbesuchen auf das Coronavirus getestet werden, sie seien alle gesund.

Obergrenze

Die weiteren Lockerungen der Coronabeschränkungen stehen unter einem Vorbehalt: Sollte die Verbreitung des Virus wieder so ansteigen, dass binnen sieben Tagen mehr als 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner auftreten, werden wieder die vorherigen strengeren Maßstäbe angelegt – sofern es kein klar begrenztes Phänomen ist, etwa in einem Pflegeheim oder bestimmten Ort. Bei uns bezieht sich die Obergrenze auf die Bevölkerungszahl im gesamten Kreis Unna und lässt alsbald keine kritische Rate erwarten. Bei knapp 400 000 Einwohnern liegt die Zahl der Neuinfektionen im Kreis Unna laut Robert-Koch-Institut aktuell bei 7,9 Fällen auf 100 000 Menschen. Bei insgesamt 159,6 Fällen pro 100 000 Einwohner ergibt sich eine Infektionsquote von 0,16 Prozent.

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