Bangen um Ferienfreizeiten: Bergkamener Kirchen reagieren auf Corona

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So wie auf diesem Bild in Cuxhaven wollen Kinder aus der Martin-Luther-Gemeinde in diesem Jahr eine unbeschwerte Zeit auf Spiekeroog verbringen. Ob das tatsächlich klappt, ist aber noch offen.

Bergkamen – Wer einmal dabei war, fährt bestimmt auch ein zweites oder drittes Mal mit. Diese Erfahrung hat zumindest Markus Brinkmann von katholischen Pastoralverbund Bergkamen mit der Ferienfreizeit im dänischen Højer gemacht. Seit acht Jahren begleitet er Kinder und Jugendliche aus Bergkamen an die Nordsee – immer mit viel Freude. Dieses Jahr bleibt aber nicht nur der Gemeindereferent zu Hause. Die Freizeit wurde vor knapp drei Wochen wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Traurig darüber sind wohl alle Mädchen und Jungen, die sich schon auf die Zeit am Meer gefreut haben. Auch die Eltern und die Betreuer bedauern die Absage sehr, Markus Brinkmann mit eingeschlossen. „Mir hat es immer sehr, sehr viel Spaß gemacht, die Freizeit zu begleiten. Zwar ist sie mit viel Arbeit und wenig Schlaf verbunden, aber trotzdem toll. Es ist wirklich schade, dass es dieses Jahr nicht klappt“, sagt er. Für ihn ist es seit vielen Jahren das erste Mal, dass er im Sommer daheim bleibt.

„Bevor ich nach Bergkamen kam, war ich in Lünen und habe dort schon jedes Jahr Freizeiten begleitet“, erzählt Brinkmann. Im schlimmsten Fall, falls es überhaupt keine Alternativen zum Programm gibt, will er notgedrungen sein Büro aufräumen. „Aber ein paar Ideen haben wir schon“, berichtet der Gemeindereferent, wenn auch noch nichts Konkretes dabei sei. 

Schnitzeljagd statt große Versammlung

„Wir werden auf jeden Fall die Teilnehmer nicht alle gemeinsam an einem Ort versammeln“, weiß er aber sicher. Stattdessen könne es vielleicht kleinere Aktionen wie Schnitzeljagden geben, bei denen sich die Kinder einzeln auf den Weg machen können. Die Entscheidung, nicht nach Dänemark zu fahren, sei allen Beteiligten nicht leicht gefallen. Am Ende habe aber Sicherheit und Gesundheit Vorrang. „Es ist einfach nicht kalkulierbar, wie es mit Corona weitergeht“, so Markus Brinkmann. Zudem könnten bei einer solchen Reise kaum die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. 

„Das fängt ja schon mit der Busfahrt an“, sagt er. Und in einer Gemeinschaftsunterkunft wird es dann immer schwieriger. Um den Eltern frühzeitig Gewissheit zu geben, wie es nun in den Sommerferien aussieht, hat der Pastoralverbund rechtzeitig die Notbremse gezogen. „Dafür gab es viel Verständnis“, berichtet der Gemeindereferent. 

Martin-Luther-Gemeinde hofft noch

Ebenfalls an die Nordsee, allerdings auf die deutsche Insel Spiekeroog, wollen 40 Kinder und Jugendliche aus der Martin-Luther-Gemeinde in Bergkamen. Für sie gibt es noch Hoffnung, dass sie ihre Ferien tatsächlich wie geplant am 1. August antreten können. „Wir gehen immer noch davon aus, dass es klappen könnte, und planen dementsprechend weiter“, sagt Petra Buschmann-Simons.

Die Gemeinde steht im engen Kontakt mit dem Haus auf der Insel, in dem die jungen Urlauber wohnen sollen. „Die Betreiber raten uns, noch abzuwarten“, berichtet die Pfarrerin. „Es ändert sich im Moment ja so vieles mit den ganzen Lockerungen.“ Sie selbst ist zwiegespalten. „Vom Herzen her hoffe ich, dass es klappen könnte, vom Kopf her bin ich noch nicht so überzeugt, dass sie uns wirklich auf die Insel lassen.“ Petra Buschmann-Simons denkt besonders an die Kinder, die der Reise entgegenfiebern, ebenso wie die Betreuer. 

Vorfreude ist weg

Aber auch die Betreiber der Freizeitstätte der Diakonie spielen in ihren Abwägungen eine Rolle. „Das Haus ist auf uns angewiesen, die brauchen uns jetzt besonders. Aber wenn es nicht klappt, finden wir sicher eine Lösung. Vielleicht fahren wir dann nächstes Jahr.“ Die Pfarrerin macht sich Gedanken um die Anreise, die Fahrt mit der Fähre, aber auch um die Unterbringung in Mehrbettzimmern. „Wie viel Abstand haben die Kinder da. Und macht es überhaupt noch Spaß, wenn viele Aktivitäten nur noch in kleinen Gruppen stattfinden können? Die Insel muss außerdem genügend ärztliche Kapazitäten haben. Das sind alles so Überlegungen, die man so hat. Ich beschäftige mich ständig damit. Das nimmt so ein bisschen die Vorfreude“, schildert sie. 

Petra Buschmann-Simons bekommt Unterstützung von den Betreuern und dem Presbyterium. „Der Ausschuss hat sich dafür ausgesprochen, abzuwarten. Dadurch fühlen wir uns gestärkt“, sagt sie. Mitte Juni steht für die angemeldeten Teilnehmer und ihre Eltern eine Informationsveranstaltung an – in zwei Gruppen in der Martin-Luther-Kirche, um auch dabei den sicheren Abstand einhalten zu können. „Bis dahin wissen wir hoffentlich mehr“, wünscht sich Petra Buschmann-Simons.

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