Einkäufe erledigen, Rezepte einlösen

Jung hilft Alt: Evangelische Jugend bietet Unterstützung für Risikogruppen

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Nele Krabs und Tom Reinecke koordinieren die Aktion „Wir helfen“.

Bergkamen – Ausgangseinschränkung und Kontaktverbot in Zeiten des Coronavirus sind nur die eine Seite der gleichen Medaille. Während diese vor allem junge Menschen beeinträchtigen, haben ältere und kranke das Problem, dass sie zur Risikogruppe gehören und zum eigenen Schutz besser zuhause bleiben. Die Langeweile der „Jungen“ und die Hilfsbedürftigkeit der „Alten“ verbindet die evangelische Jugend Bergkamens nun zu etwas äußerst Positivem: „Wir helfen“ heißt ein Hol- und Bringedienst kurz und prägnant.

35 jugendliche Teamer des Jugendzentrums John an der Martin-Luther-Kirche in Oberaden drehen auf Grund der Kontaktsperre momentan Däumchen, anstatt zum Beispiel Spiel- und Sportgruppen zu leiten oder Ferienfreizeiten vorzubereiten. Schule ist auch nicht. „Was können wir tun, damit uns zuhause nicht die Decke auf den Kopf fällt?“ hieß die Frage. 

Pfarrerin Petra Buschmann-Simons hatte schließlich eine Antwort parat, sodass die Jugendlichen die viele Freizeit sinnvoll gestalten können, ohne ordnungspolitische Auflagen zu missachten: Einkäufe erledigen für ältere und kranke Menschen, Rezepte beim jeweiligen Hausarzt abholen und in der Oberadener Kant-Apotheke einlösen.

Anrufe kommen im Zweistundentakt

„Es sind auch Menschen dabei, die sich nicht raustrauen aus Angst vor dem Virus“, weiß Nele Krabs, die die Aktion gemeinsam mit Tom Reinecke vor Ort koordiniert. In Rünthe übernimmt diese Aufgabe Jürgen Jauer.

Am Mittwoch klingelte das Telefon bei Krabs erstmals um 9.30 Uhr. „Ein Wasserkasten sollte aufgefüllt werden. Die Anrufe kommen so im Zweistundentakt“, erzählt sie. Über eine Whatsapp-Gruppe fragt sie dann an, wer gerade Zeit hat, den Auftrag zu erledigen. Spätestens nach 20 Minuten sei jemand gefunden.

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Nach einer Woche Laufzeit hat sich das Angebot „Wir helfen“ sogar über die Grenzen Bergkamens herumgesprochen. „Sogar aus der Reha Bad Hamm kam eine Anfrage, ob wir einen demnächst entlassenen Patienten, der in Bergkamen wohnt, betreuen könnten. Wir wollen das Angebot allgemein aber auf Bergkamen beschränkt halten“, so Krabs. 

Acht Einkaufswünsche am Tag

Mündlich, per Aushang im Rewe und in der Apotheke sowie über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram wurde erfolgreich geworben. Täglich erhält die Koordinatorin im Schnitt acht Einkaufswünsche. Sammeleinkäufe seien möglich. Der Gemeindebulli steht zur Verfügung, Erwachsene meldeten die Bereitschaft, zu fahren. „Auch solche, die ich aus der Gemeinde gar nicht kenne“, freut sich Krabs über die positive Resonanz.

Bei den Hausärzten ist die Gruppe inzwischen bekannt. „Wir tragen die Kluft der Jugendarbeit, außerdem rufen die Patienten natürlich vorher beim Arzt durch“, weiß Krabs vom reibungslosen Rezeptempfang und der Einlösung. „Damit entlasten wir ja die Fahrer der Kant-Apotheke.“

Medikamente und der Einkauf werden kontaktlos übergeben. Die Helfer finden Einkaufsliste und Geld an einem vereinbarten Ort und legen den Einkauf ebenfalls dort ab. „Wir klingeln, um zu signalisieren, dass die Bestellung da ist.“ Eine einfache, aber effektive Hilfe.

Kontakt

Wer Hilfe benötigt, kann sich unter Telefon 0151/43157302 melden.

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