Niedrigster Stand seit fünf Jahren

Folgen von Corona: Sinkende Unfallzahlen im Kreis Unna

Unfall Bergkamen
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Die Unfallzahlen im Kreis Unna sanken deutlich. In Bergkamen gab es 373 im vergangenen Jahr.

Die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen – auch in der Verkehrsunfallstatistik des vergangenen Jahres. Weil durch Lockdown, Kurzarbeit und Homeschooling deutlich weniger Verkehr auf den Straßen war, kam es auch zu deutlich weniger Unfällen. Im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna sank die Gesamtunfallzahl um 1112 auf nur noch 7504 Unfälle.

Kreis Unna - „Das ist der niedrigste Stand seit deutlich über fünf Jahre hinaus“, erklärte Stephan Werning, Leiter der Direktion Verkehr. Und dass man bei der Zahl der Leichtverletzten „seit langer, langer Zeit im dreistelligen Bereich gelandet“ sei, wäre etwas Besonderes.

Viel weniger Leichtverletzte

„Die Zahl der Leichtverletzten sank deutlich“, erläuterte Werning die Statistik im Rahmen einer Pressekonferenz, die Zahl der Schwerverletzen sei „moderat“ gesunken und auch die Zahl der Verkehrstoten im Kreis Unna sei von acht auf nur zwei gesunken. „Aber da muss unser Ziel natürlich sein, die Zahl auf möglichst 0 zu drücken, damit niemand mehr sein Leben auf den Straßen in unserem Zuständigkeitsbereich verliert“, sagte Werning.

Zahlen deutlich unter Landesdurchschnitt

Damit liegen die Zahlen noch deutlich unter dem Landesschnitt und auf den Straßen des Kreises Unna mit Ausnahme der Stadt Lünen, die zum Polizeipräsidium Dortmund gehört, sei man sicher unterwegs, urteilte Stephan Werning. Entgegen des Landestrends sei auch die Zahl der Unfälle von Radfahrern im Kreis Unna ohne Lünen gesunken – allerdings nur moderat. „Im vergangenen Jahr wurden mehr Fahrräder und auch Pedelecs gekauft. Es wurde zudem mehr Rad gefahren als in anderen Jahren – und wo die Zahl der Radfahrer deutlich zunimmt, kommt es auch zu Unfällen“, erklärte Werning.

Mehr Kinder in Bergkamen verunglückt

In Bergkamen verunglückten im vergangenen Jahr überraschend viele Kinder. Während die Verkehrsunfallentwicklung ingesamt positiv ist und die Zahl der Verkehrsunfälle auf 373 sank, verunglückten acht Kinder mit dem Fahrrad – und damit fünf mehr als im Jahr 2019. Auch bei Pedelec-Unfällen stieg die Zahl von sieben auf neun. Von den zwölf Verkehrsunfallfluchten mit Personenschaden konnten 91,7 Prozent aufgeklärt werden. „Die sind immer besonders verwerflich“, erklärte Stephan Werning. Denn der Unfallverursache entferne sich, ohne sich um verletzte Personen zu kümmern

So waren in 28 Prozent aller Unfälle Radfahrer verwickelt – und bei der Hälfte davon waren die Radler Mitverursacher. Auffällig war auch, dass die meisten Unfallopfer Erwachsene und Senioren waren. „Pedelecs werden halt zunehmend von dieser Altersklasse gekauft“, erklärte Werning, und so sehr es auch zu begrüßen sei, dass Senioren durch die antriebsunterstützten Fahrräder mobiler würden, „aber den höheren Geschwindigkeiten sind viele dann nicht mehr gewachsen“. Werning wagte daher die Prognose, dass die Zahl der verunfallten Radfahrer auch in den kommenden Jahren weiter steigen werde.

Die Unfallstatistik im Kreis Unna stellten Stephan Werning, Leiter der Direktion Verkehr, Landrat Mario Löhr und der Leitende Polizeidirektor Peter Schwab, Leiter der Abteilung Polizei beim Kreis Unna (von links) vor.

Die Polizei setzt daher auch in diesem Jahr weiterhin auf Prävention und Aufklärung – und auf Kontrollen. Zu hohe Geschwindigkeiten sind nämlich auch im Pkw-Verkehr immer noch Unfallursache Nummer eins. Das zeigt auch die Statistik der Autobahnpolizei Dortmund, für die A1 und A2 im Raum Unna/Kamen mitverantwortlich ist.

Mehr Betreuung bei schweren Unfällen

Zu den schwersten Unfällen zählte dort die Massenkarambolagen in der Neujahrsnacht 2020 in dichtem Nebel rund um Bergkamen. Insgesamt verloren auf den heimischen Abschnitten der Autobahn im Jahr 2020 zwölf Menschen ihr Leben (-1), 180 wurden schwer verletzt (41 weniger als im Jahr 2019) und 1066 (minus 270 ) leicht. Zu den Unfallbeteiligten gehörten 1090 Pkw, 101 Lastwagen und 43 Motorräder.

Zahlen in Bönen

Die Verkehrsunfallentwicklung in Bönen verlief im Jahr 2020 insgesamt positiv. Die Zahl der Verkehrsunfälle sank um 11 Prozent auf 104 Fälle. Die Zahl der Verunglückten ging um ein Drittel auf 39 zurück. Eine Steigerung gibt es nur bei Rad fahrenden Senioren: Hier gab es vier Unfälle – statt drei im Jahr zuvor. Als Unfallhäufungsstelle wurde im Jahr 2019 die Kreuzung Bahnhofstraße, Bachstraße, Marmelinghöfer Weg neu in die Liste der unfallkritischen Stellen aufgenommen. Unfallhäufungsstellen im vergangenen Jahr muss die Ermittlungskommission noch ausarbeiten.

Die Kreispolizeibehörde Unna will künftig vor allem stärker auf den Opferschutz setzen: Wer in schwere Unfälle verwickelt wurde, soll künftig besonders betreut werden: Die Kreispolizeibehörde ging dazu eine Kooperation mit der Evangelischen Kirche ein, die über speziell ausgebildete Notfallseelsorger verfügt, die nicht zwingend Pastöre sind.

Als Tandem werden Polizeibeamte und Notfallseelsorger künftig Unfallopfer und deren Angehörige aufsuchen und betreuen – und die Polizei will dabei am Ausbildungsprogramm der Kirche partizipieren.

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